Interview mit Dirk Elbers: „Rüttgers rief auf der Bühne an“
zuletzt aktualisiert: 02.09.2008Düsseldorf (RPO). Interview Einen Tag nach seinem Sieg bei der OB-Wahl trafen wir Dirk Elbers (CDU) im Café Heinemann. Ein Gespräch über kurze Nächte, Gratulanten, Loyalität, die erste Amtshandlung und den neuen Führungsstil im Rathaus.
Der erste Tag nach der Oberbürgermeister-Wahl. Mittagessen mit dem neuen Stadtoberhaupt, Dirk Elbers, im Café Heinemann. Nur Sekunden, nachdem der 48-Jährige Platz genommen hat, stehen zwei Damen am Tisch. „Wir haben Sie gewählt“, sagen sie. „Jetzt machen Sie was draus!“ Elbers verspricht, das zu tun, bestellt sich ein Wasser und ein „Hacksteak à la Meyer“ mit Bratkartoffeln, Spiegelei und Salat.
Herr Elbers, wie war die erste Nacht als OB?
Elbers Kurz. Ich war erst gegen 3 Uhr im Bett.
Sind Sie ein Langschläfer?
Elbers Eher ein Morgenmuffel, ich tue mich morgens etwas schwer.
Mit welchem Dienstwagen wurden Sie heute abgeholt?
Elbers Mit meinem Bürgermeister-Dienstwagen.
Als Bürgermeister haben Sie Erwins abgelegte Dienst-Limousinen aufgefahren. Übernehmen Sie jetzt seine S-Klasse oder bestellen Sie eine neue?
Elbers Nein, ich bestelle kein neues Auto. Das ist mir nicht so wichtig.
Richten Sie schon Ihr neues Büro ein?
Elbers Nein. Ich gehe davon aus, dass ich die Möbel übernehme. Ich war selbst noch nicht oben, habe aber gehört, dass die Räume gestrichen wurden.
Wieder kommen zwei Damen an den Tisch, um dem neuen OB „ganz herzlich zu gratulieren“. Innerhalb von einer Viertel Stunde sind auf dem Handy von Elbers fünf Gratulations-SMS eingetroffen.
Wie viele Glückwünsche haben Sie denn bekommen?
Elbers Unzählige. Per SMS, E-Mail, natürlich Anrufe und die persönlichen Gratulationen. So etwas habe ich wirklich noch nicht erlebt.
Über welchen Glückwunsch haben Sie sich denn am meisten gefreut?
Elbers Über die meiner Freunde aus den USA. Die waren wahnsinnig nervös, haben mitgefiebert und die Wahl per Internet verfolgt. Schön war auch der Anruf von Ministerpräsident Rüttgers. Allerdings hat er angerufen, als ich auf der Bühne stand. Ich konnte ja schlecht sagen: Rufen Sie später an.
Ihr Sieg war mit 59,7 Prozent deutlich, aber die Wahlbeteiligung auf Rekordtief. Nicht mal ein Viertel der 461 599 Wahlberechtigten hat für Sie gestimmt. Fühlen Sie sich legitimiert?
Elbers Ja, natürlich! Jeder hat das Recht zu wählen oder nicht zu wählen. Ich glaube, dass auch viele meiner Unterstützer nicht zur Wahl gegangen sind, weil sie dachten, dass ich sowieso gewinne. Dann spielt auch das schöne Wetter eine Rolle. Mir macht vor allem die Abkoppelung der OB- von der Kommunalwahl Sorgen. Bei der Kommunalwahl 2004 lag die Beteiligung bei rund 50 Prozent – damals aber noch mit angegliederter OB-Wahl.
In Düsseldorf gab es dieses Jahr zwei Bürgerentscheide. Beim ersten hatte ihr Bündnispartner FDP und in Teilen auch die CDU dazu aufgerufen, nicht wählen zu gehen. Kann es sein, dass die Bürger sich das gemerkt haben?
Elbers Nein. Ich glaube, es liegt daran, dass die Menschen nicht so wählen gehen wie früher, außer es gibt ein extremes Thema, das sie bewegt. Wie die Kölner Moschee.
Was wollen Sie machen, damit die Wahlbeteiligung höher ausfällt?
Elbers Wir können nur appellieren und darauf aufmerksam machen, dass es auf der Welt viele Länder gibt, in denen freie Wahlen nicht möglich sind. Ich habe schon immer mit Politik und Geschichte gelebt. Aber die Jugendlichen wissen oft gar nichts von der Geschichte. Dabei ist es bei allen Entscheidungen in der Gegenwart wichtig, dass man die Vergangenheit kennt. Ein Patentrezept habe ich leider nicht, hoffe aber, dass der Wille sich zu engagieren wieder wächst.
Der Kellner erzählt, dass etliche Gäste genau das gleiche Gericht wie der neue Oberbürgermeister verlangt haben. Der scherzt: „Bald heißt es ,Hacksteak à la Elbers’.“
Was wird Ihre erste Amtshandlung sein?
Elbers Die Einbringung des Haushalts für 2009. Als Chef der Stadtverwaltung werde ich einarbeiten, was ich im Wahlkampf gesagt habe: gebührenfreie Kindertagesstätten und Senkung der Gewerbesteuer.
In der Zeit ohne Stadtoberhaupt hat die Stadtverwaltung Freilauf gehabt. Wie werden Sie sie wieder einfangen?
Elbers Ich habe nicht den Eindruck, dass die Verwaltung ein Eigenleben entwickelt hat, die Beigeordneten arbeiten ordentlich.
Macht es Sie nicht skeptisch, dass die Beigeordneten sich besonders auf den OB Elbers freuen?
Elbers Das ist doch schön. Ich verlange nur, dass sie arbeiten und loyal sind. Es ist kein Geheimnis, dass ich Illoyalität hasse.
Wer wird Ihr OB-Büro leiten?
Elbers Ich gehe davon aus, dass mein Referent, Frank Scholz, Büroleiter wird. Er ist loyal, denkt politisch, kennt die Verwaltung. Kai Schumacher wird weiter als Leiter des Kommunikationsamts eng mit mir zusammenarbeiten. Aus Erwins Stab möchte ich unter anderen Sabine Noll und Hartmut Wienen halten.
Und was passiert mit Erwins Büroleiterin Christina Begale?
Elbers Ich weiß es nicht. Sie möchte offenbar zur Sportagentur. Darüber muss man noch mal mit den Gesellschaftern reden. Sie ist ja Mitarbeiterin der Verwaltung und hat Anspruch auf einen adäquaten Job.
Zieht mit Ihnen auch ein anderer Führungsstil im Rathaus ein?
Elbers Ja. Denn die Leute sind verantwortlich für sich selbst. Ich erwarte, dass sie ihre Arbeit ordentlich machen, ohne dass ich ständig daneben stehen muss. Sie sollen kreativ sein und auch Spaß bei der Arbeit haben. Dazu gehört auch Freiraum.
Hafenfest, Tonhallen-Terrasse, Monkey’s Island – unter Erwin wurde viel untersagt, was nicht seiner Norm entsprach. Wird sich das ändern?
Elbers Ich werde die Vielfalt zulassen, solange man sich an Auflagen hält. Denn davon lebt die Stadt. Mit mir wird es keine Einheits-Bestuhlung geben.
Wie steht es mit der regionalen Zusammenarbeit? In den Nachbarstädten ist die Erwartungen groß, dass mehr Kooperation möglich sein wird.
Elbers Die Stadtoberhäupter von Köln, Duisburg und Ratingen waren ja am Wahlabend dabei. Ich denke das war ein guter Start, die Gespräche zu intensivieren.
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