Investor zieht sich zurück: Schloss Eller wird nicht saniert
VON MICHAEL BROCKERHOFF UND DIRKE KÖPP - zuletzt aktualisiert: 30.01.2007 - 08:26Düsseldorf (RPO). Die Provinzial-Versicherung ist aus der Restaurierung nach dreieinhalb Jahre dauernden Verhandlungen ausgestiegen. Streitpunkt war ein Hotelstandort. In Eller herrschen Empörung und Wut.
Die Gerüchte hielten sich hartnäckig - seit gestern ist es amtlich: Die Provinzial-Versicherung zieht sich aus dem 20-Millionen-Euro-Projekt zur Sanierung von Schloss Eller zurück. Darauf verständigten sich gestern Stadt und Versicherung. Gescheitert sind die Verhandlungen - nach mehr als drei Jahren nach einer Grundsatzvereinbarung - an der Standortfrage für ein zusätzliches Hotel neben dem Schloss, das die Versicherung auch als Gästehaus für ihr Schulungszentrum im Schloss betreiben wollte. „Die Stadt hat der Provinzial immer wieder Grundstücke angeboten, zuletzt auf einem Gelände neben der Schule Kikweg direkt gegenüber dem Schloss“, so Planungsdezernent Gregor Bonin. Aber das Unternehmen habe stets abgelehnt, weil sich ein Hotel an diesen Standorten nicht rechnen würde, so Bonin.
Die Provinzial hatte sich auf Flächen im nahen Schlosspark oder auf dem Gelände des Abenteuerspielplatzes für das Hotel festgelegt. Aber wegen Naturschutz oder wegen fehlender Alternativen für den Spielplatz standen sie aus Sicht der Stadt nicht zur Verfügung. „Die Alternativen, die wir geboten haben, waren attraktiv“, erklärte Bonin. Er war vor einem halben Jahr, als er das Planungsdezernat übernahm, noch optimistisch, eine Lösung mit der Provinzial zu finden. Doch weitere Verzögerungen wollte die Stadt nicht hinnehmen. „Wir hätten nicht noch weitere Jahre ins Land ziehen lassen können“, so Bonin.
Für die Versicherung war das Projekt letztlich nicht wirtschaftlich genug, so Provinzial-Finanzvorstand Michael Bock gestern in einer knappen Erklärung: „Das ist für alle Seiten bedauerlich, aber wir bitten um Verständnis.”
In Eller sind Enttäuschung und Wut über die Entscheidung groß: „Wir haben dreieinhalb Jahre Zeit verloren, weil die Stadt sich nur auf das Angebot der Provinzial gestürzt hatte, statt auch andere Angebote einzuholen“, schimpfte Bezirksvorsteher Erich Kuczera (SPD). „Und sie hat viel zu lang gewartet - die Bausubstanz des Schlosses hat sehr gelitten in dieser Zeit.“
Das sieht Susanne Ott (Grüne) genau so. Sie kündigte an, sich erneut für eine Bürgerstiftung unter dem Dach der Deutschen Stiftung für Denkmalpflege einzusetzen: mit Platz für Heimatverein, Gastronomie, Bürgerveranstaltungen und einem Angebot von Reha und Physiotherapie.
„Jetzt steht die Stadt in der Verantwortung, das Schloss möglichst schnell notfalls selbst zu sanieren“, meint Pfarrer Dietmar Silbersiepe von der evangelischen Schlosskirche. Er ist sehr enttäuscht über die Entwicklung, weil ein wichtiges kulturelles Erbe der Stadt verfalle.
Wie die Zukunft des Schlosses aussieht, ist Thema in der Sitzung des Stadtrates am Donnerstag.
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