Uniklinik: Patientin wird nach Krebstherapie schwanger
VON DIRKE KÖPP - zuletzt aktualisiert: 20.01.2009 - 07:59Düsseldorf (RPO). An der Uniklinik Düsseldorf ist eine 34-jährige Krebspatientin mit Hilfe von Reproduktionmedizin trotz Chemotherapie und Bestrahlung schwanger geworden. Bundesweit ist dies der einzige registrierte Fall.
Bemerkenswert ist das daher, da die lebensrettende Krebstherapie mit Chemo- oder Strahlenbehandlung oft die Keimzellen schädigt, so dass Mutter- oder Vaterschaft ausgeschlossen sind. "Es gibt aber dank der Reproduktionsmedizin für die Patientinnen Möglichkeiten, trotzdem schwanger zu werden", so Jan Krüssel, Leiter des Kinderwunschzentrums Unikid an der Uniklinik.
Gewebe oder Eizellen entnehmen
Die Methode ist abhängig von Alter und Lebenssituation der Patientin: Bei Mädchen, die noch nicht geschlechtsreif sind, wird Gewebe aus dem Eierstock entnommen und eingefroren. Zu gegebenem Zeitpunkt muss dieses dann dazu gebracht werden, wieder Eizellen zu bilden. Das ist relativ schwierig und noch nicht vollständig erforscht.
Weltweit gibt es derzeit laut Krüssel nur zehn beschriebene Fälle. Zudem besteht das Risiko, dass in dem Gewebe bösartige Zellen existieren und der Patientin wieder eingepflanzt werden. Bei erwachsenen Frauen mit festem Lebenspartner – wie bei der 34-jährigen Düsseldorfer Patientin Anna Kern – werden nach einer Hormonbehandlung Eizellen entnommen, außerhalb des Körpers befruchtet, eingefroren und dann eingesetzt, wenn der Gesundheitszustand der Frau es zulässt.
"Diese Art von Behandlung ist wie normale künstliche Befruchtung", so Krüssel, "und wird täglich tausende Male gemacht." Die Erfolgsquote der künstlichen Befruchtung liegt bei etwa 28 Prozent.
Möglich ist diese Methode indes nur nur, wenn die Patientin nicht an einer Krebsart leidet, bei der das Tumorwachstum durch die Hormongabe angeregt würde, wie bei Brustkrebs. "Unser Ansatz ist, onkologische Sicherheit zu garantieren und zugleich Nachwuchs zu ermöglichen", betont Wolfgang Janni, Direktor der Uni-Frauenklinik, an der Unikid angesiedelt ist.
Im Jahr 2010 wird, schätzt Krüssel. eine von 250 Frauen im fortpflanzungsfähigen Alter eine Vorgeschichte mit Krebs haben: Leukämie im Kindesalter oder Blut-, Brust- bzw. Genitalkrebs. "Viele Patientinnen ärgern sich im Nachhinein, dass sie nichts von den Möglichkeiten der Reproduktionsmedizin wussten", sagt Krüssel. "Und da der Zeitfaktor bei Krebs eine Rolle spielt, garantieren wir einer Tumorpatientin, die hier anruft, dass sie noch am gleichen Tag eine Beratung bekommt."
Anna Kern ist inzwischen in der 15. Schwangerschaftswoche. "Bis auf die Übelkeit geht es mir sehr gut", sagt die 34-Jährige. Sie und ihr Mann Sascha freuen sich auf das Baby. Und vielleicht auch noch auf ein weiteres, denn im Unikid liegen noch weitere befruchtete Eizellen.
Kontakt zu Unikid: Tel. 0211 8104060, www.unikid.de
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