Weiteres Kind erkrankt: Schon 26 Masernfälle
VON JUDITH CONRADY - zuletzt aktualisiert: 08.06.2007 - 13:35An der Waldorfschule in Gerresheim gibt es einen weiteren bestätigten Fall von Masern. Damit sind nun insgesamt 26 Schüler erkrankt. Sechs von ihnen kommen nicht aus Düsseldorf, sondern aus Mettmann. Das Gesundheitsamt setzt weiterhin darauf, die Betroffenen zu isolieren.
Der aktuelle Fall ist ein Sonderfall: Normalerweise ist an Schulen ein Großteil der Kinder und Jugendlichen geimpft. An der Waldorfschule in Gerresheim sieht das anders aus. Viele Eltern lehnen Impfungen grundsätzlich ab. Rudolf Steiner, der Begründer der Waldorfpädagogik, war der Überzeugung, dass die Gefahren des Impfens größer sind als der Nutzen. Kinder sollten Kinderkrankheiten lieber auf natürliche Art überwinden, um anschließend dagegen immun zu werden.
Heiko Schneitler, Leiter des Düsseldorfer Gesundheitsamtes, sieht das anders: "Masern sind eine ernsthafte Infektionskrankheit, die schwere Spätfolgen haben kann. Und der beste Schutz dagegen ist die Impfung. Sie ist auch bei Erwachsenen noch ratsam." Eine besonders gefürchtete Komplikation der Masern ist die lebensbedrohliche Hirnentzündung. Sie tritt in einem von 1000 Fällen auf.
Im Gerresheimer Fall ist es besonders schwierig, die Ausbreitung der Krankheit zu verhindern. "Wir haben es erstmals mit einer Gruppe zu tun, in der die Kinder überwiegend nicht geimpft sind", sagt Schneitler. Das Problem: Jedes Kind, das keinen Impfschutz hat und mit Kranken in Kontakt war, könnte viele weitere angesteckt haben. "Das potenziert sich", so Schneitler. "Ob bei der Konfirmation oder im Fußballverein."
Um Anstreckung zu verhindern, verfolgt das Gesundheitsamt eine Isolationsstrategie. Wer andere infizieren könnte, darf nicht in die Schule kommen. Das gilt auch für die Geschwister von erkrankten Kindern.
Halten die Betroffenen die Maßnahmen nicht ein, schreitet notfalls das Ordnungsamt ein. Im Extremfall droht eine Zwangsisolation. "Im Benrather Krankenhaus haben wir eine Unterbringungsmöglichkeit für solche Fälle", sagt Schneitler. "Bei Masern war das bisher aber noch nie erforderlich."
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