„Zero“ im museum kunst palast: Revolution aus dem Nichts
VON MAIKE SCHULTE - zuletzt aktualisiert: 06.04.2006 - 15:53Düsseldorf (dto). Mit bunter Flüssigkeit gefüllte Plastikschläuche, die im Wind schaukeln, eine mit Nägeln übersäte Stoffskulptur, die sich rasend schnell um die eigene Achse dreht, blinkende Lichtkugeln, verschachtelte Spiegellabyrinthe - mit neuen Materialien, mit Licht und Bewegung revolutionierten die Avantgardekünstler der 50er und 60er Jahren die Kunst. Befreiung von der Vergangenheit und Neubeginn am Nullpunkt lauteten die Ziele der Künstlergruppe Zero, die in Düsseldorf entstand, und der das museum kunst palast zum Beginn der Quadriennale eine umfangreiche Retrospektive widmet.
250 Gemälde, Plastiken, Objekte, Installationen und Environments von 48 europäischen und japanischen Künstlern werden in den vier Hallen des museum kunst palast ab Sonntag zur Schau gestellt. „Indem sich die Zerokünstler bewusst vom expressiven Gestus der informellen Malerei absetzten und technische Apparaturen sowie die Elemente Licht, Feuer und Wasser einbezogen, befreiten sie die Kunst von tradierten Konventionen“, erklärte Jean-Hubert Martin, Generaldirektor des museum kunst palast, zur Eröffnung der Schau, zu der auch die einstigen Düsseldorfer Aktivisten Heinz Mack und Otto Piene erschienen waren. „Das kann sich sehen lassen, eine sehr eindrucksvolle Schau“, freute sich Mack, „Zero lebt“, erklärte ein sichtlich bewegter Piene.
Dogmatismus und Ideologisches waren bei Zero verpönt, so dass sich sehr unterschiedliche Künstler in der Gruppierung zu Hause fühlten. Mit dabei waren Vertreter der Düsseldorfer Künstlergemeinschaft Heinz Mack, Otto Piene und Günther Uecker. Uecker schuf seine berühmten Nagelobjekte, Heinz Mack kreierte Lichtreliefs und Otto Piene arbeitete mit Feuer und inszenierte Lichtballette. Großen Einfluss auf die Gruppe übte der Franzose Yves Klein aus. Mit seinem Begriff der Purifikation – der reinen Farbempfindung – übte er auf die gesamte Bewegung großen Einfluss aus. Der Schweizer Jean Tinguely brachte Bewegung ins Spiel. Er erzeugte mit technischen Apparaturen bewegte Bilder und brachte Objekte zum Rotieren.
Auf der Suche nach einer zeitgemäßen neuen Bild- und Formensprache ergänzten die Künstler traditionelle Kunstformen wie Gemälde und Skulpturen durch Raum- und Lichtinstallationen sowie Aktionen, schufen so die Basis für die Performance- und Installationskunst der Gegenwart. Kunst sollte aktiv erlebt und nicht nur passiv betrachtet werden, so das Ziel der Künstler, die von Düsseldorf aus ein Netzwerk zu Gesinnungsgenossen in Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Italien und Japan spannten.
Im Land der aufgehenden Sonne hatte sich bereits vor der Entstehung von Zero unter dem Namen „Gutai“ (japanisch für rau, unbearbeitet) eine Künstlergruppe formiert, die mit Aktionskunst und Freilichtausstellungen von sich reden machte. So malte Kazuo Shiraga mit seinem Körper im Schlamm, Sadamasa Montonaga kreierte im Wind schwingende mit bunter Flüssigkeit gefüllte Plastikschläuche.
Die Düsseldorfer Schau beleuchtet sowohl die frühe Schaffensperiode der japanischen Gutai-Künstler als auch die intensive Werk- und Ausstellungsphase der Zero-Bewegung in Europa. Historische Ton- und Filmdokumente erwecken in einem separaten Dokumentationsraum das gesellschaftliche und künstlerische Klima der 50er und 60er Jahre wieder zum Leben.
ZERO, Internationale Künstleravantgarde der 50er/60er Jahre
9.4. bis 9.7.2006
museum kunst palast, Ehrenhof 4-5
täglich 11-18 Uhr, montags geschlossen, Eintritt: 10 Euro (erm. 7,50 Euro)
Veranstaltungen
22.4., ab 21 Uhr: Zero – Junge Nacht ...
17.6., 15-22 Uhr ZERO-Symposion und ZERO-Fest. Mit Heinz Mack, Otto Piene und Günther Uecker.
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