Zuschuss abgelehnt: Politiker stoppen Geld für Profisport
VON JÖRN TÜFFERS - zuletzt aktualisiert: 22.03.2011 - 07:17Düsseldorf (RPO). Handball-Zweitligist HSG bekommt als erster Verein eine härtere Linie bei der städtischen Zuschussvergabe zu spüren. Ein Zuschuss über 250.000 Euro wurde abgelehnt. Auch andere Clubs sollen finanzielle Engpässe künftig selber lösen. Sorgen machen die DEG und die Giants.
Düsseldorfs Sportpolitiker drehen Vereinen den Geldhahn zu. Davon betroffen ist als erster Club Handball-Zweitligist HSG Düsseldorf. Nach RP-Recherchen hatte er bei der Stadt außerplanmäßig 250.000 Euro beantragt – um, wie es heißt, bis zum Saisonende eine Deckungslücke zu füllen, die durch schlechte Zuschauerzahlen und mangelndes Sponsoreninteresse entstanden war. Die Sportpolitiker aller Fraktionen im Stadtrat lehnen das ab.
Das Konzept sei nicht zukunftsfähig, sagt die Sportausschuss-Vorsitzende Monika Lehmhaus (FDP): "Darüber bin ich enttäuscht, auch über die Zahlen, die der Verein vorgelegt hat. Denn die hatte der Wirtschaftsprüfer, den wir beauftragt hatten, nicht." Ein anderes Mitglied des Sportausschusses bestätigt: "Die HSG hat kein nachvollziehbares Konzept. So geht das nicht."
Breitensport etwa 300 Vereine
Institutionen Sportamt (u.a. Sportstättenbetreuung, Nachwuchsförderung), Stadtsportbund (v.a. Breitensport), Sportagentur (v.a. Vermarktung Sportangebot)
Förderung Die Profisportvereine HSG (Handball), Fortuna (Fußball), Borussia (Tischtennis), DEG (Eishockey) und Giants (Basketball) erhalten jedes Jahr 90.000 Euro.
DEG-Minus: 250 000 Euro
Stephan Friedel (CDU) sieht sich durch die Absage an die HSG in seiner Haltung bestätigt: "Es kann nicht sein, dass der Steuerzahler Profisportvereine sponsert. Und wir können nicht dulden, dass uns die Vereine mit Aufgabe des Spielbetriebs drohen, wenn mal wieder Geld fehlt." Als Tabellendritter hat die HSG noch Chancen, nach zwei Jahren in die Erste Bundesliga zurückzukehren – dadurch würde sie für Sponsoren wieder interessanter.
Die zwischenzeitliche Finanzierungslücke habe sie bereits schließen können, heißt es von Seiten der HSG. Und die Kritik der Politiker an dem Konzept könne man nicht nachvollziehen. Unter anderem sei Sportdezernent Burkhard Hintzsche sehr angetan gewesen.
Die Sportpolitiker fürchten derweil, dass in Kürze weitere Begehrlichkeiten an sie herangetragen werden. Die DEG Metro Stars drückt ein Minus von 250.000 Euro – ob es gesenkt werden kann, hängt vom weiteren Saisonverlauf ab. Die Verantwortlichen an der Brehmstraße hoffen auf die Kölner Haie als Gegner in den Play-off-Spielen. Dann wäre der ISS Dome mit knapp 12.000 Zuschauern mindestens zweimal ausverkauft, zunächst aber ist Mannheim der Gegner. Bei vielen Heimspielen verloren sich in dieser Saison weniger als 4000 Fans in der Halle. Je weiter die DEG kommt, desto besser dürften die Chancen stehen, dass die Metro auch künftig Namensgeber des Eishockey-Teams bleibt. Die Metro prüft ihre sämtlichen Sponsoring-Verträge.
"Auch für diesen Fall müssen wir konsequent bleiben", fordert Friedel. Als Beispiel, sich ohne die Hilfe der Stadt aus einer misslichen finanziellen Lage zu befreien, nennt der CDU-Politiker die Macher des World Team Cups um Turnierdirektor Dietloff von Armin. Nachdem der langjährige Sponsor Arag sein Engagement beendet hatte, wurde Ende vergangenen Jahres schon das Aus der inoffiziellen Tennis-Weltmeisterschaft verkündet. Durch den Einstieg des Energy-Drink Herstellers "Power Horse" wurde das Turnier Ende Mai im Rochusclub gerettet.
Einig sind sich die Sportpolitiker darin, dass die üppige Förderung der Giants mit dieser Saison und deren Abstieg in die Zweitklassigkeit endet. Über die Sportagentur hatte die Stadt in den vergangenen drei Jahren mehrere Millionen Euro in das Team gesteckt, das der verstorbene Oberbürgermeister Joachim Erwin (CDU) von Leverkusen nach Düsseldorf gelotst hatte. Friedel: "Das war der Sündenfall in Sachen Sportsponsoring."
An der Freigabe von 250.000 Euro für die Basketballer werden die Sportpolitiker indes nicht vorbeikommen. Der Verein hat unlängst Papiere vorgelegt, die nach RP-Informationen sämtliche Bedingungen für den Zuschuss erfüllen. Darüber muss in dieser Woche entschieden werden.
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