Diakonie: Pilotprojekt zu Inklusion in Kita
VON MICHAEL BROCKERHOFF - zuletzt aktualisiert: 05.02.2012 - 08:55Düsseldorf (RPO). Die Diakonie fördert in einem Pilotprojekt die Integration von behinderten Kindern in ihren Kitas. Die unterschiedlichen Fähigkeiten sollen im Umgang miteinander anerkannt und gefördert werden.
Das gemeinsame Spielen mit anderen Kindern fällt dem fünfjährigen Jungen schwer. Er ist meist für sich allein, hält Distanz, spricht so gut wie überhaupt nicht mit seinen Altersgenossen. Er hat eine besondere Form von Autismus, das Asperger-Syndrom, wurde diagnostiziert. Trotzdem wird er in seiner Kita-Gruppe nicht gemieden und bespöttelt, bekommt im Gegenteil viel Anerkennung, wenn beispielsweise im Stuhlkreis Bücher betrachtet werden.
Dann wird seine Fähigkeit bewundert, dass er schon gut lesen kann, und auch beim Puzzeln ist er meist der Beste. „Wir wollen in der Kita Kinder mit Behinderungen nicht ausgrenzen, sondern in die Gemeinschaft einbinden“, sagt die Leiterin der heilpädagogischen Ambulanz der Diakonie, Heike Keller.
Deshalb hat der evangelische Wohlfahrtsverband das Pilotprojekt Inklusion in Kitas gestartet. Behinderte Kinder sollen gemeinsam mit Nicht-Behinderten groß werden und individuell gefördert werden. Fällt Erzieherinnen auf, dass ein Kind sich ungewöhnlich verhält, sprechen sie zuerst darüber mit den Kindern und holen sich dann Rat bei Keller und ihren beiden Mitarbeiterinnen für das ausschließlich durch Spenden finanzierte Kita-Projekt.
56 Kinder haben sie im vergangenen Jahr besonders beobachtet. „Das sprachliche Vermögen, die Art zu spielen und sich zu bewegen und der Umgang mit anderen Kindern werden bewertet“, so Keller. Daraus werden individuell für jedes Kind Vorschläge zur Förderung erarbeitet. Die orientieren sich am Kita-Alltag. „Ein Kind braucht beispielsweise besonderes Material zum Bauen, ein anderes braucht Anreize zum Bewegen, wieder ein anderes kann Gesichtsmimik wie Lachen oder Trauer nicht einordnen und braucht besondere Anreize“, berichtet Keller.
Das Prinzip der Hilfe ist einfach und gilt für Behinderte wie für Nichtbehinderte: „Wir müssen bloß nachfragen, was ein Kind mit seinen individuellen Eigenschaften braucht, um sich gut entwickeln zu können“, so Keller. Je früher Kinder lernten, dass jeder Mensch auch mit besonderen Eigenarten respektwürdig ist und dass ein Zusammenleben mit ihm möglich ist, desto selbstverständlicher wird später in der Schule oder im Betrieb der Umgang auch mit Behinderten, ist Pfarrer Thorsten Nolting, Vorstandsvorsitzender der Diakonie, überzeugt.
Deshalb habe die Diakonie das Pilotprojekt Inklusion in Kitas gestartet. Auch Eltern seien für die frühe Hilfe dankbar, weil sie spüren, mit ihren Kindern nicht allein gelassen oder abgelehnt zu werden. Für Nolting ist das Projekt deshalb ein Schritt zu einer Gesellschaft, die den Menschen nicht bloß als Leistungsträger sieht, sondern ihn entsprechend seiner Fähigkeiten fördert und anerkennt.
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