Kirmes verlief ohne Zwischenfälle: Ruhiger Rummel
VON JULIA NIX - zuletzt aktualisiert: 24.07.2005 - 17:11Düsseldorf (dto). Auch in diesem Jahr war die Düsseldorfer Kirmes ein Publikumsrenner. Bis Samstagabend schlenderten 3,5 Millionen Besucher über die größte Kirmes am Rhein. Das Ziel der Veranstalter, vier Millionen auf den Rheinwiesen zu begrüßen, rückte somit in erreichbare Nähe. Erfreulich auch die Nachricht, dass der Kirmesverlauf ohne größere Vorkommnisse vonstatten ging.
Als Publikumsmagneten erwiesen sich wie in den vergangenen Jahren die rasanten Fahrgeschäfte, die die Fahrgäste in schwindelerregende Höhen befördern, um sie dann hoch über den Dächern von Düsseldorf ordentlich durchzuschütteln. Lothar Inden, Chefschütze des St. Sebastianus Schützenvereins, zeigte sich höchst zufrieden mit dem Verlauf des Volksfestes. „Das Schützenfest war auch im diesen Jahr eine rundum gelungene Sache, mehr als zufrieden sind wir vor allem mit dem neuen Festzelt.“ Dieses fand große Resonanz beim Publikum – bis zu 5.000 Gäste schunkelten und feierten an einem Abend im Zelt. Sieben statt fünf Ochsen – der Ansturm der hungrigen Gäste übertraf die Erwartungen des Diebels Personals.
Bereits nach dem ersten Wochenende konnten die Veranstalter eine Million Besucher verzeichnen. Dies lag sicher zum einen an den vielen Attraktionen, die die Kirmes ihren Besuchern zu bieten hatte, doch zum andern hatte auch Petrus einen Anteil daran, dass die Besucher bei allerschönstem Sommerwetter zu den Rheinwiesen strömten. Besonders beliebt war auch in diesem Jahr der Pink Monday. Beim Feuerwerk am Freitag hingegen wurde ein leichter Besucherrückgang verzeichnet. Zu dem „absolut reibungslosen Veranstaltungsverlauf“ trug, so Kirmes-Bürgermeister Thomas König, auch die gute Umsetzung des neuen Parkkonzeptes bei. So stellten die Schausteller in diesem Jahr erstmalig ihre Wagen unter der Rhein-Knie Brücke ab, um die Situation auf den Wiesen weiter zu entspannen. Besucher wurden angehalten, direkt mit öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen oder auf Parkplätze außerhalb auszuweichen und die letzten Kilometer mit der Bahn zurückzulegen. 285 Wagen mussten abgeschleppt werden, 2004 waren es noch 396 Fahrzeuge.
Erfreulich ist auch, dass es in diesem Jahr lediglich eine Anwohnerbeschwerde gab. Der Scheinwerfer eines Fahrgeschäftes sorgte in einem Schlafzimmer für Festbeleuchtung. Doch auch dieses Problem konnte schnell behoben werden. Ruhig blieb es in diesem Jahr auch in den Zelten, die Polizei musste auf dem gesamten Gelände lediglich neun Mal bei Handgemengen eingreifen.
Trotz der guten Besucherzahlen hat die Schaustellerbranche mit branchenspezifischen Schwierigkeiten zu kämpfen. So sorgen sich vor allem die Los- und Spielbetriebe um das Überleben. Aber auch die nostalgischen Fahrgeschäfte müssen um ihre Fahrgäste buhlen. Zwar sind die alten Schätzchen als Fotomotiv sehr beliebt, doch wenn es um eine Fahrt geht, bevorzugen die Besucher meistens einen Höllenritt auf einem modernen Karussell. Höher, schneller, weiter lautet die Tendenz der vergangenen Jahre. Nicht betroffen hiervon ist allerdings die Raupe, die sich auch in diesem Jahr als Dauerbrenner präsentierte. In der Imbissbranche setzt sich Qualität durch, die meisten Gäste wählten in der Gastronomie die höherpreisigen Angebote.
Auch die Rheinbahn zeigte sich zufrieden mit dem Verlauf des Festes, circa 3 Millionen Fahrgäste transportierte sie rund um den Rummel. Doch der ruhige Verlauf der größten Kirmes am Rhein kommt nicht von ungefähr. Prävention lautet das Sprichwort, mit dem die Organisatoren in diesem Jahr gute Erfolge verzeichnen konnten. So gingen die Mitarbeiter des Ordnungsamtes in diesem Jahr bewusst in die Zelte und sprachen mit den Wirten. Der „Einsatztrupp Jugend“, kümmert sich um die Betreuung jugendlicher Intensivstraftäter und war in diesem Jahr verstärkt präsent auf dem Volksfest. Mit dieser Vorsichtsmaßnahme bewiesen die Organisatoren den richtigen Riecher: Aufgrund der stärkeren Beobachtung kam es lediglich zu einem Raub. Zudem wurden erstmalig Aufenthaltsverbote für die Zelte ausgesprochen. Wer sich nicht an das Verbot hielt, dem drohte eine Nacht in Ordnungshaft. Doch zu dieser letzten Maßnahme musste die Polizei nicht greifen.
Oftmals half auch schon eine offensive Ansprache – so gingen die Polizeibeamten direkt auf Besucher zu und machten beispielweise darauf aufmerksam, dass die Handtasche über der Schulter eine leichte Beute für Diebe ist. 23 Anzeigen musste die Polizei in diesem Jahr aufnehmen, 2004 waren es 44 Delikte. 130 Einsätze wurden von der Feuerwehr und dem Deutschen Roten Kreuz gefahren, Schnittwunden, Herz-Kreislauf-Probleme und Alkohol waren meist die Ursache für das Ausrücken der Einsatzkräfte. Allerdings gab es in diesem Jahr keinen einzigen Patienten mit Vespenstich - im vergangenen Jahr mussten 700 Menschen behandelt werden. Kirmes-Bürgermeister Thomas König zog schließlich ein überaus positives Resümee: „Das Volksfest ist nicht tot, es lebt!“
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