Bettina Kelm unterrichtet Feldenkrais-Methode: Rumkugeln erwünscht
VON JAN SCHNETTLER - zuletzt aktualisiert: 30.04.2007 - 09:10Düsseldorf (RPO). Bettina Kelm ist Feldenkrais-Lehrerin. In Gruppen- und Einzelstunden unterrichtet sie die körperorientierte Lernmethode, mit denen Menschen ihre Bewegungs- und Experimentierfreude wieder finden sollen.
Anfangs wurde sie belächelt. „Na, gehst du wieder rumkugeln?“, scherzten Freunde, wenn Bettina Kelm zum Feldenkrais-Training ging. 15 Jahre später unterrichtet die 41-Jährige die körperorientierte Lehrmethode selbst - und überzeugt immer mehr Menschen davon, dass hinter dem Feldenkrais wesentlich mehr steckt als das zweifellos große Repertoire an Rollbewegungen.
„Es geht darum, die Aufmerksamkeit auf einzelne Bewegungsabläufe des Körpers zu richten“, sagt die Physiotherapeutin. „Dadurch lernt man sich selbst ganz neu kennen.“ Es handle sich bei Feldenkrais weniger um Gymnastik als vielmehr um „Bewegungsexperimente, um so die Kreativität in Alltagssituationen wiederzufinden“, sagt Bettina Kelm.
Seit Anfang der Neunziger beschäftigt sich die 41-Jährige mit der Feldenkrais-Methode, zwischen 1999 und 2002 wurde sie in Amsterdam zur lizensierten Feldenkrais-Lehrerin ausgebildet. 2005 eröffnete sie ihre Praxis in Derendorf - das Schlagwort lautet „Bewusstheit durch Bewegung“.
„Im Laufe des Lebens wird unser Leben immer monotoner“, sagt Kelm. „Von einfachen Bewegungsabläufen bis hin zu Urlaubszielen - alles wird zur Gewohnheit.“ Durch die Einschränkungen der Bewegungen verliere das gesamte Leben an Facettenreichtum. Und: der Körper leide. „Monotonie langweilt das Nervensystem“, so Kelm. „Und immer gleiche Belastungen führen zu Müdigkeit sowie körperlichen und seelischen Schmerzen.“
Die Methode geht zurück auf Moshe Feldenkrais, einen jüdischen Physiker, Neurophysiologe - und Judotrainer. „Darum ist Feldenkrais gewissermaßen auch eine Mischung aus Wissenschaft und Kunst“, sagt Bettina Kelm. Besonders Tänzer und Schauspieler benutzten diese Methode, um „ihr Instrument, nämlich ihren Körper, verfügbarer zu machen.“ So stand vergangene Woche auch die Jahrestagung des Deutschen Feldenkrais-Verbandes im Tanzhaus NRW unter dem Motto „Feldenkrais und die Musen - eine Liaison?“
Kommt ein Patient beispielsweise mit Nackenverspannungen in ihre Praxis, beginnt Bettina Kelm mit einem Orientierungsgespräch. „Dann lasse ich ihn etwa den Kopf drehen, um herauszufinden, was für eine Vorstellung er von der Bewegung hat.“ Nach und nach wird so ein Kontext erarbeitet und die Behandlung durch vertiefende, individuell auf den Patienten zugeschnittene Übungen vertieft.
Angeboten werden Gruppen- und Einzelstunden, dazu auch ein Mal im Monat Wochenendkurse. Die Gruppen sind bunt gemischt, nur Kinder sind nicht dabei. „Die brauchen Feldenkrais nicht“, sagt Bettina Kelm. „Das Entscheidende ist ja gerade, Kindern ihre Bewegungs- und Experimentierfreude nicht zu nehmen. Sie haben sie schon.“
Auch sie selber gehe viel bewusster durch die Welt, seitdem sie sich mit der Feldenkrais-Methode beschäftige: „Ich bin immer wieder fasziniert, was für fantastische Wesen wir sind, und wie komplex unsere Körper konstruiert sind“, sagt Kelm. Mit der Securvita-BKK fördere auch bereits eine Krankenkasse zumindest einen Teilaspekt der Feldenkrais-Methode.
Übrigens: Aus dem Scherz von einst wurde der Name von Bettina Kelms Internetauftritt - www.rumkugeln.com .
INFO Feldenkrais, Franklinstraße 39, Düsseldorf, Telefon 0211/514 5199
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