Interview: "Paris kann von Düsseldorf lernen"
zuletzt aktualisiert: 07.04.2008 - 08:27Interview Seit drei Jahren lebt der französische Generalkonsul Gilles Thibault mit seiner Familie in Düsseldorf. Weil die Stadt so lebenswert ist, hat er nun verlängert. Ein Gespräch über rasantes Fahren, das Frankreichjahr und warum die Landeshauptstadt keine Partnerin im Nachbarland hat.
Monsieur Thibault, beim Frankreichfest 2007 sind Sie beim Parcours durch die Region im Oldtimer gefahren. Haben Sie sich gestern auf der Kö ans Steuer eines Rennwagens gesetzt?
Thibault Es wäre mein Traum, das mal zu machen. Aber ich denke, dass das gefährlich wäre. Nicht für mich, sondern für die Zuschauer. Ich habe zehn Jahre lang in den Alpen gewohnt, da bin ich in Motocross-Rallye-Wagen mitgefahren.
Sie sind also ein rasanter Autofahrer?
Thibault Ich war es mal. Aber jetzt bin ich verheiratet, habe vier Kinder ...
Noch mal zum Frankreichfest. Vergangenes Jahr gab’s ja eine Premiere: Gefeiert wurde im Innenhof des Rathauses. Ein Zeichen für Ihr gutes Verhältnis zur Stadtspitze?
Thibault Ganz klar. Wir haben hier in Düsseldorf einen sehr dynamischen Oberbürgermeister. Und Herr Erwin ist ein großer Freund Frankreichs. Das freut mich und alle Franzosen in Düsseldorf.
Wie französisch ist denn Düsseldorf?
Thibault Sehr. Die Stadt ist wie Paris - sehr weltoffen, vielfältig. Und natürlich eine Stadt der Mode.
Was kann Düsseldorf von Frankreich lernen?
Thibault Ich glaube eher, dass Frankreich etwas von Düsseldorf lernen kann. Die Menschen hier sind zwar sehr beschäftigt. Sie nehmen sich aber auch die Zeit zu leben, Zeit für kulturelle und sportliche Aktivitäten. Für Familien gibt es in Düsseldorf ein breites Freizeit-Angebot, Schwimmbäder, Sporthallen. Das gibt es in Paris nicht.
Die Landesregierung hat das Frankreich-NRW-Jahr ausgerufen. Wie wird das in Düsseldorf zu spüren sein?
Thibault Es hat schon einige Aktivitäten gegeben: Zum Beispiel die Eröffnungszeremonie am 22. Januar in Düsseldorf mit dem zuständigen französischen Staatssekretär Jouyet. Dann die interessante Reise von Ministerpräsident Rüttgers nach Paris, bei der es zu einem Treffen mit Präsident Sarkozy kam.
Meerbusch hat eine Städtepartnerschaft mit Fouesnant in der Bretagne. Ist es nicht an der Zeit für eine Partnerschaft zwischen Düsseldorf und einer französischen Stadt?
Thibault Es gibt eine intensive kulturelle Zusammenarbeit mit Toulouse, bei der das städtische Europa-Büro sehr engagiert ist. Toulouse und Düsseldorf sind vergleichbare Städte: Beide sind schön, haben eine alte Geschichte und Kunstakademien, liegen an wunderbaren Flüssen - dem Rhein und der Garonne. Es gibt Gemeinsamkeiten in Wirtschaft und Forschung. Beide sind Vorbildstädte.
Und weshalb gibt es noch keine Städtepartnerschaft?
Thibault Der bisherige OB von Toulouse hat sich zwar engagiert, war aber der Ansicht, dass punktuelle Zusammenarbeit zwischen Städten zeitgemäßer sei. Er ist seit der Kommunalwahl vor wenigen Wochen nicht mehr im Amt. Vielleicht sieht es sein Nachfolger anders. Ich bin mir sicher, er wird die engen Beziehungen weiter pflegen. Und vielleicht will er mehr.
Im Rahmen des Frankreichjahrs ist Ende Mai ein Treffen aller NRW-Bürgermeister geplant, deren Städte eine Partnerschaft mit Frankreich haben. OB Erwin wird also nicht dabei sein?
Thibault Ich weiß es nicht. Die Idee des Treffens in Köln ist, sich über Aktivitäten der jeweiligen Städte, aber auch über konkrete Themen auszutauschen. Zum Beispiel Integration, Wirtschaft und Energiesparen in Städten. Kann sein, dass Herr Erwin über solche Inhalte dabei sein wird.
