Anja Kruse in "Die Reifeprüfung": Reife Frau trifft schüchternen Jungen
zuletzt aktualisiert: 06.11.2006 - 11:00Düsseldorf (RPO). Premieren sind aufregend. Immer. Ganz besonders, wenn es sich um die deutsche Erstaufführung eines legendären Stoffes handelt. Noch mehr, wenn darin eine reife Frau einen schüchternen Jungen verführt. Und erst recht, wenn das Liebespaar auf der Bühne die Hüllen fallen lässt. Im „Theater an der Kö“ kommt jetzt alles zusammen.
René Heinersdorff ergatterte nach zähem Gerangel die Rechte am Londoner Theater-Schlager „Die Reifeprüfung“. Er konnte mit Anja Kruse seine Wunschbesetzung für die attraktive Mrs. Robinson verwirklichen. Und fand mit ihr gemeinsam in Sebastian Schlemmer den perfekten College-Absolventen Benjamin.
Wir erinnern uns: Damit wurde Dustin Hoffman auf einen Schlag berühmt. Der Hollywood-Film von Mike Nichols, 1968 mit dem „Oscar“ für die beste Regie ausgezeichnet, ist heute Kult. Nicht zuletzt wegen der heiter-melancholischen Songs von Simon & Garfunkel. „Es war die Musik der Matratzen-Feten, der ersten kleinen Liebschaften“, schwärmt Anja Kruse. „Ich weiß noch, wie fasziniert ich war von diesem Film. Nur die Mrs. Robinson hat mich damals nicht so interessiert.“
Das ist nun anders. Das Stück von Terry Johnson gibt der im Grunde tragischen Figur weitaus mehr Facetten als der Film, in dem Anne Bancroft diese Rolle spielte. „Subjektiv mag sie böse sein. Aber eigentlich wird sie von Langeweile getrieben und sucht nach einer Möglichkeit, aus dem Überdruss ihres reichen, oberflächlichen Lebens auszubrechen“, verteidigt Anja Kruse die Beweggründe der frivolen Verführerin.
In der Düsseldorfer Inszenierung von René Heinersdorff, die am 9. November im Theater in den Schadow Arkaden Premiere hat, wird der Schauspielerin Mut zu nackter Haut abverlangt. „Wir gehen sehr diskret damit um, bedienen den Erotikfaktor, aber keinen Voyeurismus“, beugt sie vor.
Sebastian Schlemmer sei charmant, herzlich, feinfühlig - ein wunderbarer Partner für die heiklen Szenen. Der Kölner, bisher unerfahren auf dem Boulevard, bringt nach anfänglichem Bammel inzwischen die nötige Portion Selbstbewusstsein mit. Die kurze Nacktheit sei für ihn kein Problem, „es kommt ja nur darauf an, die Phantasie der Zuschauer anzuregen.“ Die unverwüstliche Filmmusik, die zur „Reifeprüfung“ im Theater live gespielt wird, ist ihm von der Lagerfeuer-Romantik seiner Pfadfinderzeit vertraut. Wie Anja Kruse glaubt er, „dass sehr viele Menschen sentimentale Erinnerungen damit verbinden.“
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