Meisterwerke bei „Bonjour Russland“: Polizeischutz für Kunstwerke
VON DOROTHEE ACHENBACH - zuletzt aktualisiert: 06.09.2007 - 08:24Düsseldorf (RPO). Das hat es noch nie gegeben: Die bedeutendsten russischen Sammlungen haben Werke nach Düsseldorf geschickt. Vor der Ausstellung im museum kunst palast werden die wertvollen Stücke vorsichtig ausgepackt und aufgehängt.
Es ist ein Treffen der Giganten: Dort steht Paul Gauguin mit Schönheiten aus der Südsee, daneben lehnt Paul Cezanne lässig an der Wand. Marc Chagall, Wassily Kandinsky und Kasimir Malewitsch sind schon eine Etage höher gezogen, während Picasso sich mit van Gogh trifft und Matisse mit Samthandschuhen nach hinten getragen wird.
All diese Ikonen der modernen Kunst sind gekommen, um sich im Düsseldorfer museum kunst palast ein noch nie da gewesenes Stelldichein zu geben: Die vier bedeutendsten russischen Sammlungen (Russisches Museum, Eremitage, Puschkin-Museum und Tretjakow-Galerie) haben Spitzenwerke des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert auf Reisen geschickt, um die Wechselwirkungen zwischen russischer und französischer Avantgarde zu zeigen.
Doch bevor ab dem 15. September die Besucherströme fließen können, ist vieles zu bewältigen - die in diesen Tagen stattfindende Hängung ist der letzte Schritt auf dem langen Weg von Moskau und Sankt Petersburg an den Rhein. „Die Vorbereitungen laufen seit fast drei Jahren“ berichtet Martina Schuster vom Museum am Ehrenhof, „Nach anfänglichen Zögerlichkeiten waren die Russen sehr kooperativ - auch Dank der guten Beziehungen des Hauptsponsors Eon“, fügt sie hinzu. Die Kuratoren - Sir Norman Rosenthal und Ann Dumas von der Royal Academy of Arts sowie Mattijs Visser vom museum kunst palast - wählten in Abstimmung mit den russischen Kollegen die Werke aus.
In kleinen „Puppenhaus“-Modellen des Museums wurden die Bilder in Miniaturformat an die Wände geklebt, um die vorläufige Hängung zu konzipieren. Schließlich sollen die Betrachter erkennen, wie fruchtbar die gegenseitige französisch-russische Beeinflussung war.
In 17 Lastwagen kamen die Gemälde schließlich über Finnland mit der Fähre und auf dem Landweg an. „Das ist der sicherste und unkomplizierte Weg“ erläutert Schuster. Nun sind die von Kurieren begleiteten und teils sogar unter Polizeischutz stehenden Schätze wohlbehalten und in Klima-Kisten verpackt angekommen, mit Kränen werden sie durch die Fenster des Museums gehoben. Im Inneren geht es trotz des Gewirrs aus Kabeln, Werkzeugkästen, Kartons und Kisten und einem Mitarbeiterstab von fast 50 Personen ruhig und konzentriert zu - es herrscht eine fast weihevolle Ruhe angesichts von Bildern im Wert von hunderten Millionen Euro. Damit sich die empfindlichen Bilder an das Klima gewöhnen können, bleiben sie 24 Stunden ungeöffnet in ihrer Holzumhüllung stehen. Erst dann werden sie auf kleine gepolsterte Holzblöcke gestellt und in zweiwöchiger Arbeit an ihre endgültige Position gehängt.
Mit Argusaugen beobachtet Albert Kostenevich, der weltweit angesehene Spezialist der Eremitage, wie das „Rote Zimmer“ von Henri Matisse enthüllt wird, während die Museums-Mitarbeiterin Dorothea Nutt ein Verpackungs-Protokoll schreibt - so kann das Bild genauso wieder eingepackt werden, wie es ankam. Zwei Männer mit weißen Handschuhen schrauben die Kiste auf, entfernen Schaumstoff, Folie und Seidenpapier, um dann in einem Augenblick hörbarer Spannung die Leinwand herum zu drehen. Erleichterung ist spürbar: Satt und frisch strahlen die Rot- und Blautöne dieses Meisterwerkes der Moderne, unversehrt kann es sich zu Pablo, Paul und all den anderen gesellen.
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