Schüler-Demonstration: Rollender Protest gegen das Bildungssystem
zuletzt aktualisiert: 16.06.2009 - 13:47Mit einem rollenden Protestzug haben am Montag rund 200 Schüler gegen Defizite im Bildungssystem protestiert. „Wir fordern mehr Lehrer, weil die Klassen inzwischen total überfüllt sind“, sagte Organisator Pascal Oumata. Außerdem dürfe Bildung nicht von Studiengebühren blockiert werden.
Laut pfeifend zogen die Schüler auf Fahrrädern, Rollern und in Einkaufswagen vom Jan-Wellem-Platz zum „Zakk“ an der Fichtenstraße. Begleitet von einer Pferdestaffel und diversen Mannschaftswagen der Polizei forderten die Heranwachsenden Nachbesserungen im Bildungssystem: „Wir wollen endlich wahrgenommen werden. Und da Schüler kein Streikrecht im eigentlichen Sinn haben, mussten wir uns eben etwas besonderes einfallen lassen“, erklärte Oumata die außergewöhnliche Demonstration.
Der 19-Jährige gibt den Schülern der Landeshauptstadt mit seiner Aktion eine Stimme. Gemeinsam schließen sich die Düsseldorfer den bundesweiten „Bildungsstreiks“ an. Diese enden am Mittwoch mit einer Großkundgebung am Düsseldorfer Hauptbahnhof.
Nach dem rollenden Protestzug veranstalteten die Jugendlichen eine Podiumsdiskussion. Dabei wurden den Schülern die Ansichten der unterschiedlichen Parteien näher gebracht.
Proteste seit Montag
Bereits am Montag hatten Schüler und Studenten mit ihren Kundgebungen und Protestaktionen begonnen. In Düsseldorf zogen rund 150 Schüler und Eltern vor den Landtag, um gegen Kopfnoten und das verkürzte Abitur zu demonstrieren. Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) zeigte Verständnis für die Protestaktionen.
Grünen-Fraktionschefin Sylvia Löhrmann forderte die Landesregierung bei der Kundgebung in Düsseldorf dazu auf, für mehr Gerechtigkeit und gleiche Chancen für alle in den Schulen zu sorgen. Vor allem die "chaotische Einführung des Turbo-Abiturs und die willkürlichen Kopfnoten" benachteiligten Kinder und Jugendliche, die es ohnehin schwer hätten.
"Wir wollen nicht nur für die Wirtschaft lernen, Bildung ist keine Ware", sagte Lara Turek von der Landesschülervertretung NRW. Schüler wehrten sich daher gegen Kopfnoten, zentrale Abschlussprüfungen und das mehrgliedrige Schulsystem. Auch müsse die Schule demokratischer werden, etwa durch die gleichberechtigte Teilhabe der Schüler an der Schulkonferenz.
FDP-Generalsekretär Christian Lindner rief Schüler und Studenten auf, sich am Bildungsstreik nicht zu beteiligen. Im Bildungsstreik hätten sich linke Gruppen verbunden, um in neuer Form uralte Forderungen zu erheben, sagte der Freidemokrat. Wer sich an den Aktionen beteilige, beschädige seine eigenen Zukunftschancen. "Mit einem leistungslosen und von der Arbeitswelt abgekoppelten Bildungssystem verteidigen wir unseren Wohlstand nicht."
Zusätzlich zum Streiktag am Mittwoch findet am Samstag eine landesweite Demonstration für bessere Bildung in Düsseldorf statt. Dazu werden laut Schülervertretung rund 10.000 Teilnehmer erwartet. Auszubildende beteiligen sich nach Angaben des Deutsche Gewerkschaftsbunds (DGB) ebenfalls an den dezentralen Aktionen.
Zu der bundesweiten Aktionswoche hatte das Bündnis "Bildungsstreik 2009" aufgerufen. Studenten protestieren dabei gegen Studiengebühren und fordern Änderungen im neuen Abschlusssystem Bachelor und Master. Am Mittwoch finden unter anderem Aktionen in Aachen, Bonn, Bochum, Bielefeld, Dortmund, Düsseldorf, Duisburg, Essen, Herford, Ibbenbüren, Köln, Münster und Siegen statt. An mehreren Hochschulen öffnen Protestcamps mit "alternativen Lernveranstaltungen".
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