Nach Taxi-Unfall: Poller sollen Flughafen schützen
VON STEFANI GEILHAUSEN UND DIETER DORMANN - zuletzt aktualisiert: 23.08.2008 - 10:36Düsseldorf (RPO). Der spektakuläre Taxi-Unfall am Düsseldorfer Terminal hat eine Sicherheitslücke aufgezeigt. Auch andere Flughäfen können vergleichbare Zwischenfälle nicht ausschließen. Die zuständige Bundespolizei will nun die Konzepte überprüfen, die Anschläge an Airports verhindern sollen.
Düsseldorf Ein Taxifahrer rast in die Abflughalle des Düsseldorfer Flughafens. Da kein Mensch ernsthaft verletzt wird, ist der Unfall für viele nur Anlass für einen Scherz. Doch bereits am Tag danach haben die Verantwortlichen ernsthafte Konsequenzen gezogen: Schon nächste Woche werden vor den Türen der Terminals Poller aufgestellt. Der Unfall hat eine Sicherheitslücke aufgezeigt, sagt Flughafensprecher Christian Witt. Die 60Zentimeter breiten Betonquader sollen nur ein Provisorium sein, bis ein dauerhafter Rammschutz installiert wird. Schließlich, so Witt, „ist der Flughafen wie jedes öffentliche Gebäude immer gefährdet“. Dass die Sorge begründet ist, beweist der Terroranschlag, der am 30. Juni 2007 auf den Airport in Glasgow verübt wurde (siehe Info-Kasten).
An anderen Flughäfen beurteilen Verantwortliche das Gefahrenpotential gelassener - auch wenn die Sprecher der Airports in Köln/Bonn, Frankfurt/Main, München und Weeze einen vergleichbaren Zwischenfall nicht ausschließen können. So etwas sei an jedem Gebäude mit großen Glasflächen möglich, so der Sprecher des Flughafens in Weeze am Niederrhein, Holger Terhorst. Und der Weezer Airport sei ein „gläsernes“ Gebäude mit einem sehr hellen, lichtdurchfluteten Terminal. Dennoch habe der Düsseldorfer Unfall dort keine Sicherheitsdiskussion ausgelöst.
Am Köln-Bonner Flughafen stehen vor dem Terminal 1 bereits Betonpoller. Vor dem Terminal 2 gibt es einen Kurzzeit-Park-Streifen, auf dem nach Angaben von Flughafensprecher Walter Römer meist Fahrzeuge stünden. Der Düsseldorfer Taxi-Unfall sei für die Kölner kein Anlass, über weitere Maßnahmen nachzudenken. Zudem meint Walter Römer: „Womöglich wird nun wieder 1000-prozentige Sicherheit vor terroristischer oder sonstiger krimineller Energie gefordert. Aber die können weder Poller am Fahrbahnrand noch andere Maßnahmen herstellen.“
„Begrüßenswert“ nennt Günter Ahr, Sprecher der Bundespolizeidirektion Sankt Augustin, die für die Sicherung der NRW-Flughäfen zuständig ist, die Düsseldorfer Poller-Initiative. Der spektakuläre Taxi-Unfall werde zudem zum Anlass genommen, die mit den Flughäfen erarbeiteten Sicherheitskonzepte „erneut zu überprüfen“. Jedoch gab Günter Ahr zu bedenken: Wer einen Terroranschlag auf einen Flughafen plane, müsse dazu nicht mit einem Fahrzeug ins Terminal fahren.
Inzwischen gibt es Hinweise, wie es zu dem Taxi-Unfall kommen konnte. Nach Angaben eines Kollegen hatte der Unglücksfahrer(54), der im Florence-Nightingale-Krankenhaus der Düsseldorfer Diakonie liegt, einen Herzinfarkt erlitten. An den Unfall könne sich der 54-Jährige nur bruchstückhaft erinnern: „Er ist vor dem Terminal B rechts auf den Vorfahrstreifen abgebogen. In dem Moment bekam er starke Schmerzen in der Brust“, berichtet der Kollege. „Offensichtlich war er bewusstlos.“ Als der 54-Jährige wieder zu sich kam, sei sein Taxi schon in den Terminal gerast. „Da hat er sofort gebremst, sonst wäre noch mehr passiert. Dass es so ausging, ist ein Wunder.“
So sieht es auch Christian Witt. Seit sieben Monaten ist er Sprecher des Düsseldorfer Flughafens, und „gestern hatte ich zum ersten Mal echte Bauchschmerzen“, sagte er gestern. Nicht nur, dass in der Abflughalle viel Betrieb war. „Als das Taxi durch die linke der Doppel-Türen fuhr, gingen durch die rechte Passagiere. Es war wirklich sehr, sehr knapp.“
Die Fahrgäste des Esseners, ein Ehepaar (63), das den Unfall mit leichten Blessuren überstand, aber den Flug nach Mallorca verpasste, besuchte gestern das Taxi-Unternehmen in Essen. „Wir müssen sehen, wie wir das alles regeln.“
Zu regeln ist auch der Schaden am Terminal. Der wurde gestern bereits repariert. Die vollautomatischen Türen, zwei auf der Straßen- und zwei auf der Terminalseite, werden 80000Euro kosten, schätzt Witt. „Dazu kommen 20000Euro für den Einsatz von Flughafenfeuerwehr und Sicherheitsdienst.“
Die Polizei Düsseldorf, die den Unfall untersucht, hat laut Pressesprecher Markus Niesczery „keinen Anlass, an der Darstellung des Taxifahrers zu zweifeln“. Ob er aber einen Infarkt erlitten oder Gas- und Bremspedal verwechselt habe, wie zunächst vermutet, spiele für die Schuldfrage keine Rolle.
Ablauf Ein brennender Jeep rast am 30. Juni 2007 auf den Terminal in Glasgow zu, bleibt an Pollern hängen. Der Wagen explodiert, Glastüren werden zerstört, Reisende geraten in Panik. Fünf Passanten werden verletzt. Beide Täter werden gefasst. Hintergründe Laut Polizei gibt es Verbindungen zu zwei Anschlägen in London am Vortag. Hinter den Taten soll Al Qaida stecken.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum





