Generalkonsul Thibault zurück nach Paris: „Partnerschaft mit Toulouse 2010“
zuletzt aktualisiert: 23.08.2009 - 10:45Düsseldorf (RPO). Der französische Generalkonsul Gilles Thibault kehrt nach vier Jahren in Düsseldorf zurück nach Paris – durchaus schweren Herzens. In der Landeshauptstadt hat er sich für das Frankreichfest, eine Städtepartnerschaft und vor allem die Erweiterung der französischen Schule eingesetzt. Im interview spricht er über die Zeit in Düsseldorf.
Herr Thibault, beim Konsularischen Corps findet ein Wechsel statt. Wann haben Sie Ihren letzten Arbeitstag?
Thibault Am 31. August.
Dann werden Sie ja noch die Kommunalwahl am 30. August erleben...
Thibault Ja, und ich bin darüber sehr froh, weil ich mit meinen Mitarbeitern noch über das Ergebnis diskutieren kann. Auch für meinen Nachfolger, Hugues Nordi, wird es spannend, weil ja noch die Bundestagswahl am 27. September folgt.
Ihr US- Kollege Boyse geht jetzt nach Afghanistan, ihr britischer Kollege Tibber nach Pakistan. In welches Krisengebiet werden Sie geschickt?
Thibault Für mich wird es nicht so gefährlich, aber spannend. Ich gehe nämlich nach Paris. Das freut mich auch, weil ich die vergangenen sieben Jahre im Ausland war - drei in Kroatien, vier in Düsseldorf. Es gehört zum normalen Leben eines Diplomaten, dass er auch wieder einige Zeit in seiner Heimat verbringt.
Zur Person
Privat geboren am 14. April 1959, verheiratet, vier Kinder (8,12, 14 und 15 Jahre alt)
Beruf Offizierslaufbahn 1983 bis 1999 (Oberstleutnant); danach im französischen Außenministerium, bis 2005 Vize-Botschafter in Zagreb, Kroatien, seit 2005 Generalkonsul in Düsseldorf
Franzosen In Düsseldorf und der Region leben etwa 6000 Franzosen, ca. 100 französische Firmen sind hier vertreten
Was werden Sie in Paris machen?
Thibault Ich werde Chef der zentralen Abteilung für logistische Fragen im Außenministerium und zum Beispiel das internationale Konferenzzentrum leiten. Es ist eine große Abteilung mit 250 Mitarbeitern.
Paris ist ja nah an Düsseldorf ...
Thibault Richtig, und ich will auch öfter wiederkommen. Denn meine Frau, die Kinder und ich haben hier sehr viele gute Freunde gefunden. Diese Kontakte wollen wir aufrechterhalten.
Sie haben Ihren Aufenthalt hier sogar um ein Jahr auf vier verlängert. Weil es Ihnen so gut gefallen hat?
Thibault Auch. Aber es war aus einem anderen Grund sehr wichtig und eine Idee des französischen Botschafters, dass ich länger bleibe. Denn es ging darum, gemeinsam mit Ministerpräsident Rüttgers und Wirtschaftsvertretern im Rahmen des NRW-Jahrs Projekte zur Verbesserung der Beziehungen zwischen NRW und Frankreich umzusetzen - und zwar im wirtschaftlichen, kulturellen, aber auch gesellschaftlichen Bereich. Das war ein einzigartiges Abenteuer mit sehr großem Engagement. Es gibt aber auch für meinen Nachfolger noch viele Aufgaben zum Wohle der deutsch-französischen Beziehungen. Zum Beispiel im Rahmen des Programms der Kulturhauptstadt Essen im nächsten Jahr.
Sie und Ihre Familien sind Teil der Düsseldorfer Gesellschaft geworden. Wie schwer fällt da der Abschied?
Thibault Sehr schwer. Denn die Jahre hier waren eine wunderbare Erfahrung mit all den Aktivitäten, die NRW und Düsseldorf bieten. Die Konzerte, die Oper, der Sport... Meine Kinder haben viel Tennis und Rugby gespielt - im Rugby sogar um den Meistertitel. Sie haben Düsseldorf als internationale Stadt erlebt, haben viele deutsche, amerikanische, japanische Freunde gefunden. Die beste Freundin meiner 15-jährigen Tochter ist die Tochter des spanischen Generalkonsuls.