Es gibt ein Buch, das Düsseldorf als 21. Arrondissement von Paris bezeichnet. Da kann man erwarten, dass auch Düsseldorf etwas mehr für die Partnerschaft tut. München etwa hat einen Austausch von städtischen Straßenkehrern organisiert ...
Thibault So etwas ist eine Frage des politischen Willens des OBs. Ich bin mir sicher, dass Herr Erwin an dieser Idee sehr interessiert sein wird.
Es wird auch immer beklagt, es werde zu wenig Französisch gesprochen ...
Thibault Das stimmt nicht. In Frankreich gibt es ein großes Interesse an der deutschen Sprache - vor allem, weil die deutsche Band Tokio Hotel sehr populär ist. Umgekehrt ist auch Französisch in Deutschland verbreitet. Im Rahmen des Frankreichjahrs organisieren wir für alle Schulen in NRW, die Französisch als Leistungskurs haben - immerhin 110 - und französischen Gymnasien, die Deutsch unterrichten, einen Austausch.
Welche Schulen aus Düsseldorf werden dabei sein?
Thibault Schüler des Annette-von-Droste-Hülshoff Gymnasiums und der Berufskollegs Lore-Lorentz und Kaiserswerth werden im Oktober nach Paris fahren.
Insgesamt ist das Programm des Frankreichjahrs aber sehr auf den Kölner Raum fixiert. Woran liegt das?
Thibault Ich muss ehrlich sein: Das war nicht meine Idee. Es ist aber so, dass Düsseldorf zwar der Mittelpunkt des Landes ist. Ich bin aber Generalkonsul für ganz NRW ...
... und leben seit bald drei Jahren mit Ihrer Familie in Düsseldorf ...
Thibault Ja, und wir fühlen uns so wohl hier, dass ich jetzt um ein Jahr verlängert habe. Normalerweise hätte ich im Sommer turnusmäßig wechseln müssen. In einem kürzlich veröffentlichten Ranking zur Lebensqualität kam Düsseldorf bei einem weltweiten Vergleich auf Platz fünf - als erste deutsche Stadt. Paris folgt erst auf Platz 33. Ich bin sehr stolz auf dieses Ranking und kann das aus eigener Erfahrung nur bestätigen. Ich habe deshalb sogar beantragt um noch ein Jahr bis 2010 zu verlängern. Denn auch meine Familie fühlt sich hier sehr wohl.
Woran liegt das?
Thibault Unter anderem an der guten Infrastruktur für Franzosen. Die französische Schule an der Graf-Recke-Straße zum Beispiel ist eine sehr gute Schule. Dort wird nach den Vorgaben des französischen Schulministeriums unterrichtet. Die Nachfrage ist hoch. Deshalb möchten wir uns jetzt mit dem Schul-Vorstand dafür stark machen, die Schule zu erweitern.
Inwiefern?
Thibault Die Idee ist, auf dem benachbarten Gelände der früheren Reitzenstein-Kaserne ein Gebäude zu kaufen. Ich bin in der Sache mit Stadt und Land im Gespräch. Heute sind auf dem Gelände 500 Kinder untergebracht - vom Kindergarten bis zum Abitur. In zehn Jahren könnten es 700 sein.
Was kostet der Besuch dieser Schule?
Thibault Für französische Schüler - etwa die Hälfte sind Doppelstaatler - wird sie nach und nach kostenfrei. Das hat Präsident Sarkozy jetzt entschieden. Die anderen Schüler zahlen 2500 bis 3500 Euro im Jahr. Was nicht viel ist für eine Privatschule. Die Internationale Schule in Neuss kostet das Vierfache.
Apropos Präsident Sarkozy: Wann dürfen wir denn ihn und seine Gattin Carla Bruni in Düsseldorf begrüßen?
Thibault Herr Sarkozy kennt NRW sehr gut und wird am 1. Mai zur Verleihung des Karlspreises an Frau Merkel in Aachen sein. Wer weiß. Ich würde mich jedenfalls sehr freuen, mit Herrn Erwin und dem Ministerpräsidenten Madame Sarkozy-Bruni in Düsseldorf zu empfangen.
Denisa Richters und Godehard Uhlemann führten das Interview
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