Mord an Makler: Paar schweigt vor Gericht
VON WULF KANNEGIESSER - zuletzt aktualisiert: 29.07.2009 - 07:18Düsseldorf (RPO). Sie lächeln sich an, als ob die Mordanklage sie gar nichts anginge. Ein 23-jähriger Solinger und seine gleichaltrige Freundin scherzten am Dienstag in einem kurzen Moment sogar hinter dem Rücken ihrer Anwälte miteinander. Nach neun Monaten in getrennter U-Haft war die Atmosphäre zwischen dem jungen Mann im schicken braunen Anzug und seiner Freundin in der weißen Bluse vertraulich und locker.
Dabei stehen beide unter Mordanklage vor dem Schwurgericht. Gemeinschaftlich, aus Habgier, grausam und um einen Raub zu ermöglichen, soll das Paar Ende Oktober 2008 einen 69-jährigen Immobilienmakler in dessen Büro an der Bismarckstraße umgebracht und ausgeplündert haben.
Opfer war "hilflos unterlegen"
Mit 16 wuchtigen Stichen, ausgeführt mit zwei Scheren, sollen die jungen Leute vor neun Monaten den schwer kranken, übergewichtigen Makler getötet haben. Einen 69-Jährigen, der zumindest dem Angeklagten "hilflos unterlegen" war, so die Anklage. Rechtsmediziner entdeckten gar, dass dem Opfer wohl durch gezielte Tritte gegen den Hals auch beide Zungenbeine gebrochen worden sind. Erschütternde Details, bei deren Verlesung gestern die Witwe des Opfers seufzend den Kopf sinken ließ.
Die beiden Angeklagten hatten bei der Polizei angegeben, die einst bei dem Makler beschäftigte Frau habe für eine neue Tätigkeit in dessen Büro an diesem Oktoberabend auf einen Vorschuss von 5000 Euro erhofft, aber der Makler habe beim Treffen bloß 800 Euro angeboten. Nach einem "unharmonischen Gespräch" habe sie das Büro verlassen, ihren Freund von dessen Parkspaziergang wieder abgeholt – und gemeinsam sei man nach Solingen zurückgekehrt. Ob das Paar bei dieser Version bleibt, ist ungewiss. Am nächsten Verhandlungstag, so die Verteidiger, sei mit "Erklärungen" der Angeklagten zu rechnen.
Der Staatsanwalt vertraut seiner Indizienkette gegen das Paar, basierend auf DNA-Spuren vom Tatort und einem Rucksack, der kurz nach dem Verbrechen am Unterbacher See entdeckt worden war. Inhalt: Turnschuhe der Größe 46,5 mit Blutspuren des Opfers sowie mehrere Geldkarten des 69-Jährigen. Der Angeklagte hat Schuhgröße 46.
Von der Polizei mit dem Mordvorwurf konfrontiert, "war der Angeklagte aber in keinster Weise schockiert", erinnerte sich eine Beamtin gestern an die Vernehmung. "Er wusste auf alles eine Antwort, ohne zu überlegen. Was er sagte, war flüssig, chronologisch, es klang plausibel, und seine Laune war gut." Und eine Speichelprobe zum DNA-Abgleich habe der Angeklagte sogar offensiv angeboten. Ganz so, als könne das Ergebnis nur zu seinen Gunsten ausfallen. Das Gegenteil war aber der Fall. Der Prozess wird am 19. August fortgesetzt.
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