Düsseldorfer leben verschwenderisch: Rekord beim Wasserverbrauch
VON JAN SCHNETTLER - zuletzt aktualisiert: 21.12.2010 - 08:19Düsseldorf (RPO). 187 Liter Wasser verbraucht jeder Düsseldorfer pro Tag laut Statistischem Bundesamt. Keine andere deutsche Stadt erreicht diesen Wert auch nur ansatzweise. Die Gründe für die hohen Pro-Kopf-Verbrauchswerte sind vielschichtig.
Die Düsseldorfer leben verschwenderisch – zumindest, was das Wasser angeht. 187,0 Liter verbraucht jeder Einwohner täglich laut einer Erhebung des Statistischen Bundesamtes, erfasst werden dabei so genannte Letztverbraucher (Haushalte und Kleingewerbe). Keine andere Stadt in der Bundesrepublik bringt es auf vergleichbar hohe Werte. Auf den Plätzen folgen Schweinfurt (170,9 Liter), München (168,2), Rosenheim (164,6) und Mülheim (164,1). Kölner (157,6), Hamburger (133,4) und Berliner (111,6) leben deutlich sparsamer. In der direkten Nachbarschaft gilt dies auch für den Kreis Mettmann (140,9) und den Rhein-Kreis Neuss (127,3). Der Regierungsbezirk liegt bei 144,8, der NRW-Durchschnitt bei 135,3 und der Bundesdurchschnitt bei 122,0 Litern. Die sparsamsten Wassernutzer des Landes leben in Cottbus: Dort gehen pro Tag nur 85,3 Liter pro Einwohner durch den Hahn – weniger als halb so viel wie in Düsseldorf.
Die Zahlen zum Wasserverbrauch sind Bestandteil einer aktuellen Studie der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) und des Magazins Wirtschaftswoche. Dabei wurde zum einen das Niveau der Städte in einer Reihenfolge aufgelistet, zum anderen die Dynamik, die Entwicklung in bestimmten Bereichen.
Warum das so ist? An der Antwort scheiden sich die Geister. Michael Pützhofen, Sprecher der Stadtwerke, traut der Statistik, die sich auf Zahlen aus dem Jahr 2007 bezieht, nicht so ganz. "Da sind die Gewerbebetriebe mit drin, die Privathaushalte in Düsseldorf liegen laut unserer Erfassung aktuell bei 125 Litern. Dieser Wert ist in den letzten Jahren sogar von 130 Litern runtergegangen." Kleingewerbe ist jedoch auch bei allen anderen Städten und Kreisen mit in der Wertung enthalten, die statistische Grundlage ist dieselbe. Und: Der Erwerbsgartenbau in "Kappes-Hamm" – eine denkbare Erklärung für die hohen Werte – hat nicht zur Statistik beigetragen. Pützhofen: "Es gibt in Düsseldorf extrem viele Büroeinheiten, das Kleingewerbe hat in den vergangenen zehn Jahren unglaublich zugelegt." Doch schon 1998 wies Düsseldorf mit 190,7 Litern einen extremen Wert auf, hatte im letzten Jahrzehnt stets die höchsten Werte.
"Ein Armutszeugnis"
Dies kann sich Dirk Jansen, Geschäftsleiter des Landesverbandes des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), nicht erklären: "Dann wären wir Düsseldorfer tatsächlich größere Wasserverschwender als der Rest der Republik – was zwar im Interesse der Stadtwerke wäre, uns gleichwohl ein Armutszeugnis in Bezug auf den Ressourcenschutz ausstellen würde. Trinkwasser ist unser Lebensmittel Nummer eins und deshalb viel zu bedeutsam, als dass es verschwendet werden dürfte."
Umweltamtsleiter Werner Görtz sieht als Hauptursache für die hohne Werte die mehr als 300 000 Pendler, die tagsüber in der Landeshauptstadt arbeiten – und damit den statistischen Pro-Kopf-Verbrauch der in Düsseldorf Wohnenden erhöhen. Das unterscheide die Stadt von den meisten anderen, vergleichbar sei die Situation beispielsweise in Frankfurt. Dort liegt der tägliche Pro-Kopf-Verbrauch bei 150,1 Litern. "Dann darf man das Touristenaufkommen, Messe und Flughafen nicht vergessen", ergänzt Pützhofen. Doch auch diese Faktoren gibt es in einer Reihe von anderen Städten, deren Wasserverbrauch dennoch nicht mit dem Düsseldorfs zu vergleichen ist.
Bleibt als letztes mögliches Argument, dass sich die Düsseldorfer den hohen Wasserverbrauch ganz einfach leisten können – im doppelten Sinne. "Der Einkommensdurchschnitt ist hoch", sagt Pützhofen. Und: "Wir schwelgen geradezu in der Möglichkeit, Trinkwasser nutzen zu können." Dies bestätigt Umweltamtsleiter Görtz, der die hohen Werte unproblematisch sieht: "Ich bin der Letzte, der zu Verschwendung aufrufen würde. Aber an der Rheinschiene haben wir Wasser zum Abwinken. In Regionen wie Leipzig, wo Wasser knapp ist, müssen die Leute ganz einfach anders damit umgehen."
Auch Stuttgart liege in einer trinkwasserarmen Gegend, sagt Pützhofen: "Die müssen ihr Wasser mit einer Doppelrohrpipeline aus dem Bodensee beziehen." Der Rhein in Düsseldorf hingegen ermögliche selbst bei einem Pegelstand von nur drei Metern im Sommer einen Abfluss von 2000 Kubikmetern – zwei Millionen Litern – pro Sekunde. "Aktuell sind es sogar 10 000 Kubikmeter", so Pützhofen.
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