Was wird Ihnen am meisten fehlen?
Thibault Vieles. Die Offenheit und Großzügigkeit der Rheinländer, aber auch der Westfalen.
Offene Westfalen?
Thibault Ja, tatsächlich. Ich habe viele in Bielefeld und Münster getroffen. Manchmal muss vielleicht jemand von außerhalb kommen, um Vorurteile zu brechen. Es wird ja auch immer gesagt, die Deutschen seien pessimistisch. Das stimmt nicht. Die Düsseldorfer sind große Optimisten und haben immer einen Grund zu feiern. Das wird mir fehlen. Und natürlich die große Vielfalt an Brotsorten.
Sie vertreten 17000 Franzosen in NRW, 3000 davon leben allein in Düsseldorf. Weshalb fühlen sich Ihre Landsleute hier so wohl?
Thibault Da spielt sicherlich Düsseldorfs Vorgeschichte mit Napoleon und Heinrich Heine eine Rolle. Aber auch das Lebensgefühl in dieser Stadt und vor allem die Infrastruktur sind wichtig. Es gibt die französische Schule, Vereine, Wirtschaftsclubs, das Institut français, den Club des affaires und vieles mehr.
Ihr Verdienst ist, dass das Frankreichfest nun auch im absoluten Zentrum der Stadt, nämlich im Innenhof des Rathauses stattfindet. Sind Sie stolz?
Thibault Ja, natürlich. Dieses Fest ist einzigartig und macht Düsseldorf zu der französischsten aller deutschen Städte. Ohne Zweifel ist es ein Teil des Düsseldorfer Lebens dank der wunderbaren Zusammenarbeit von Stadt, Destination Düsseldorf und Generalkonsulat.
Wenn Düsseldorf so französisch ist, warum gibt’s dann noch immer keine Städtepartnerschaft mit Frankreich?
Thibault Sie ist auf einem guten Weg. Es gibt bereits sehr enge und gute Kontakte zwischen Düsseldorf und Toulouse. Bisher vor allem im kulturellen Bereich. Dabei wird es aber nicht bleiben. Denn es gibt so viele Berührungspunkte zwischen deutschen und französischen Städten. Köln und Lille haben zum Beispiel zusammen einen Preis gewonnen für ein Projekt, bei dem in den Stadtverwaltungen Energie gespart wird. Ich bin sicher, dass so etwas auch für Düsseldorf und Toulouse interessant ist.
Wann wird diese Städtepartnerschaft denn endlich besiegelt?
Thibault Wahrscheinlich 2010.
Eines Ihrer Herzensanliegen war, die französische Schule an der Graf-Recke-Straße zu erweitern. Wie weit ist es?
Thibault Wir haben mit Oberbürgermeister Elbers und dem Planungsdezernenten Bonin eine neue Idee entwickelt, die gut funktionieren wird. Wir werden die Schule nämlich auf dem bestehenden Grundstück erweitern.
Die Ausweitung aufs Areal der Reitzensteinkaserne ist vom Tisch?
Thibault Ja. Mit der Finanzkrise ist es schwieriger geworden, deshalb planen wir nun einen Neubau auf dem Gelände der Schule.
Wie viele Schüler gibt es dort?
Thibault Derzeit 540. Wir wollen 100 Plätze mehr schaffen. Denn es gibt viel mehr Nachfrage als Plätze. Die Schule ist sehr begehrt, weil es eine Vorschule und ein sehr gutes bilinguales Programm gibt.
Was werden Sie Ihrem Nachfolger mit auf den Weg geben?
Thibault Dass es wichtig ist für die Zukunft von Deutschland und Frankreich, die Beziehungen beider Länder weiter zu vertiefen. Ohne Zusammenarbeit sind wir in der globalisierten Welt nichts, gemeinsam sind wir mit dem vereinten Europa größer als die Vereinigten Staaten.
Der OB hat Sie zum nächsten Frankreichfest eingeladen. Werden Sie kommen?
Thibault Ja, aber erst am zweiten Tag.
Denisa Richters führte das Interview.
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