Sieben Überfälle gestanden: Schlecker-Räuber gefasst
VON STEFANI GEILHAUSEN - zuletzt aktualisiert: 25.08.2009 - 07:33Düsseldorf (RPO). Ein 35-jähriger Mann hat sieben Überfälle auf Filialen der Drogeriemarktkette zugegeben. Außerdem gestand er den Raub im Hotel Fürstenhof Anfang August. Sechs weitere Taten wirft die Polizei ihm vor. Der Mann ist in U-Haft.
Geldnot habe ihn zu den Überfällen getrieben, sagte Mustafa A. den Polizisten, die ihn am Freitag in der Nähe seiner Wohnung in Rath festnahmen. Der 35-Jährige hat keine feste Arbeit, muss für seine beiden Kinder und die getrennt lebende Ehefrau Unterhalt zahlen.
Das Geld dafür und für gelegentlichen Kokain-Konsum soll er sich zumindest seit Mitte Juni mit Gewalt aus den Kassen von Schlecker-Filialen und Hotels genommen haben. Bekannte hatten der Kripo den Tipp gegeben: G. soll mit den Raubzügen und rund 5500 Euro Beute geprahlt haben. Außerdem sah er dem Phantombild ähnlich, dass die Polizei nach dem neunten Überfall veröffentlicht hatte.
Dirk Sybertz vom Raubdezernat glaubt, dass G.s Serie im Februar in einer Schlecker-Filiale an der Tußmannstraße begonnen hat. Die wurde im Juni erneut überfallen, und der Kriminalhauptkommissar lässt prüfen, ob G. auch diesen und einen Überfall auf die Filiale an der Stockkampstraße begangen hat.
In insgesamt elf Fällen passt die Täterbeschreibung auf Mustafa G., der sich nach der Veröffentlichung des Phantombilds seine dunklen Locken kürzen ließ. Auch der Tatablauf war gleich: Der Räuber tat, als wolle er etwas kaufen oder umtauschen, bedrohte dann die Kassiererinnen mal mit Messer, mal mit Pistole und griff in die Kasse.
Dass G. nur sieben Überfälle zugibt, und auch von vier ähnlichen Taten in Hotels nur eine (siehe Info) gestand, wird auf das Strafmaß kaum Einfluss haben. Auch, dass er darauf beharrt, seine Opfer "nur" mit einem Messer und nicht mit einer Pistole bedroht zu haben, spielt für Staatsanwältin Darya Alikhani Chamgardani keine Rolle. Für sie ist G. ein Serientäter mit einer gefährlichen Waffe und "mit vier Jahren Gefängnis wird da kein Richter auskommen".
Mustafa G. verfügt nach Einschätzung der Polizei über beträchtliche kriminelle Energie. Der Gelegenheits-Taxifahrer war schon mehrfach wegen Körperverletzung aufgefallen. Und er sei " nicht zufällig in die Filialen gegangen", so Sybertz, sondern habe sich stets Läden ausgesucht, bei denen er keine Störungen erwartete.
Die Geschäftsleitung von Schlecker habe positiv auf Anregungen der Kriminalpolizei reagiert und die Sicherheitsvorkehrungen in Düsseldorfer Filialen verbessert, sagte Sybertz gestern. Für die Gewerkschaft Verdi zu wenig. Sie verlangt schon seit Jahren einen Sicherheitstarifvertrag, die Besetzung der bundesweit 11.000 Schlecker-Filialen mit mindestens zwei Angestellten, echte Kameras statt Attrappen. "Außerdem sollten nicht die Angestellten, sondern der hauseigene Sicherheitsdienst die Einnahmen zur Bank bringen", sagt Verdi-Sprecher Heino-Georg Kassler.
Auch die Polizei hat noch Verbesserungsvorschläge. "Uns wäre sehr geholfen, wenn wir bei Überfällen direkt alarmiert würden und nicht erst über die Sicherheitszentrale des Unternehmens in Süddeutschland. Denn dadurch geht bei der Suche nach dem Täter wertvolle Zeit verloren", sagte Polizeisprecher Markus Niesczery.
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