Mutmaßlicher vierter Sauerland-Terrorist vor Gericht: OLG Düsseldorf lässt Anklage zu
zuletzt aktualisiert: 10.02.2009 - 12:10Das Düsseldorfer Oberlandesgericht hat die Anklage gegen den mutmaßlichen vierten Terroristen der Sauerland-Gruppe zugelassen. Der 23 Jahre alte Attila Selek muss sich damit zusammen mit seinen drei Komplizen ab dem 24. März vor Gericht verantworten.
Das teilte ein Sprecher am Dienstag mit. Die vier Männer werden verdächtigt, Bombenanschläge auf US-Einrichtungen in Deutschland geplant zu haben. Die Anklage gegen Selek lautet auf Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und Vorbereitung eines Sprengstoffverbrechens.
Der Deutsch-Türke aus Ulm soll 26 Sprengzünder besorgt haben, die bei der Festnahme der Sauerland-Gruppe im September 2007 sichergestellt worden waren. Selek wurde im November 2007 in der Türkei festgenommen und Ende 2008 nach Deutschland ausgeliefert. Laut Bundesanwaltschaft war der 23-Jährige auch an der Schleusung und Rekrutierung von Personen beteiligt, die sich nach einem Aufenthalt in einem Ausbildungslager am bewaffneten Kampf in ausländischen Krisengebieten beteiligen sollten.
Seinen mutmaßlichen Komplizen, den zum Islam konvertierten Deutschen Fritz Gelowicz und Daniel Schneider sowie dem Türken Adem Yilmaz, wirft die Bundesanwaltschaft unter anderem Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, Vorbereitung eines Sprengstoffverbrechens sowie Verabredung zum Mord und zu einem Sprengstoffverbrechen vor.
Kontakte zu Al Kaida
Die Angeklagten gehörten den Ermittlungen zufolge der Islamischen Dschihad-Union an, die Kontakte zur Al Kaida unterhält. Nach ihrer Ausbildung im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet seien sie nach Deutschland zurückgekehrt, um selbst im "Heiligen Krieg" zu kämpfen, schrieb die Bundesanwaltschaft in ihrer Anklage. Die Männer hatten demnach vor, mit ihren Anschlägen möglichst viele Opfer zu treffen.
Insbesondere Gelowicz - dem zusätzlich Rädelsführerschaft in einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen wird - soll ab Dezember 2006 mit Anschlagsvorbereitungen begonnen haben. Im Laufe der Zeit kaufte er demnach neun Fässer mit Wasserstoffperoxid-Lösung, aus denen die Männer eine hochexplosive Sprengstoffmischung herstellenf wollten.
Ab dem 31. August 2007 mieteten die Angeklagten dann ein Ferienhaus im sauerländischen Medebach-Oberschledorn an und begannen, Zünder zusammenzubauen und die Wasserstoffperoxid-Lösung aufzukochen. Dort wurden sie vier Tage später in einer spektakulären Aktion festgenommen.
Für den Prozess im Hochsicherheitstrakt sind bis August zunächst 47 Verhandlungstage angesetzt. Auf Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung steht eine Höchststrafe von zehn Jahren. Versuchter Mord kann mit einer lebenslangen Haftstrafe geahndet werden.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum




