Arag World Team Cup: Russen feiern - und verlieren
VON STEFAN KAUFMANN - zuletzt aktualisiert: 26.05.2008 - 09:11Düsseldorf (RPO). Viele Klappstühlchen blieben am Finaltag der Mannschafts-WM leer. Die Tennis-Fans, die kamen, genossen jedoch Sonne, Erdbeeren und spannende Spiele. Für Stimmung sorgte vor allem eine Gruppe russischer Nachwuchsspieler.
Jean Pütz kommt erst zur Halbzeit. Der Russe Andreev und der Schwede Johansson streiten sich gerade im zweiten Spiel des Finaltages um den zweiten Satz, als der Moderator mit dem markanten Schnauzbart schnellen Schrittes auf dem Kiesweg des Rochusclubs heranrauscht. „Ich bin ein bisschen spät dran“, sagt er. „Hatte noch einen Termin in einer Walddorfschule“. Dort gab es eine Aktion für die Erdbebenopfer in China und sein Promi-Einsatz war gefragt. Aber jetzt sei es höchste Zeit für Tennis. „Ein schöner Sport, den ich mir in meiner Jugend nicht leisten konnte“, sagt Pütz. „Deshalb schau’ ich mir das jetzt umso lieber an.“
Platzprobleme bekommt der 71-Jährige auf den Rängen des Center Courts nicht. Er hat Auswahl, genügend Klappstühlchen und Sitzschalen sind unbesetzt. Dabei melden die Veranstalter ein fast ausverkauftes Stadion. 7350 Karten wurden offiziell an den Mann und die Frau gebracht, doch nur rund 5000 sind gekommen. Großzügig geschätzt. Für zwei, drei Laola-Wellen bei Sonnenschein und Seitenwechsel reicht es trotzdem.
Treu ist während der ganzen Turnierwoche der Fan-Tross der Russen, angeführt von Tennistrainer Oleg Mannapov (38). „Heute sind wir mit 17 Leuten hier, alles russische Nachwuchsspieler von der Tennis-Akademie in Marl“, erzählt er. Zwei seiner Schützlinge seien sogar schon in der Weltrangliste platziert. „Unter den besten 500.“ Noch stehen sie in Düsseldorf aber nicht auf dem Platz, sondern schwenken auf der Tribüne ihre Fahnen und kreischen. „Russia, Russia!“
Eine Ausbildung in Sportzentren, das wünschen sich Ursula und Liw Mächel auch für den Nachwuchs aus Deutschland. „Sonst sehen wir in den nächsten 20 Jahren kein Finale mit deutscher Beteiligung“, sagt Ursula Mächel. Das Ehepaar kommt immer am letzten Tag an den Rolander Weg, nimmt Platz in Block K, Reihe 10, auf den Sitzen 26 und 27. „Unsere Stammplätze.“ Von dort beklatschen sie in diesem Jahr den Sieg der Schweden.
Mächels sind nicht die einzigen, die am liebsten die Deutschen sehen. „Dann ist mehr los auf der Anlage“, sagt Eisverkäuferin Anna Garasinki. Zudem fehlten namhafte Zugpferde wie beispielsweise Andy Roddick. „Viele kennen die Spieler, die hier antreten, überhaupt nicht.“ Dem Erdbeerkonsum der Tennisfreunde hat das keinen Abbruch getan. „Bis zu 75 Kilo lose Erdbeeren und mehr als 500 Tortenstücke reichen wir täglich über die Theke“, sagt Petra Müllegans, Verkaufsleiterin bei Heinemann. „Das ist besser als im vergangenen Jahr.“
Genauso wie das Wetter. Auch am Finaltag verwöhnt die Sonne die Profis, Fans und eineinhalb Spiele lang auch Jean Pütz.
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