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Leiter des NRW-Forums im Interview: Quadriennale: International viel Lob

VON ANNETTE BOSETTI - zuletzt aktualisiert: 28.12.2010 - 08:01

Düsseldorf (RPO). Werner Lippert über den Wert des Kunstmarathons für die Stadt Düsseldorf. Das kommende Motto soll "Utopie - Anti-Utopie" lauten. Das derzeitige Motto "kunstgegenwärtig" verteidigt der Chef des NRW-Forums und PR-Stratege der Quadriennale.

Herr Lippert, Sie sind maßgeblich an der Quadriennale beteiligt – als Leiter eines Ausstellungshauses und mit Ihrer Frau Petra Wenzel als begleitende PR-Agentur vor Ort. In welche Kategorie Ereignis packen Sie als Werbeprofi die Quadriennale?

Lippert Zum einen hat es die Quadriennale mit Blick auf die Stadt Düsseldorf geschafft, den Stolz der Bürger zu wecken auf eine einzigartige Kulturlandschaft mit hervorragenden Institutionen und mit herausragenden Künstlern über alle Generationen hinweg. Zum Zweiten hat diese Quadriennale mit Blick auf das internationale Kunstpublikum viele positive Signale ausgesandt. Es gab international viel Lob. So konnten unsere holländischen Nachbarn in ihren Zeitungen lesen ,Düsseldorf terecht trotz' (Düsseldorf zurecht stolz), und der ,Telegraaf' vermeldete ,Niet Berliyn, maar Düsseldorf is de Kunsthofdstad van Duitsland.' (Nicht Berlin, sondern Düsseldorf ist die Kunsthauptstadt von Deutschland)

Was hat diese Quadriennale von der vorherigen, der ersten, unterschieden?

Lippert Ich finde die 2010er Auflage dichter in ihrer Thematik, und der Kreis der Häuser und Partner, die beteiligt waren, ist größer. Es ist ein Gewinn, dass die Sammlung Stoschek, Kai 10, Langen Foundation hinzukamen und dass die Galerien dazu stießen. Andererseits fehlte der Blockbuster – das war 2006 die Caravaggio Ausstellung – was die Besucherzahlen etwas verwässert.

War das Angebot zu groß und unübersichtlich, so dass anfangs manche Häuser leerblieben?

Lippert Vieles kann man erklären, anderes ist uns unverständlich. Die Beuys-Ausstellung im K20 zum Beispiel ist sehr gut besucht und muss keinen Vergleich mit anderen Ausstellungsorten, wie etwa Berlin scheuen. Die Paik-Schau blieb hinter den Erwartungen zurück. Es dauerte, bis sich ihre Qualität herumgesprochen hatte. Zu Häusern wie der Akademiegalerie oder Schloss Benrath pilgern überraschend viele Besucher. Also es kommt immer auf den Blickwinkel an. Unterm Strich gibt es keinen Grund zu jammern. Zum Jahreswechsel wird die Quadriennale die 200 000-Marke überschreiten.

Die komfortablen lila Busse blieben weitgehend leer – woran lag das?

Lippert In einem Satz: Düsseldorf ist so überschaubar, die Museen liegen in der Mehrzahl dicht zusammen, die Wege sind nicht nur kurz, sondern auch schön. Das haben wir unterschätzt - dafür sind die Busse doch die schönsten rollenden Litfaßsäulen, oder?

Die ambitionierte Zero-Veranstaltung im Medienhafen ging ziemlich daneben wegen schlechter Organisation. Was lernen Sie daraus?

Lippert Jede Institution ist natürlich ihr eigener Veranstalter und am Ende für das Gelingen verantwortlich – was wir lernen könnten, ist, dass die Quadriennale möglicherweise einen größeren Einfluss auf die Durchführung haben muss.

Wie schafft es die Stadt Düsseldorf, noch mehr internationales Publikum an den Rhein zu locken?

Lippert Dies ist ein Ziel, das über die Möglichkeiten der Quadriennale alleine hinausgeht, ein Langfristziel, das verfolgt werden sollte. Düsseldorf ist reich an international bekannten Stars der heutigen Zeit in der Kunst – Beuys, Becher, Gursky, Ruff, Struth – genauso im Tanz, nicht zu vergessen in der Musik: von Kraftwerk bis Kreidler. Ich finde neben Heine und Schumann müssten solche Namen eine größere Rolle in der Bewertung und Bewerbung Düsseldorfs spielen.

Wird die Quadriennale, die fünf Millionen Euro gekostet hat, überhaupt wieder aufgelegt nach vier Jahren?

Lippert Das werden der Aufsichtsrat der Quadriennale und der Rat der Stadt Düsseldorf entscheiden. Ich finde aber, eine Entscheidung für eine dritte Quadriennale im Jahr 2014 wäre ein großartiges Signal für die Kunststadt Düsseldorf.

Wovon hängt das ab?

Lippert Da bin ich der falsche Ansprechpartner.

Sollte man künftig nicht einen professionellen Ausstellungsmacher mit der Konzeption betrauen?

Lippert Dies ist eine Option, die zu jeder Quadriennale diskutiert wird. Jetzt kuratieren – sehr qualifiziert – die Museumschefs. Und auf jeden Fall ist auch die Vielfalt der Ausstellungen ein hohes Gut, es macht das Angebot lebendig.

Diese Quadriennale hatte das Thema ,kunstgegenwärtig' – kritische Stimmen nannten das Geschwafel. Macht ein Motto überhaupt Sinn?

Lippert Wenn man zehn oder mehr Ausstellungen einen gemeinsamen Nenner geben will, dann braucht man ein Thema, eine Überschrift – nennen Sie es, wie sie wollen. Und ,kunstgegenwärtig' hatte einen tieferen Sinn – nämlich die starken künstlerischen Impulse aus Düsseldorf heraus von den 1950ern bis heute zu zeigen. Wenn ich dann im überregionalen Feuilleton lese ,Das Mekka der Kunst liegt in Düsseldorf', dann kann ich über das Gerede vom Geschwafel nur die Augenbrauen hochziehen.

Wie man raunt in Düsseldorf, soll das nächste Motto bereits gefunden sein und ,Utopie – Anti-Utopie' heißen. Wie finden Sie das?

Lippert Ich würde noch keine Wette auf ein Motto abgeben. . .

Der Kunstmarathon befindet sich im Endspurt – was empfehlen Sie für die letzten zwei Wochen?

Lippert Auf jeden Fall sollte man das Quadriennale Special nutzen: ein Tages-Ticket für nur 12 Euro kaufen. Und dann lohnt sich – wenn das Winterwetter hält, was es verspricht – auch die Fahrt mit einem der violetten Quadriennale-Busse.

Mal abgesehen von den wundervollen Beiträgen in Ihrem Haus, dem NRW-Forum – welche Ausstellung ist Ihr Favorit?

Lippert Besonders gefallen hat mit die Joseph-Beuys-Ausstellung im K20 – sie wirft einen ganz neuen Blick auf den Künstler, von dem wir alle denken, wir kannten ihn in- und auswendig. Besonders am Herzen liegt mir die wunderbare, intime Zeichnungs-Ausstellung ,Mit Kopf und Hand' in der Akademiegalerie. Da wünscht man sich, ganz alleine zu sein in den Ausstellungsräumen am Burgplatz.

Quelle: RP

 
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