Straßenbahn macht Schlenker für Baum: Platane trotzt Wehrhahn-Linie
VON JAN SCHNETTLER - zuletzt aktualisiert: 08.12.2009 - 07:57Düsseldorf (RPO). Für den Erhalt eines alten Baums zieht die Stadt beim Bau der Wehrhahn-Linie alle Register. Die Straßenbahn macht für ihn einen Schlenker, bald erhält er zur Sicherheit einen "Wurzelvorhang" – und zwei "Leibwächter" hat er schon.
Wie alt der Baum genau ist, weiß wohl niemand so recht. "Manche schätzen ihn auf über 300 Jahre", sagt Günter Albrecht, und er muss es noch am besten wissen: Als Sachbearbeiter beim Gartenamt ist Albrecht auch für die mächtige Platane zuständig, die das Straßenbild am Wehrhahn prägt. Denn im Gegensatz zu rund 200 anderen Bäumen, die im Zuge der Arbeiten für die Wehrhahn-Linie gefällt werden mussten, gilt die Platane als "stadtbildprägend" – und bleibt stehen.
"Die Schienen, die gerade neu verlegt wurden, führen daher auch extra in einer Kurve um den Baum herum", sagt Albrecht. Da die U-Bahn-Baustelle am Wehrhahn bis Ende Januar auf die südliche Straßenseite verlegt wird, musste die Straßenbahn-Haltestelle neu angelegt werden, die Schienen wurden verschwenkt – um den Baum herum. Und später, wenn direkt neben der Platane, auf Höhe des Hauses Am Wehrhahn 47, die Züge der neuen U-Bahn-Linie aus dem Tunnel an die Oberfläche fahren, geschieht dies in einem Sicherheitsabstand von 5,50 Metern. "Damit ist sichergestellt, dass die Wurzeln geschützt sind", so Albrecht.
Schon 2001 begann das Gartenamt mit den vorbereitenden Arbeiten für den Bau der Wehrhahn-Linie – sechs Jahre vor dem ersten Spatenstich. "Maßgabe dabei war, so viele Bäume wie möglich zu erhalten", sagt Albrecht. Wegen der langen Vorlaufzeit konnten Baustellenflächen oft so eingerichtet werden, dass Bäume nicht zu Schaden kommen – etwa Linden am Graf-Adolf-Platz, eine alte Kastanie am Kirchplatz. Mit Mehrkosten sei das alles nicht verbunden, da der Baumschutz von vornherein im Etat der Wehrhahn-Linie (650,5 Millionen Euro, Land und Bund tragen davon mehr als die Hälfte) festgeschrieben gewesen sei.
Die gut 25 Meter hohe Platane vor Frankenheim am Wehrhahn, deren knubbeliger Stamm einen Umfang von mehreren Metern hat und deren Alter nur mittels Jahresringzählung oder aufwändiger Kernbohrungen zu bestimmen wäre, ist jedenfalls der einzige Baum, für dessen Erhalt ein so großer Aufwand betrieben wird. Sobald die Ausschachtungen für die U-Bahn beginnen, wird der Erdboden um den Baum in einer Tiefe von 1,50 Metern abgegraben und mit Spezialsubstrat neu verfüllt – ein so genannter Wurzelvorhang. "Das stellt sicher, dass sich neue Feinwurzeln bilden", sagt Albrecht. "Aus denen bezieht der Baum seine Nahrung."
Dem Gartenamt spielt in die Karten, dass die großen Wurzeln, die die Platane im Boden verankern, in Fahrtrichtung der jetzigen Straßenbahnen wachsen und mehr oder weniger waagerecht verlaufen. "Faustregel ist, dass die Wurzeln dieselben Ausmaße haben wie die Äste", sagt Albrecht – im Fall der Platane also stolze 20 Meter.
Ralf Winter, Anliegerbetreuer für die Wehrhahn-Linie im Bereich Schadowstraße/Am Wehrhahn, freut sich, dass der Baum stehen bleibt – und sieht regelmäßig nach dem Rechten. "Ich habe ihn schon früher auf dem Schulweg täglich bewundert", sagt Winter. "Und die Anwohner hier waren alle sehr erleichtert, als sie hörten, dass ihnen der vertraute Anblick erhalten bleibt."
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