Eigensinnig wie Heine: Peter Handke bekommt den Heine-Preis 2006
zuletzt aktualisiert: 23.05.2006 - 15:19Düsseldorf (dto). Der österreichische Schriftsteller Peter Handke bekommt Im Dezember den Heine-Preis der Stadt Düsseldorf. „Eigensinnig wie Heine verfolgt er seinen Weg zu einer offenen Wahrheit“, heißt es in der Begründung der Jury. Handtke bekommt den in diesem Jahr zum ersten Mal mit 50.000 Euro dotierten Heine-Preis zum Abschluss der Feierlichkeiten anlässlich des 150. Todesjahres von Heinrich Heine. Handke hatte allerdings 2003 erklärt, er werde nie wieder öffentlich auftreten.
Nachdem die Jury bereits letzten Samstag ihre Entscheidung getroffen hatte, war es zunächst schwer den designierten Preisträger zu kontaktieren. Oberbürgermeister Joachim Erwin erreichte Handke erst nach mehreren vergeblichen Versuchen am Dienstag telefonisch in Paris und informierte ihn über den Beschluss der Heine-Jury. Handke erklärte, dass er die Auszeichnung mit Freuden annehmen werde.
Ob mit der Annahme des Preises auch ein öffentlicher auftritt des Literaten verbunden ist, darüber kann nur spekuliert werden. Handke hatte 2003 bei der Verleihung der Ehrendoktorwürde der Universität Salzburg erklärt: "Das ist das letzte Mal, dass ich mein Idiotentum öffentlich zeige." In der Antike hätten die Idioten abseits der Stadt gelebt. Heute stünden dagegen viele Idioten in der Öffentlichkeit. Er wolle nicht länger ein Idiot sein und niemals wieder in der Öffentlichkeit auftreten.
Die Jury begründete ihre Entscheidung mit eben diesem, Heine ähnlichen Eigensinn Handkes. „Wie Heinrich Heine verfolgt Peter Handke in seinem Werk seinen Weg zu einer offenen Wahrheit. Den poetischen Blick auf die Welt setzt er rücksichtslos gegen die veröffentlichte Meinung und deren Rituale", heißt es in der Begründung.
Der Heine-Preis zählt zu den wichtigsten Literatur- und Persönlichkeitspreisen in Deutschland. Er wird seit 1972 verliehen und war bislang mit 25.000 Euro dotiert. Zusammen mit dem Goethe-Preis der Stadt Frankfurt und dem Joseph-Breitbach-Preis in Mainzhält er mit der finanziellen Ausstattung von 50.000 Euro den Spitzenplatz im deutschsprachigen Raum. Der Heine-Preis wird, wie es in den Bestimmungen heißt, an Persönlichkeiten verliehen, die durch ihr geistiges Schaffen im Sinne der Grundrechte des Menschen wirken, „den sozialen und politischen Fortschritt fördern, der Völkerverständigung dienen oder die Erkenntnis von der Zusammengehörigkeit aller Menschen verbreiten".
Bisherige Preisträger
Der Preis, den Düsseldorf als Vaterstadt zu Ehren des hier 1797 geborenen Heinrich Heine gestiftet und 1972 erstmals verliehen hat, wird zum 16. Mal vergeben. Zunächst erfolgte die Vergabe in dreijährigem Rhythmus, seit 1981 in zweijährigem Rhythmus, allerdings mit zwei Abweichungen: 1987 wurde die Vergabe in das Jahr des Stadtjubiläums 1988 verschoben, und für 1995 beschloss der Rat eine Verschiebung auf 1996.
Die bisherigen Heine-Preisträger sind: Carl Zuckmayer (1972), Pierre Berteaux (1975), Sebastian Haffner (1978), Walter Jens (1981), Carl Friedrich von Weizsäcker (1983), Günter Kunert (1985), Marion Gräfin Dönhoff (1988), Max Frisch (1989), Richard von Weizsäcker (1991), Wolf Biermann (1993), Wladyslaw Bartoszewski (1996), Hans Magnus Enzensberger (1998), W.G. Max Sebald (2000), Elfriede Jelinek (2002) und Robert Gernhardt (2004).
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