Ein unscheinbares einstöckiges Haus auf der Ratinger Straße war ab Mitte der 70er Jahre der Treffpunkt für die Punk- und Kunstzene in Düsseldorf. Jetzt ist ein Bildband über den Ratinger Hof und seine Protagonisten erschienen.
Carmen Knoebel und Ingrid Kohlhöfer hatten den Laden als heruntergekommene Hippiekneipe übernommen und von Flokatiteppichen, Lavalampen und Räucherstäbchen befreit.
Ralf Zeigermann, Herausgeber des Bildbandes, ist Ende der 70er häufig im Ratinger Hof. Er hat seine Zeit dort auch in Bildern festgehalten.
Nicht immer war es aufregend. "Manchmal war es auch einfach nur entsetzlich langweilig und man hing dort herum, trank Bier oder Cola und ging nach 1-2 Stunden frustriert nach Hause", schreibt Zeigermann...
... "Doch wenn es aufregend war, dann war es wirklich aufregend", erinnert er sich.
Der junge Mann im Hinergrund mit dem gemusterten Jacket ist Peter Hein, Sänger der Band Fehlfarben.
"Durch geschicktes Kennen der im Laden lebenden Leute sah es auf einmal fast so aus, als wenn das unser Laden wäre", schreibt Peter Hein.
Und tatsächlich gründeten sich im "Hof" Bands wie Fehlfarben, Deutsch Amerikanische Freundschaft und die Krupps. Auch ZK, die Vorgängerband der Toten Hosen, fand hier zum ersten Mal zusammen.
Welche Karrieren die Künstler einschlagen würden, die in dieser Zeit den Ratinger Hof besuchten, konnte keiner ahnen. "Wie viele von den Typen, die immer irgendwo an der Theke rumhingen heute in allen Museen der Welt hängen, kann ich gar nicht mehr sagen", schreibt Hein.
Jörg Immendorf und Sigmar Polke beispielsweise mischten sich regelmäßig unter die junge Punkszene. (Sie sind hier nicht abgebildet.)
Neben Konzerten wie dem von Fad Gadget 1981 fanden im Ratinger Hof auch spektakuläre Kunst-Aktionen statt. Schließlich managte Carmen Knoebel, Kunstmanagerin und Frau des Künstler Imi Knoebel, den Laden.
Keine Kunst sondern ein Tisch im Ratinger Hof.
Foto: Sammlung Wolf Lauenroth
Ein Flyer der Band Male.
Foto: Sammlung Carmen Knoebel
Flyer für ein Konzert der Bands Mittagspause und DAF im Ratinger Hof.
Foto: Sammlung Lothar Lauterbach
Die Eintrittskarte vom Wire-Konzert 1978 in Form eines Bierdeckels. Es war der erste Auftritt einer Band aus dem Ausland im Ratinger Hof. Ein Nachdruck der Karte liegt dem Bildband über den Ratinger Hof bei.
Foto: Verlag Robert Wiegner
Das Buch "Ratinger Hof. Fotos und Geschichten", herausgegeben von Ralf Zeigermann ist eingepackt in eine Metalldose und kann im Buchandel oder direkt beim Verlag bestellt werden. Es kostet 44 Euro.