Landgericht: Prozessauftakt gegen Jugendbande aus Flingern
VON WULF KANNEGIESSER - zuletzt aktualisiert: 05.05.2010 - 07:26Düsseldorf (RPO). Zu Prozessbeginn sitzt ein 22-Jähriger allein auf der Anklagebank des Landgerichts. Seine sechs Mitbeschuldigten kommen erst ab Mitte Juni dran. Bis dahin treten sie lediglich als Zeugen gegen den 22-Jährigen auf. Doch der stellte seine Rolle gestern harmlos dar. Er sei kein Mitglied einer Bande gewesen. "Die meisten Sachen haben sich ganz spontan ergeben."
Drahtzieher und Kopf der Truppe sei ein 16-jähriger Junge aus Flingern mit Spitznamen "Tunsi" gewesen. "Der hatte immer Geld, war gerissen, total cool und alle liefen hinter dem her", ließ der 22-Jährige seinen Anwalt vortragen. Wegen Problemen des Angeklagten mit seinem Vater und wegen Drogensucht ("Ab 2008 brauchte ich vor der Schule schon eine Nase Kokain") habe sich der 22-Jährige von "Tunsi" reihenweise zu Einbrüchen oder zum Schmierestehen verleiten lassen. "Wir wollen kurz mal Geld machen", habe "Tunsi" immer wieder gelockt. Mal im Drogenrausch, mal aus Leichtfertigkeit habe sich der 22-Jährige mitziehen lassen.
So auch beim Einbruch in die Wohnung eines Opfers, das unter Muskelschwund leidet. Der Mann wurde von den Einbrechern überrascht, umgestoßen, bedroht – und seine Räume wurden durchsucht. Als sein Bruder zufällig dazukam, ließen die Räuber von ihm ab und flüchteten. Im Oktober drangen der Angeklagte und "Tunsi" dann in die Wohnung einer Frau an der Fortunastraße ein, einer hielt ihr Mund und Augen zu. Unter Todesdrohungen verriet die verängstigte Frau, wo ihre Wertsachen zu finden waren, gab auch die Pin-Nummer zu ihrer EC-Karte preis. Ohne Wissen des Angeklagten habe "Tunsi" dann 1000 Euro von der Bank geholt.
Als erster Zeuge hat "Tunsi" diese Version aber komplett umgedreht: Der 16-Jährige gab an, er sei vom Angeklagten zu Straftaten "überredet" worden. Auch beim Raubüberfall auf die Mieterin habe der 22-Jährige das Kommando gehabt, nur auf dessen Anweisung habe er die Frau bestohlen. Und die erbeutete EC-Karte habe er nur am Bankautomat eingesetzt, weil der 22-Jährige "das so gesagt hat". Was mit dem Beutegeld passierte? "Wir wollten ja feiern", so der 16-jährige Zeuge. Also hätten sie das Beutegeld gleich "in der Disko ausgegeben". Der Prozess dauert an.
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