Nach unserer Berichterstattung: Schlaganfall beschäftigt Politik
VON ANANDA MILZ - zuletzt aktualisiert: 17.02.2011 - 07:22Düsseldorf (RPO). Die Berichterstattung unserer Redaktion über die unzureichende Schlaganfall-Versorgung in Düsseldorf ist jetzt Thema in der Politik. Auf Initiative der Grünen-Ratsfraktion wird es eine Sondersitzung geben. Das Ziel: Experten aus Medizin und Verwaltung sollen gemeinsam das Thema angehen.
Rund 2000 Schlaganfall-Patienten gibt es pro Jahr in Düsseldorf. Wie die RP am Dienstag berichtete, kommen jedoch nicht alle Fälle in die dafür eigens eingerichteten neurologischen Notfallstationen, die so genannten Stroke Units. Rund ein Drittel werden von den Rettungsdiensten zu anderen Akut-Krankenhäusern gebracht und dort von Internisten behandelt.
Unbedingt Notruf 112 anrufen
Eine Situation, die nun auch die Politik auf den Plan ruft. Bei der gestrigen Sitzung des Gesundheitsausschusses brachte die Grünen-Ratsfraktion spontan den Punkt mit ein. Das Fazit: "Auf Vorschlag des Ausschuss-Vorsitzenden Wolfgang Janetzki werden wir eine Sondersitzung einberufen", erklärt Susanne Ott, Mitglied des Gesundheitsausschusses (Grünen). Zusammen mit Experten, etwa Neurologen aus diversen Kliniken und Vertretern der Feuerwehr und des Gesundheitsamts, sollen Wege zur Verbesserung der Situation gefunden werden.
Denn auch die Neurologen der Uniklinik schließen sich der Forderung ihres Kollegen, Chefarzt Wolfgang Steinke von der Stroke Unit im Marienhospital an. "Die Situation ist nicht optimal. Es fehlt eine schriftliche Leitlinie, die festlegt, dass jeder Verdachtsfall sofort in eine Stroke Unit gebracht werden muss", betont Sebastian Jander, Leiter der Stroke Unit an der Uniklinik. Der Neurologe unterstreicht: "Wir haben im Schnitt 600 Patienten pro Jahr auf unserer Station, könnten uns aber sicher noch auf 1000 steigern." Das zusätzliche Dilemma: "Die Patienten kommen zu spät in die Klinik und bleiben zu lang, bis sie in die passende Reha-Klinik verlegt werden können."
Das blockiere die Arbeit auf der Stroke Unit, auf der neben zehn Ärzten auch 26 Pflegekräfte und mehr als zehn Physio- und Ergotherapeuten sowie Logopäden tätig sind. Neben zähen Absprachen in der Gesundheitskonferenz mit allen Beteiligten, die besser funktionieren müssten, richtet sich ein Appell aber auch an die Bürger selbst. "Sie müssen sich gut beobachten und sich rechtzeitig rühren", erklärt Jander.
So ist sein Rat bei Symptomen, die ganz plötzlich auftreten (wie halbseitige Lähmung, schlimme Seh- und Gefühlsstörungen sowie akute Sprachstörungen und schwerer Schwindel), sofort die 112 zu wählen. Denn, wer mit dem Rettungswagen geholt wird, bekommt vor Ort in der Klinik die schnellere Hilfe. "Die interdisziplinäre Notaufnahme der Uniklinik fahren nämlich auch viele Patienten selbst mit Auto oder Taxi an. Sie klagen etwa über wochenlange Kopfschmerzen, machen sich Sorgen und wollen der Sache nachgehen", berichtet Neurologe Jander. Deshalb gilt es für die Ärzte, schnell die Spreu vom Weizen zu trennen und die Patienten ausfindig zu machen, die umgehend behandelt werden müssen. "Diese Akut-Patienten werden dann bei Bedarf in die Stroke Unit gebracht", erklärt Jander.
Doch damit unnötige Notfallschleifen vermieden werden, sei es wichtig, dass alle Beteiligten – Patienten, Rettungssanitäter und Notärzte – umfassend informiert sind und wissen, was zu tun ist. "Das hoffen wir, nun in der Sondersitzung zu forcieren", erklärt Ott von den Grünen. Denn das fatale am Schlaganfall sei: "Nicht nur das Zeitfenster ist eng, sondern es betrifft sehr viele von uns. Neben Älteren leider auch Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene."
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