Bildungsstreiks weiten sich aus: Polizei räumt besetzte Gesamtschule
VON JOHANNES BORNEWASSER - zuletzt aktualisiert: 18.11.2009 - 17:24Die Bildungsstreiks weiten sich aus: Am Mittwochmorgen wurde die Düsseldorfer Hulda-Pankok-Gesamtschule von rund 40 Schülern besetzt. Im Rahmen der bundesweiten Bildungsstreiks war dies die erste Schulbesetzung Deutschlands. Später besetzten Demonstranten einen Hörsaal der Heinrich-Heine-Universität.
Die Schulbesetzer knüpften mit der Aktion "an die Studienproteste der vergangenen Wochen, die in Wien ihren Anfang nahmen, an", hieß es in einer Presseerklärung. Im Online-Netzwerk "Twitter" berichteten die Protestler gegen 9.30 Uhr, dass sie die "Hulda-Pankok-Gesamtschule offiziell besetzt" hätten.
Nach kurzer Zeit reagierte auch die Schulleitung. "Ich wurde von der Aktion völlig überrascht", sagt Schulleiter Heinz Gniostko. "Das hat mit Dialog nichts mehr zu tun. Hier herrscht ein agitatorisches Klima, was ich sehr schade finde. Meine Bereitschaft zu konstruktivem Gespräch wurde ausgenutzt."
28 Beamte im Einsatz
Da die Schüler der Forderung nach einer Räumung der Mensa zunächst nicht nachkamen, wurde die Polizei eingeschaltet. Die Beamten trafen gegen 11.05 Uhr an der Schule ein. Nach einer kurzen Diskussion zogen die Protestler von der Aula auf den Flur. Dort gab es eine Sitzblockade. Als um 13.15 Uhr die neun Einsatzbusse der Polizei eintrafen, entschieden sich die Schüler, den Protest zu beenden.
Die Forderungen im Bildungsstreik
Die Schülerinnen und Schüler wollen unter anderem folgendes erreichen:
- Abschaffung der Kopfnoten, zentraler Prüfungen, des Turboabiturs und Bachelor- sowie Masterstudiengängen.
- Mehr Geld für (Hoch-)Schulsanierungen
- Mehr Lehrer/Professoren für kleinere Klassen/Hörsäle
Mit der Aktion wollen die Schüler ihren "Unmut gegenüber dem undemokratischen Bildungssystem" ausdrücken. "Mittels Diskussionsrunden und thematisch angepassten Vorträgen wollen wir gemeinsam neue Wege zu einer besseren Bildung erarbeiten", hieß es weiter. Zudem wolle man "zu weiteren Besetzungen aufrufen".
Protest auch an Universität
Die Protestaktion ist Teil des aktuellen Bildungsstreiks. Rund 2500 Schüler und Studenten hatten bereits am Dienstag in der Düsseldorfer Innenstadt für bessere Bildung demonstriert. In einem Protestmarsch zogen die Heranwachsenden vom Hauptbahnhof zum Burgplatz. Immer wieder wurden Zwischenstopps für kleine Kundgebungen eingelegt. In der Mittagszeit wurde zudem mit einer Sitzblockade der Verkehrsknotenpunkt Heinrich-Heine-Allee lahmgelegt.
In rund 50 Städten waren am Dienstag mehr als 85.000 Schüler und Studenten auf die Straßen gegangen. Nach ihrem Willen sollen die Proteste weitergehen: Für die Zeit vom 30. November bis zum 6. Dezember planen sie eine Aktionswoche. Bei der Kultusministerkonferenz in Bonn am 10. Dezember wollen die Streikenden die Zufahrtsstraßen blockieren.
Nach der Räumung durch die Polizei zogen die Protestler weiter zur Universität, um ihre Protestaktionen dort fortzusetzen. Dort haben Studenten den Hörsaal 3d der Philosophischen Fakultät besetzt, in dem zuvor eine Podiumsdiskussion stattgefunden hatte. Sie wollen den Protest auch in der Nacht aufrecht erhalten.
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