Zusammenführung im Aquazoo: Rendezvous der Krokodile
VON BEN VERHOEVEN UND WERNER GABRIEL (FOTOS) - zuletzt aktualisiert: 29.03.2009 - 12:55Düsseldorf (RPO). Die Zusammenführung der beiden Stumpfkrokodile im Aquazoo verlief erfolgreicher als erwartet. Nur vier Wochen nach seiner Ankunft zieht bei Männchen Ferdinand seine Artgenossin Stumpfi ein. Mit einer Ratte machten die Zoo-Mitarbeiter Stumpfi den Umzug schmackhaft.
Für die beiden Stumpfkrokodile im Aquazoo beginnt der Tag träge. Noch liegen das 28-jährige Weibchen Stumpfi und ihr Nachbar Ferdinand reglos in ihren Gehegen. Die wechselwarmen Tiere nutzen das "Sonnenbad" unter dem Wärmestrahler, um nach der kühlen Nacht den Kreislauf auf Touren zu bringen. Allerdings noch jeder für sich. Männchen Ferdinand kam vor gut vier Wochen aus einem tschechischen Zoo an den Rhein, um Stumpfi Gesellschaft zu leisten. Sollten sich die beiden Panzerechsen verstehen, teilen sie sich in Zukunft ein Gehege. Liebe und Nachwuchs sind nicht ausgeschlossen.
Zunächst ist die Trennwand zwischen den Gehegen aber nur halb geöffnet, eine "Grenzüberquerung" also möglich. "Die Tiere sollen selbst entscheiden können, ob und wann sie zusammenkommen wollen", erklärt Tierpfleger Christian Nissen seine Idee der Zusammenführung. "Ich nenne es die sanfte Methode."
Keine Liebe auf den ersten Blick
Nach Liebe auf den ersten Blick sieht es im Moment aber noch nicht aus: Krokodildame Stumpfi liegt zwar unmittelbar vor dem Durchgang zu Ferdinands Gehege, dreht ihrem Artgenossen aber uninteressiert den Rücken zu.
"Man sollte Krokodile nicht unterschätzen", meint Nissen "auch wenn sie reglos daliegen, bekommen sie genau mit, was in der Umgebung passiert." Wenn es darauf ankommt, sind die Reptilien unglaublich schnell. Das wird dem Zuschauer bewusst, als der Tierpfleger wenig später mit einer Zange eine Ratte in das Gehege hält. Auf einmal kommt Bewegung in die Sache: Weibchen Stumpfi ist hungrig, dreht sich blitzschnell um die eigene Achse und bewegt sich in Richtung der Beute. Langsam lockt Nissen das Weibchen in das Gehege des Männchens. Ferdinand beobachtet das Geschehen aus dem Wasser – aufmerksam, aber ruhig. Auch die Weißbüscheläffchen, deren Käfig sich direkt über Ferdinands Gehege befindet, haben die Aufregung bemerkt und verfolgen das Spektakel von ihren Logenplätzen aus.
Nach der Anstrengung legt Krokodildame Stumpfi unter einer Wärmelampe erst einmal eine Pause ein. "Jetzt müssen wir die Trennwand schließen" ruft Christian Nissen und schickt einen Kollegen, um die Werkzeuge und Trennstäbe zu holen. Zwei Minuten später ist die Zusammenführung geglückt. Stumpfi und Ferdinand sollen sich aneinander gewöhnen. Auf den ersten Blick sind sich die Beiden offensichtlich aber nicht unsympathisch. Tierpfleger Nissen ist vom Erfolg der Aktion überrascht. "Das hab ich so auch noch nicht erlebt", meint er und denkt schon darüber nach, was zu tun ist, wenn es doch zu Feindseligkeiten kommt. "Falls die sich in die Wolle kriegen, müssen wir sie trennen." Mindestens drei Pfleger müssten im schlimmsten Fall in das Gehege, um die kämpfenden Krokodile mit Schrubbern und Besen auseinander zubringen. Doch Nissen ist zuversichtlich: "Die Beiden sind erwachsen und Revierkämpfe sind unter Krokodilen eher ungewöhnlich. Eigentlich müsste es klappen!"
Vielleicht findet der Tierpfleger ja schon bald einen Nesthügel im Gehege der Krokos, und der Traum von Nachwuchs wird wahr.
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