Etiketten vertauscht: Polizistin nach Diebestour verurteilt
VON WULF KANNEGIESSER - zuletzt aktualisiert: 10.06.2009 - 07:46Düsseldorf (RPO). Das hat Amtsrichter Carsten John selten erlebt – dass er in einem Strafprozess um eigentliche Kleinkriminalität bei einer Beute von rund 400 Euro plötzlich zwischen zwei Geständnissen von Mutter und Tochter wählen muss.
Nach kurzem Prozess war der Richter aber sicher: Das Geständnis einer 37-jährigen Oberkommissarin auf der Anklagebank war richtig, Das Geständnis ihrer 71-jährigen Mutter sollte nur Verwirrung stiften und die Tochter entlasten. Also wurde die Polizistin zu 3500 Euro Strafe verurteilt. Und ihre Mutter wird wegen versuchter Strafvereitelung demnächst womöglich selbst angeklagt.
Nach einem Einkaufsbummel hatten die Polizistin und ihre Mutter vor rund einem Jahr in einem Bekleidungshaus drei hochwertige Textilien an der Kasse vorgelegt – bei allen drei Artikeln waren die Original-Preise entfernt und durch Billig-Etiketten ersetzt worden. Statt 640 Euro hätte der Mutter-Tochter-Bummel bloß 170 Euro gekostet – wenn die Kassiererin nicht stutzig geworden wäre.
Von Detektiven zur Rede gestellt, gestand die Polizistin damals auch sofort den Betrugsversuch und die Urkundenfälschung. Aber statt die Strafe für ihre eigenmächtige Rabatt-Aktion zu akzeptieren, beschuldigte sie ihre Mutter als Gaunerin. Heimlich habe die 71-Jährige den Etikettentausch durchgeführt.
"Ich wollte meiner Tochter etwas Gutes tun, wollte ihr etwas kaufen", gestand die Seniorin auch wirklich bei der Polizei. Und gestern setzte die alte Dame noch eins drauf: "Ich möchte nicht, dass meine Tochter für mich geradesteht! Sie hat die Tat auf sich genommen, aber als wir aus dem Geschäft heraus waren, hat sie gesagt, ich müsse den Mumm haben und alles zugeben." Dass dies wie eine "Gefälligkeitsaussage" klang, sah die 71-Jährige gestern ein. "Aber mir ist das alles so peinlich."
Die Staatsanwältin winkte ab: "Ich glaube die Story nicht!" Auch der Richter ließ alle Beteuerungen von Mutter und Tochter beiseite. "Dass die Oberkommissarin an der Kasse nicht gemerkt haben will, wie gering der Gesamtbetrag für alle drei Artikel war, entspricht nicht der Lebenserfahrung. Sie war wohl eingeweiht und hat sich zu der Sache hinreißen lassen."
In der Falschaussage der Mutter sah der Richter den "Versuch, die Karriere der Tochter zu retten". Das aber könnte auch für die Polizistin ein Nachspiel haben. Zunächst droht ihr nun ein Disziplinarverfahren – und zusätzlich könnte gegen sie erneut ermittelt werden. Wegen möglicher Anstiftung der Mutter zur Falschaussage.
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