Oberkassel: Porsche-Dieb mit Dosenöffner
VON STEFANI GEILHAUSEN - zuletzt aktualisiert: 25.02.2011 - 18:16Düsseldorf (RPO). Teure Geländelimousinen stehen bei Banden aus Osteuropa hoch im Kurs. Auch in Düsseldorf haben Diebe in den vergangenen Wochen mehrfach versucht, solche Wagen zu stehlen, zuletzt in der Nacht zu Mittwoch in Oberkassel. Die Täter sind hochspezialisierte Profis, sagt die Polizei.
Am Ende blieb er doch am Kaiser-Wilhelm-Ring stehen, der schwarze Porsche Cayenne, den seine Besitzerin am Dienstagabend gegen 22.30 Uhr zwischen den Hausnummern 50 und 60 abgestellt hatte. "Die Täter waren nah dran", sagt Jürgen Franke, Leiter des Kfz-Kommissariats bei der Polizei. Er ist aber auch sicher, warum der Dieb offenbar in letzter Minute seinen Plan aufgegeben hat: "Wahrscheinlich haben ihn Komplizen gewarnt, weil sie bemerkt haben, dass in dieser Nacht sehr viel Polizei in Oberkassel unterwegs war."
Nachbarn oder Passanten waren es offenbar nicht, die den Autodieb störten. Denn ihn hat anscheinend auch niemand gehört, obwohl er nicht gerade leise gewesen sein dürfte: Er hat eine Wagentür aufgeschnitten und Teile der Karosserie entfernt. Erst am Mittwoch gegen 8.45 Uhr hatte die Cayenne-Besitzerin den Schaden entdeckt, der laut Polizei 10 000 Euro weit übersteigt.
Zeugen gesucht
Der oder die Täter müssen in der Nacht zum Mittwoch erheblichen Lärm gemacht haben. Wer hat zwischen 22.30 und 8.45 Uhr im Bereich Kaiser-Wilhelm-Ring 50 bis 60 ungewöhnliche Geräusche gehört oder Verdächtiges beobachtet?
Hinweise an das Kfz-Kommissariat 33 unter Telefon 0211 8700
Der Oberkasseler SUV (Kurz für Sports Utility Vehicle, also Geländelimousine) war nicht der einzige, an dem sich Diebe in Düsseldorf in den vergangenen Wochen ausprobiert haben, und auch die aufgeschnittene Tür ist für Franke nicht neu. In Osteuropa sind edle SUVs zurzeit besonders beliebt, und auf Schrottplätzen von Polen bis ins Baltikum trainieren Banden ihre Handlanger darauf, die schicken Wagen binnen Minuten zu knacken. "Das ist nicht so schwer", sagt Franke, "wenn man weiß, wo welche Kabel liegen."
Weil vom Türschloss bis zur Zündung kaum noch etwas mechanisch funktioniert, sondern fast alles digital gesteuert werde, brauchten die Diebe bloß einen Zugang zum Kabelbaum zu finden und dann das Auto neu zu programmieren. Sie kommen mit Blechscheren und Dosenöffnern, schneiden sich so den Weg zum richtigen Kabel frei. Die Täter, weiß Franke aus früheren Festnahmen und Verhören, könnten oft kaum lesen und schreiben, aber blitzschnell einen Audi Q 7 stehlen.
Der Q 7 ist wie die beiden SUVs von BMW und eben der Porsche Cayejnne zurzeit besonders beliebt und damit besonders gefährdet. Trotzdem hat sich in jüngster Zeit kein Autobesitzer in Düsseldorf von seinem Wagen trennen müssen. "Wir haben Glück", sagt Franke mit Blick auf Hannover, wo die Zahl der SUV-Diebstähle enorm hoch sei.
Glück allein ist es freilich nicht. Frankes Kommissariat hat auch eine Menge damit zu tun. So sind seine Mitarbeiter in Zivil- und Streifenwagen verstärkt nachts unterwegs, auch die uniformierte Prios-Truppe, die Kriminalität allein durch ihre Anwesenheit verhindern soll, ist mit im Einsatz. In dieser verstärkten Präsenz, vor allem im Linksrheinischen, aber auch in bestimmten Vierteln im Norden und Osten, an deren Wohnstraßen oft teure Autos stehen, sieht Franke die Ursache dafür, dass in Düsseldorf zwar öfter mal versucht wird, einen SUV zu stehlen. Aber es bei dem Versuch dann auch bleibt.
Weniger Autoaufbrüche
Die Präsenz der Kfz-Ermittler hat einen weiteren Effekt: Die Zahl der Autoaufbrüche – seit der Gründung des Kommissariats vor knapp drei Jahren deutlich reduziert – bleibt in Düsseldorf weiter niedriger als anderswo. In den Nachbarstädten und Regionen sähe das ganz anders aus. "Da schauen wir mit Sorge hin", sagt Franke. Meist ist es nämlich nur eine Frage der Zeit, bis die gut organisierten Banden auch Düsseldorf wieder zum Ziel machten.
Interessant könnte da das dritte Mai-Wochenende sein – denn zum Eurovision Song Contest werden sicher viele Gäste in teuren Autos anreisen. Aber die hat das Kfz-Kommissariat schon im Blick.
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