Uniklinik: Pfarrerin deckt fatalen Fehler auf
VON STEFANI GEILHAUSEN - zuletzt aktualisiert: 22.02.2010 - 11:36Düsseldorf (RPO). Fast hätte Brigitte Bekiesza ihren Lebensgefährten zum zweiten Mal verloren: Nachdem er am Sonntag in der Uni-Klinik gestorben war, sollte er am Freitag ohne Wissen seiner Familie anonym beigesetzt werden. Eine engagierte Pfarrerin deckte in letzter Minute das fatale Versehen auf.
Ganz langsam kommt sie wieder zu sich. Jetzt, sagt Brigitte Bekiesza, "kann ich anfangen zu trauern." Die vergangene Woche war ein einziges Entsetzen.
Es begann damit, dass ihr Lebensgefährte in der Nacht zum Sonntag mit starken Rückenschmerzen in die Uni-Klinik eingeliefert wurde. Kurz bevor sie ihn am Nachmittag besuchen wollte, erhielt Brigitte Bekiesza die schlimme Nachricht: Michael Bleyer war während einer Untersuchung gestorben.
Für die Ärzte sei sein Tod unerklärlich, versichert ein Mediziner Bleyers Lebensgefährtin, er bitte deshalb um die Zustimmung zu einer Obduktion. Weil das Paar nicht verheiratet war, kommen Bleyers erwachsene Töchter nach Düsseldorf, geben schriftlich ihr Einverständnis für die Autopsie.
Während sich die Familie um die Beerdigung kümmert, ein Bestattungsinstitut beauftragt und regelt, was zu regeln ist, soll die Todesursache ermittelt werden. "Zwei, drei Tage", hatte der Arzt Brigitte gesagt, könne das dauern. "Ich habe am Mittwoch mehrmals angerufen, aber niemand auf der Station wusste etwas. Am Donnerstag bekamen weder ich noch seine Töchter überhaupt jemanden ans Telefon."
In die Trauer um den 52-Jährigen, auf dessen plötzlichen Tod sie so gar nicht vorbereitet gewesen ist, mischt sich die Ungewissheit. Wie soll sie eine Beerdigung vorbereiten, wenn sie nicht weiß, was mit dem Leichnam geschehen ist? Am Freitag will Brigitte Bekiesza zusammen mit den Töchtern ihres Freundes in die Klinik fahren, um nachzufragen. Da klingelt das Telefon. "Eine Pfarrerin war dran und fragte, ob ich einen Herrn Bleyer kenne."
Annette Begemann ist Pfarrerin in Eller. Sie war bereits am Mittwoch gebeten worden, ein Mitglied ihrer Gemeinde, das keine Angehörigen habe, am Freitag auf dem anonymen Gräberfeld auf dem Nordfriedhof zu beerdigen. Für solche Verstorbenen ist das Ordnungsamt zuständig, das einen Bestatter mit der anonymen Beisetzung beauftragt.
So war es offensichtlich nach der Obduktion auch mit Michael Bleyer geschehen – obwohl in der Uni-Klinik die Telefonnummern seiner Töchter und seiner Lebensgefährtin bekannt waren. "Da muss ein Fehler passiert sein", sagte gestern Susanne Dop-heide, Sprecherin der Uni-Klinik. "So etwas sollte natürlich überhaupt nicht geschehen." Wie es dennoch dazu kam, soll heute im Klinikum geprüft werden.
Pfarrerin Begemann hatte nach dem Anruf des Bestatters "gleich ein seltsames Gefühl". Sie kennt sich aus in Eller, weiß, dass Bleyers Viertel "alles andere als anonym ist. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass niemand den Mann kennt." Doch obwohl der Bestatter an Bleyers letzter Adresse per Aushang im Haus über dessen Tod informiert hatte, sollte sich niemand gemeldet haben.
Die Pfarrerin – "irgendwie war mein Spürsinn geweckt" – hakte beim Ordnungsamt nach. Und erfuhr, dass der Bestatter eine falsche Hausnummer hatte – wohl ein Übermittlungsfehler. Als die Pfarrerin am Freitagmorgen auf Gut Glück Hausbewohner an der richtigen Adresse anruft und auf Brigitte Bekiesza trifft, ist das die Rettung in buchstäblich letzter Minute. Michael Bleyer sollte mittags auf dem Nordfriedhof beigesetzt werden.
"Ich hätte mir nie verziehen, wenn ich ihn so verloren hätte", sagt Brigitte Bekiesza. "Ich bin der Pfarrerin unendlich dankbar dafür, dass sie nicht locker gelassen hat. Ohne sie gäbe es nicht einmal mehr ein Grab, das ich besuchen kann." Jetzt hofft sie, dass die Uni-Klinik ihre Abläufe neu überprüft, um solche Pannen für die Zukunft auszuschließen.
"Niemand, der einen geliebten Menschen verloren hat, sollte auch noch so etwas durchmachen." Das sagt auch Annette Begemann. Sie wird Michael Bleyer in zwei Wochen beerdigen – im Kreise seiner Familie und seiner Freunde.
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