Düsseldorf im Jazzfieber: Schauspieler greifen zum Mikro
VON ANNA WESOLOWSKI - zuletzt aktualisiert: 10.05.2008 - 10:53Auftakt der diesjährigen Jazz Rally am Freitagabend. Ausnahmsweise gehörte der Applaus jedoch gleich zwei Schauspielern. Uwe Ochsenknecht und Jasmin Tabatabai enterten die Bühne am Burgplatz und bewiesen, dass sie auch stimmlich einiges zu bieten haben.
Schon eine halbe Stunde vor Beginn tummelten sich die ersten Fans vor der Bühne. So dicht ran, wie nur möglich, um auch ja einen Blick auf Uwe Ochsenknecht erhaschen zu können. Dabei ging es ihm dieses Mal vor allem darum, gehört zu werden. Gemeinsam mit seiner Band kehrte er nach fünfjähriger Pause zur Jazz Rally zurück. Im Gepäck: reichlich gute Musik, um das unerwartet große Publikum für knapp eineinhalb Stunden in Beschlag zu nehmen. Schließlich musste er sie von der ersten Minute an packen, um gegen die harte Konkurrenz in der ganzen Stadt zu bestehen.
"Ich war zunächst etwas verwundert. Dass Uwe Ochsenknecht auch singt, war mir völlig unbekannt", so Seher Ülker. Dabei begann Ochsenknecht seine Gesangskarriere schon als Zehnjähriger und tourt seit etlichen Jahren mit seiner Kombo durch das Land. "Aber jetzt bin ich hellauf begeistert." Wie ihr ging es auch den vielen anderen, die trotz scheinbar tropischer Hitze im Konzertzelt ausharrten. Die Mischung aus Soul, Blues und Popeinflüssen und Songs wie "Stand and Deliver" ließen die Stimme des Schauspielers erst richtig zur Geltung kommen.
Ein für viele ebenso ungeahntes Talent versteckte sich hinter Jasmin Tabatabai, die sich somit wie Kollege Ochsenknecht in die Garde der singenden Schauspieler einreihte. Auch sie verströmte als reines Energiebündel mit ihren Tanzeinlagen gute Laune, die förmlich ansteckend wirkte. Schon nach wenigen Minuten klatschten die dicht gedrängten Zuschauer zum Indiepop der "Bandits"-Darstellerin mit, die sich sichtlich wohl in Düsseldorf fühlte. Ihr Spruch "Aber es kann nunmal nicht jeder aus Düsseldorf kommen." wurde prompt von den mutigen Zuschauern pariert: "Aber besser wär das."
Lokalpatriotismus zeichnete sich in der gesamten Altstadt ab. Nahezu jeder Düsseldorfer schien auf den Beinen, um vor einen der zahlreichen Bühnen im Stadtgebiet der Musik zu lauschen. Von Modern Jazz, Swing, Boogie Woogie bis hin zu R&B war garantiert für jeden etwas dabei. Bands wie "Tohuwabohu" genossen die ungewohnt große Aufmerksamkeit. Auf dem Rathausplatz legte die Marschingband eine unterhaltsame Show hin, inklusive Konfettiregen. "Es ist eben nicht alles schlecht, was aus Köln kommt", scherzten die Blasmusiker und Schlagzeuger. Selbst wer kein Ticket erwerben wollte, wurde hier in den Bann der Musik gezogen, die in der Luft hing. Auch vor den anderen Open-Air Bühnen blieb so mancher Schaulustiger stehen.
Denn inzwischen hat die Veranstaltung schon Kultstatus erreicht. "Wir verschieben für sie sogar unseren Urlaub", erklärten Helene Schröder und Petra Auschner, die von Anfang an gleich mit einer ganzen Gruppe anreisten. Die Jazz Rally hat absolute Priorität in ihren Terminkalendern. "Und wir freuen uns jedes Jahr aufs Neue, dabei zu sein." Noch an zwei weiteren Tagen werden sie den Musiktaumel genießen. Dann heißt es wieder warten - auf das nächste Jahr.
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