Spektakuläre Verhandlungen: Prozesse um Morde und Millionen
VON WULF KANNEGIESSER - zuletzt aktualisiert: 29.12.2008 - 07:50Düsseldorf (RPO). In den letzten Monaten vor dem Umzug vom angestammten Altstadt-Domizil ins neue Justizzentrum am Oberbilker Markt, der für Ende 2009 ansteht, werden Amts- und Landgericht noch eine Reihe spektakulärer Prozesse an der Mühlenstraße verhandeln.
Dazu zählt die Affäre um Franjo Pooth und die daraus folgenden Strafverfahren – etwa gegen einen vermeintlichen Erpresser. Dieser 56-jährige Gewohnheitsbetrüger soll laut Anklage als Trittbrettfahrer versucht haben, aus der Millionenpleite der Pooth-Firma "Maxfield" Kapital zu schlagen – indem er zunächst Pooth betrügen und danach die Stadtsparkasse mit angeblich kompromittierenden Unterlagen erpressen wollte.
Zunächst aber wird vor allem der Prozess um den so genannten Florapark-Mord erwartet, eins der brutalsten Gewaltverbrechen der Düsseldorfer Nachkriegszeit. Zwei junge Männer (19 und 21) sollen laut Anklage im Bilker Florapark innerhalb weniger Stunden drei Anschläge auf das Leben eines 54-jährigen Ex-Gewerkschafters verübt haben. An 26 Messerstichen war der Mann am 2. August nach stundenlangem Martyrium verblutet.
Zur Verhandlung kommt wohl auch die Ermordung eines 49-jährigen Ex-Bankräubers. Wegen einer ganzen Reihe von Banküberfällen in den 80er Jahren hatte der Mann mehrere Jahre hinter Gittern verbracht, war auch danach immer wieder straffällig geworden. Nach aktuellem Ermittlungsstand soll er im September dann aber von seiner Freundin unter einem Vorwand auf ein abgelegenes Gelände nahe dem Breitscheider Kreuz gelockt worden sein. Dort ist der 49-Jährige erschossen worden, seine Leiche war erst zwei Monate später durch Zufall entdeckt worden.
Kripo und Staatsanwaltschaft gehen davon aus, dass seine 39-jährige Freundin ihn loswerden wollte, deshalb einem 49-jährigen Arbeitskollegen des Opfers ein Auto plus mehrere Tausend Euro für den Mord anbot. Beide sitzen derzeit in U-Haft.
Staatsanwältin im Zeugenstand
Als Zeugin in eigener Sache wird demnächst vermutlich die einstige Star-Anklägerin Margrit Lichtinghagen aus Bochum vor einer Zivilkammer auftreten müssen. Ihr wird in einem Schadenersatzprozess vorgeworfen, einen Düsseldorfer Anwalt durch Drohung mit verlängerter U-Haft zu zwei Bankbürgschaften über je 7,5 Millionen Euro gedrängt zu haben.
Der 61-jährige Anwalt, nach der Hinterlegung kurzfristig aus der Untersuchungshaft entlassen, fordert jetzt vom Land NRW zumindest die zweite Millionenbürgschaft zurück. Er sei von der damaligen Staatsanwältin, die auf hochkarätige Steuersünder spezialisiert war, illegal zur Zweit-Bürgschaft gedrängt worden. Ein Termin für die Vernehmung der langjährigen Staatsanwältin steht noch nicht fest.
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