Knackpunkt Klimaanlagen: Poker um die Silberpfeile
VON MATTHIAS ROSCHER - zuletzt aktualisiert: 30.05.2008 - 08:38Düsseldorf (RPO). Nachdem die Rheinbahn die Verhandlungen über die Lieferung von 61 Straßenbahnen mit Klimaanlage gestoppt hat, sucht Siemens weiter nach Möglichkeiten für deren Einbau. Die Düsseldorfer verlangen Garantie-Erklärungen.
Der Verhandlungspoker um den Großauftrag zur Lieferung von 61Straßenbahnen der neuen Silberpfeil-Generation geht weiter. Währen die Rheinbahn auch gestern bei ihrer Entscheidung blieb, die neuen Bahnen nicht mit der bisher vorgesehenen Klimaanlage ausrüsten zu lassen, versicherte Hersteller Siemens: „Wir prüfen derzeit Möglichkeiten, wie wir die Klimaanlagen einbauen können.“
Der Rheinbahn-Vorstand hatte am Mittwoch für einen Paukenschlag gesorgt, als er sich „nach langen Verhandlungen“ dafür entschied, auf die pro Fahrzeug etwa 300000 Euro teuren Klimaanlagen zu verzichten. Offiziell gab das Verkehrsunternehmen als Grund an, „dass Siemens sich außer Stande sieht, bestimmte, in den Ursprungsverträgen festgelegte und zugesicherte Eigenschaften nach wie vor zu garantieren“.
Während der Vertriebsleiter von Siemens-Mobility in Erlangen gestern im Rheinbahn-Haus verhandelte, wurde Unternehmenssprecher Georg Schumacher deutlich: „Wir machen das mit der Klimaanlage nicht ohne Garantie. Hier geht es um ein Auftragsvolumen von insgesamt 61 mal 2,3 Millionen Euro plus 300000 Euro pro Klimaanlage. Wir riskieren nicht, dass wir die neuen Wagen am Ende nicht mehr einsetzen dürfen. Wir säßen dann auf 160 Millionen Euro. Das können wir uns nicht leisten.“
Der Knackpunkt nach Darstellung der Rheinbahn: Die zulässige Achslast von zehn Tonnen darf durch den zusätzlichen Einbau der Klimaanlage nicht überschritten werden. Eine solche Gewichtsüberschreitung sei ausgeschlossen, weil die Straßenbahnen sonst nicht über die einhundert Düsseldorfer Brücken fahren dürfen. Machbarkeitsberechnungen hätten ergeben, dass die zulässigen Grenzwerte trotz des zusätzlichen Gewichts der Klimaanlagen eingehalten werden könnten. Was aber fehle, sei eine entsprechende Garantiezusage von Siemens. „Ohne diese läge das Risiko bei der Rheinbahn.“
Von den neuen, sogar mit einem Design-Preis ausgezeichneten Silberpfeilen sind 15 ausgeliefert und in Betrieb. Die nächsten 61 sollen spätestens zum Start der neuen U-Bahnlinie Wehrhahn im Jahr 2014 anrollen. Sie hätte die Rheinbahn gerne mit Klimaanlagen auch in den Fahrgasträumen. Abgesehen vom aktuellen Verhandlungspoker lässt Rheinbahnsprecher Schumacher auf sie nichts kommen: „Die fahren super und sehen super aus.“
Die Rheinbahn ist Siemens-Kunde seit Jahrzehnten. Hersteller der heute noch fahrenden gelben Wagen aus den Sechzigern sowie der roten Stadtbahnen war die von Siemens übernommene Düwag.
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