Randale und Zerstörung: Rheinbahn sucht Rat auf Schalke
VON STEFANI GEILHAUSEN - zuletzt aktualisiert: 04.06.2009 - 07:10Düsseldorf (RPO). Bei den Gelsenkirchener Verkehrsbetrieben will sich das Unternehmen nach Konzepten für Fußball-Einsätze erkundigen. Dort sind Fußball-Krawalle kein Thema mehr. Auch von den Fanbeauftragten der Fortuna erwartet die Rheinbahn Unterstützung: "Wir gehören schließlich zum Spiel."
Die sechs Rheinbahner, die am Mittwoch anderthalb Stunden über die Risiken von Heimspiel-Tagen redeten, hätten lieber andere Themen gehabt. Einige von ihnen sind begeisterte Fortuna-Fans und finden "einfach nicht in Ordnung, dass wir statt über den Aufstieg über Randale reden müssen."
Eigentlich ging es in der Sitzung, an der neben dem Rheinbahn-Sicherheitschef auch die Betriebsleiter und Mitarbeiter teilnahmen, die am 23. Mai von Fortuna-Anhängern mit Bier übergossen und angepöbelt worden waren, aber vor allem darum, Krawalle wie diese in Zukunft zu vermeiden. Der Polizeipräsident hatte gestern angekündigt, die Stadt, Fortuna und die Rheinbahn zum runden Tisch einzuladen, um gemeinsam einen Anti-Randale-Plan zu entwickeln.
Die Rheinbahn, bei jedem Heimspiel mit erheblichen Sachschäden und nach dem Saisonabschluss erstmals auch mit tätlichen Angriffen aufs Personal konfrontiert, sieht dabei vor allem die Fortuna in der Pflicht, die ihren Fans die Bedeutung der Rheinbahn begreiflich machen müsse. "Wir sind doch Teil des Spiels", sagt Rheinbahn-Sprecher Georg Schumacher. "Wir haben eine Toni-Turek- und eine Fortuna-Bahn, wir haben dem Verein mehr als 300 000 Euro Schulden erlassen, engagieren uns als Sponsor – was sollen wir denn noch tun, damit die Fans uns akzeptieren?"
Wir-Gefühl auf Schalke
Auf das starke Wir-Gefühl setzt die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG (Bogestra) schon seit Mitte der 1990er Jahre. Damals zerlegten vor allem Schalke-Fans regelmäßige komplette Straßenbahnen. Heute sind die königsblau und weiß lackiert, auf die Namen großer Schalker getauft und viele Fahrer tragen selbst das blaue Trikot. "Manche stimmen sogar die Fangesänge über den Lautsprecher an", sagt Bogestra-Sprecherin Sandra Bruns.
"Es hat eine Weile gedauert, aber in Zusammenarbeit mit den Fan-Projekten hat es funktioniert: Für die Fans gehören wir dazu. Vandalismus geht heute bei uns heute gegen Null." Sogar gegnerische Fans zeigten vor Vereinsfarben Respekt und die so genannten Problemfans würden in Gelsenkirchen ohnehin "mit Bussen abgeholt und von der Polizei zum Bahnhof oder Stadion begleitet." In den Fan-Zügen der Bogestra fahren außerdem Mitarbeiter der Schalke-Fan-Projekte immer mit.
Über das Bogestra-Konzept will sich die Rheinbahn demnächst selbst informieren, auch andere Verkehrsbetriebe fragen. "Wir nehmen alles an, was hilft", so Georg Schumacher. Aber allein wird die Rheinbahn das Problem nicht lösen können. Am Runden Tisch wird das Unternehmen deshalb Wunschzettel nicht nur für Fortuna, sondern auch für Stadt und Polizei haben. Die Polizei etwa könnte am Kennedydamm, wo die Züge aus technischen Gründen kurz stehen müssen, mehr Präsenz zeigen. Und die Stadt den Bahnen freie Fahrt gewähren, damit keine zusätzlichen Halts vor Ampeln nötig sind.
Sandra Bruns, deren Bogestra in Bochum und Gelsenkirchen zwei Erstligisten bedient, macht der Rheinbahn Mut: "Je höher dieLiga, desto unproblematischer die Fans."
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