Agnes-Miegel-Schule: Säure aus Chemiesaal gesprengt
VON STEFANI GEILHAUSEN UND ANNA HARTNACK - zuletzt aktualisiert: 15.08.2008 - 07:18Düsseldorf (RPO). Säurealarm Donnerstag an der Agnes-Miegel-Schule: Weil niemand wusste, in welchem Zustand sich die Pikrinsäure im Stahlschrank des Chemiesaals befand, rückte ein Sprengkommando der Bundespolizei an, sicherte die Chemikalie und sprengte sie in einem Loch im Schulgarten.
„Die Flasche stand da schon seit 30 Jahren, ungeöffnet und originalverpackt“, sagte Schulleiterin Petra Steudel nach der Vernichtung der 160 Gramm Pikrin. Die Säure wird im Chemieunterricht unter anderem zum Prüfen des pH-Gehalts anderer Stoffe verwendet. Üblicherweise wird Pikrin in Wasser aufbewahrt - das muss so sein, weil trockenes Pikrin hochexplosiv ist, etwa zehn Prozent stärker als TNT.
Nachdem in den vergangenen Wochen in mehreren Schulen, darunter ein Berufskolleg in Duisburg und das Kaiserswerther Fliedner- Gymnasium, ausgetrocknetes Pikrin gefunden worden war, schickte die Bezirksregierung ein Informationsblatt an alle Schulen.
„Jede Schule hat Gefahrstoffbeauftragte, die ohnehin routinemäßig kontrollieren. Nach den Medienberichten der vergangenen Tage sind die natürlich hochsensibilisiert“, erklärte Egon Petrak, Sprecher der Bezirksregierung. Seine Behörde riet den Schulleitern, Pikrin, das älter als zwei Jahre ist, durch Fachunternehmen entsorgen zu lassen und, falls getrocknetes Pikrin vorhanden sei, die Polizei zu rufen.
Das Landeskriminalamt hat in diesen Tagen viel mit Pikrin zu tun. So viel, dass am Dienstag zwar ein Experte kam und die Säure in der Agnes-Miegel-Realschule begutachtete. Bloß der Sprengmeister hatte keine Zeit - er hatte NRW-weit 24 Einsätze an diesem Tag. Gestern kam ein Fachmann von der Bundespolizei nach Golzheim, befreite den Chemiesaal von der Altlast. Der Nordtrakt der Realschule wurde während der zweiten Schulstunde, kurz nach neun Uhr, geräumt. Während etwa 200 Kinder mit ihren Lehrern auf dem Hof warteten, mussten die Klassen aus dem anderen Trakt in ihren Räumen bleiben, durften auch zur Pause nicht raus. Erst kurz vor elf Uhr gab’s nach der Sprengung Entwarnung. Thomas Müller, Lehrstuhlinhaber für organische Chemie an der Uni Düsseldorf, sieht keinen Anlass für ein Pikrin-Verbot im Unterricht. „Wenn die Säure geschlossen aufbewahrt wird, trocknet sie nicht aus“, sagt er. „Wein verdunstet ja auch nicht in einer geschlossenen Flasche.“
Die neuesten Nachrichten und Berichte aus Politik, Wirtschaft, Panorama, Sport,
Kultur, Gesellschaft, Wissenschaft, Multimedia, Auto,
Reise und Beruf - im Archiv auch gratis recherchierbar. Dazu die besten Bilder,
Live-Ticker, Kolumnen und Hintergrundberichte.




