43 Millionen-Jackpot: Schlange stehen im Lotto-Laden
VON SABINE SCHMITT - zuletzt aktualisiert: 05.12.2007 - 08:48Düsseldorf (RPO). Satte 43 Millionen Euro sind im Jackpot - da zocken auch die, die es normalerweise nicht tun. Die Folge sind lange Schlangen in den Läden und mitunter Scheine mit Kreuzchen, wo sie nicht hingehören. Ein Besuch in der Lotto-Annahmestelle kurz vor der Rekord-Ziehung.
Die Lotto-Annahmestelle im U-Bahnhof Heinrich-Heine-Allee, es sind nur noch Stunden bis zur Rekord-Ziehung. Mal eben einen Schein ausfüllen und mitspielen um den Gewinn - so läuft das hier nicht. Zumindest zurzeit nicht. Eine Kassiererin mit Sohn, eine Rentnerin, eine Studentin, zwei Arbeiter und eine Buchhalterin stehen bereits in der Schlange. Es ist der deutsche Mittelstand. Und der ist heiß auf den 43-Millionen-Euro-Jackpot. Auch im U-Bahnhof Heinrich-Heine-Allee. Das erstes Gebot lautet daher: hinten anstellen.
Die Rentnerin ist an der Reihe. „Da ist ein Kreuz zu viel auf Ihrem Schein“, sagt Heike Barczik-Dietrich, die bei Hollmanns Presse und Tabak im U-Bahnhof die Scheine entgegen nimmt. Sie sagt das nicht zum ersten Mal.
Ein Kreuz zu viel, ein Kreuz zu wenig. Das sind hier zurzeit die typischen Fehler. Anfängerfehler. Denn Lotto-Spielanfänger strömen derzeit zu Massen in die Annahmestellen, sagt die Verkäuferin. Die Folge: „Jeder zweite Schein ist falsch ausgefüllt.“ Doch schlimm ist das nicht. „Wir streichen einfach das letzte Kreuz. Dann passt’s.“ Die alte Dame nickt. „Der nächste, bitte.“
Nur noch Stunden bis zur Ziehung für den Rekord-Jackpot am heutigen Abend - das bedeutet für die Verkäuferin in der Lotto-Annahmestelle arbeiten im Akkord. Eine zusätzliche Kraft wurde eingestellt.
Normalerweise besteht ein Team hier aus zwei Verkäuferinnen, zurzeit sind es drei. Und normalerweise nehmen sie hier für eine Mittwochsziehung rund 400 Lottoscheine an, bis heute Abend könnten es knapp 3000 sein. „Doch richtig eng wird es erst eine Stunde vor Schluss, so ab 17.15 Uhr“, sagt Barczik-Dietrich. Sie erwartet, dass sich in dem kleinen Lädchen dann bis zu 50 Menschen drängen. Auch am Samstag (1480 Scheine) sei das schon so gewesen.
Die Studentin steht derweil immer noch in der Schlange. Sie heißt Miriam Eid. Für sie ist es das zweite Mal. Und damit auf ihrem Schein alle Kreuze stimmen, prüft sie ihn wieder und wieder.
Das erste Mal tippte sie mit, als es im Oktober 2006 um den bisherigen Rekord-Jackpot in Höhe von 37,7Millionen Euro ging. Doch damals gewann ein 41-jähriger Krankenpfleger aus Westfalen, Eid ging leer aus. Deshalb jetzt der zweite Versuch. Und während sie wartet, träumt sie schon mal. Von der Reise zu Freunden in Südamerika, die sie schon seit so langer Zeit unternehmen will. Und davon, neben ihrem Studium nicht mehr arbeiten zu müssen. Doch in die Gedanken von Südamerika und über ein lockeres Leben mischt sich niederländisches Gerede.
Zwei Damen aus Venlo haben den Laden betreten. Eigentlich sind sie wegen des Weihnachtsmarktes gekommen. Aber bei 43 Millionen Euro im Pot - da wollen sie nicht nach Hause fahren, ohne Lotto gespielt zu haben.
Doch wie groß ist sie eigentlich, die Chance auf den Gewinn? Sie ist gering. Verdammt gering. Für sechs Richtige steht sie bei eins zu 14 Millionen, für sechs Richtige plus Superzahl bei eins zu 140 Millionen - in der Schlange stehen daher vor allem Menschen, die ein bisschen träumen möchten, wenigstens bis heute Abend. Träume von unendlichem Luxus haben sie indes eher nicht: Die Kassiererin Petra Kovac (39) und ihr Sohn Danny (12) machten Kreuze für ein Auto. Andere für eine neue Wohnung, einen Laptop und ein Pferd.
Die neuesten Nachrichten und Berichte aus Politik, Wirtschaft, Panorama, Sport,
Kultur, Gesellschaft, Wissenschaft, Multimedia, Auto,
Reise und Beruf - im Archiv auch gratis recherchierbar. Dazu die besten Bilder,
Live-Ticker, Kolumnen und Hintergrundberichte.






