Bildungsstreik an der Universität: Rektor stellt Besetzern Ultimatum
VON STEFAN KAUFMANN - zuletzt aktualisiert: 23.11.2009 - 18:46Düsseldorf (RPO). Im vollen Hörsaal sprach Hans Michael Piper mit den Studenten, die den Raum seit einer Woche besetzen. Er versprach, dass die Bachelor- und Masterstudiengänge an der Heinrich-Heine-Universität auf den Prüfstand kommen. Bei den Studiengebühren gibt es keine Zugeständnisse.
Seit sieben Tagen besetzen Studenten einen Hörsaal der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Montag stand Rektor Hans Michael Piper, der auf einer China-Reise von der Protest-Aktion erfuhr und am Sonntag zurückgekehrt ist, dem Plenum Rede und Antwort.
Was wollen die Studenten?
Die Demonstranten haben Missstände an den Hochschulen ausgemacht, auf die sie mit einem bundesweiten Bildungsstreik aufmerksam machen. Forderungen sind die soziale Öffnung der Unis, zum Beispiel durch ein Aufheben der Studiengebühren, eine Abschaffung des Bachelor und Master in seiner derzeitigen Form, mehr Mitsprache in der Uni und eine Verbesserung der Lehr- und Lernbedingungen.
Was hält der Rektor von diesen Forderungen?
„Ich hoffe, dass Sie mit dem Streik einiges bewirken”, sagte Piper zu den Studenten. „In die Bafög-Diskussion haben Sie richtig Schwung gebracht.” Auch er würde sich eine bessere finanzielle Ausstattung der Unis wünschen. Die Hochschulen arbeiteten nämlich schon am Rande ihrer Kapazitäten. „Es gibt mehr Dissens, als Sie vielleicht meinen.” Alle Forderungen könne er aber nicht unterschreiben.
Werden Studiengebühren an der Heine-Uni wieder abgeschafft?
„Wir wollen bessere Lehrbedingungen aber für alle und nicht nur für die, die sie sich leisten können”, sagt Geschichtsstudent Jan Lis. Piper machte allerdings klar, dass er den Beitrag von 500 Euro pro Semester für unerlässlich hält. „Die Lehre würde sich sonst deutlich verschlechtern”, sagte er. Mit etwa zehn Millionen Euro machen sich die Studiengebühren im Budget bemerkbar. „Wir haben zunächst viel in Ausstattung gesteckt, jetzt wollen wir in Köpfe investieren, um die Betreuungssituation an der Uni zu verbessern”, sagte Piper. Es sei außerdem ein Versäumnis gewesen, nicht deutlicher kenntlich zu machen, wohin das Geld der Studenten geflossen sei.
Ist die Rückkehr zu Diplom und Magister möglich?
Nein, der Prozess der Studienreform, der in Bologna auf den Weg gebracht wurde, ist nicht mehr aufzuhalten. Solche Entscheidungen fallen auch nicht an der Uni, sondern in der Politik. Allerdings erklärte das Rektorat, dass es eine Kommission zur Überprüfung der Bachelor- und Masterstudiengänge einsetzen will. „Nicht alles, was gut gedacht ist, wird auch immer gleich gut gemacht”, sagte Piper. Deshalb werde man nun die Studiensituation überprüfen und gegebenenfalls verbessern. In der Kommission sollen die studentischen Vertreter sitzen, die auch in den Senat gewählt wurden.
Wann endet die Besetzung des Hörsaals?
Bis Mittwoch haben die Besetzer Zeit, den Hörsaal 3 D in der Philosophischen Fakultät freizugeben. Sonst wird Piper von seinem Hausrecht Gebrauch machen und den Raum von der Polizei räumen lassen. Er betonte, dass man den Besetzern in der vergangenen Woche entgegen gekommen sei: Strom, Internetanschluss und Verpflegung aus der Mensa wurden bereit gestellt, die Veranstaltungen verlegt. „Ich biete ihnen an, das Foyer für ihre Info-Stände zu nutzen und für Diskussionen sich bei den Hörsaal-Planern nach freien Räumen zu erkundigen”, sagt Piper. „Aber in diesem Hörsaal wird ab Mittwoch wieder normal unterrichtet.”
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum




