Totenmesse für Joachim Erwin: Passanten bleiben spontan stehen
VON DANIEL MÜLLER - zuletzt aktualisiert: 29.05.2008 - 13:15Auf dem Stiftsplatz herrscht am Donnerstagmorgen andächtige Ruhe, obwohl sich dort über 200 Menschen versammelt hatten. Über Lautsprecher sind sie dabei, als viele geladene Trauergäste in der Lambertuskirche in einer Totenmesse für Joachim Erwin Abschied nehmen.
Die Menschen vor der Tür fühlen sich keineswegs als Zaungäste des Abschieds: Sie singen und beten gemeinsam mit den Trauernden in der Kirche. Passanten halten inne: Spontan bleiben sie stehen und hören zu. Eine Anwohnerin hat eine einzelne Rose ins Fenster gestellt und beteiligt sich von dort an der Messe.
Auch der Rentner Helmut Schmal ist mit seiner Frau gekommen: Das Düsseldorfer Urgestein möchte Joachim Erwin die Ehre erweisen, auch wenn beide ihn nicht persönlich kannten. "Er war ein großartiger Bürgermeister", finden sie. Dem Weg der Trauergäste wollen sie bis zum Nordfriedhof folgen.
Vertreter des Brauchtums sind ebenfalls auf dem Stiftsplatz: Die Unterrather Funken sind vor Ort, mehrere Schützenvereine erweisen Joachim Erwin die Ehre.
Den Menschen Erwin im Mittelpunkt
Im Zentrum der Totenmesse steht der christliche Glaube an die Wiederauferstehung. Das hatte sich die Familie von Joachim Erwin so gewünscht. Daher ist die Kirche mit Blumen festlich geschmückt, neben dem Sarg brennt eine Osterkerze. Stadtdechant Rolf Steinhäuser, der die Messe leitet, stellt nicht den Politiker, sondern den Menschen Joachim Erwin in den Mittelpunkt seiner Predigt.
"Ob seine Nachfolger das Geld zusammenhalten werden, wissen wir nicht. Und ob sie ein Aquarium mit internationalem Anspruch bauen werden, können wir heute nicht wissen", sagt Steinhäuser in Anspielung auf Erwins zehn Punkte umfassendes Vermächtnis. Steinhäuser fährt fort: "Das Wichtigste hat er zuletzt gesagt: Gott schütze diese unsere Stadt".
Erwin war, so Steinhäuser, ein "Experte für das Leben", der dem Leben noch viele Jahre abgerungen habe. Darin sei er dem vertorbenen Papst Johannes Paul II. vergleichbar, der ebenfalls trotz langer Krankheit sein Amt bis zuletzt voll ausfüllte.
Die Fürbitte halten Erwins Kinder, Angela und Markus Erwin: Gefasst erbitten sie von Gott Trost, Gottvertrauen und Kraft für alle Kranken. Die Kollekte geht folgerichtig an den Förderverein des Augusta-Krankenhauses, in dem Joachim Erwin am 20. Mai gestorben war.
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