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14-jähriger bedrohte Lehrerin: Schüler in Handschellen abgeführt

VON STEFAN KAUFMANN UND CHRISTOPH SCHMIDT - zuletzt aktualisiert: 18.06.2009 - 07:53

Düsseldorf (RPO). Ein Düsseldorfer, der eine Realschule in Hilden besucht, soll vor seinen Mitschülern eine Lehrerin bedroht haben. Angeblich habe er eine Waffe besorgen wollen. Die Polizei nahm den 14-Jährigen in Gewahrsam, als er mit seiner Klasse das Berufsinformationszentrum in Düsseldorf besuchte.

 Foto: AP, AP
Foto: AP, AP

Polizeibeamte haben gestern einen Schüler aus Düsseldorf vorläufig festgenommen, der im Verdacht steht, seine Lehrerin bedroht zu haben. Der 14-Jährige, der die Evangelische Wilhelmine-Fliedner-Realschule in Hilden besucht, soll die Drohungen in einer Umkleidekabine ausgestoßen haben. In einem Internet-Chat hätten sich laut Polizei Mitschüler anschließend über den Vorfall ausgetauscht – eine Mutter wurde stutzig. Sie erkundigte sich bei ihrem Kind, anschließend meldete sie sich mit der Nachricht bei der Hildener Realschule.

Laut Schulleiter Otmar Scholl soll der 14-Jährige angekündigt haben, sich eine Waffe besorgen zu wollen. Dass dieser die Drohung ernst gemeint habe, könne er sich aber nicht vorstellen. Der Jugendliche sei nicht mehr und nicht weniger auffällig gewesen als andere in seinem Alter auch. Nach den schrecklichen Amokläufen an Schulen in der Vergangenheit habe die Fliedner-Realschule jedoch reagieren müssen. Die Schulleitung benachrichtigte die Polizei, die wiederum im Umfeld des 14-jährigen Jungen recherchierte. Nach RP-Informationen stellte sich heraus, dass der Großvater des Schülers im Besitz einer scharfen Waffe ist, die er auch angemeldet hat.

Info

Das Schulzentrum

Der 14-jährige Düsseldorfer Schüler besucht die Wilhelmine-Fliedner-Realschule in Hilden. Dort unterrichten zurzeit 48 Lehrer, 780 Schüler sind gemeldet. Die Fliedner-Realschule bildet zusammen mit dem Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium und einem Tagesinternat ein Schulzentrum der Evangelischen Kirche im Rheinland, das von rund 1800 Schülern besucht wird.

Bei den polizeilichen Ermittlungen wurde außerdem bekannt, dass sich die Klasse gestern Vormittag an der Grafenberger Allee in Düsseldorf aufhalten würde. Die Schüler besuchten dort das Berufsinformationszentrum (BIZ). Mit drei Wagen rückte die Polizei an, Beamte in Zivil betraten das Gebäude der Arbeitsagentur, in dem das BIZ untergebracht ist. Während sich die Klasse über Ausbildungsmöglichkeiten und Berufsbilder informierte, nahmen die Polizisten den 14-Jährigen mit. In Handschellen wurde er auf die Wache gefahren.

Schulleiter Otmar Scholl, der sich nach der Rückkehr der Klasse sofort mit dem Lehrer kurzschloss, berichtete: "Der Junge hat die ihm zur Last gelegte Drohung vehement bestritten." Auch die Düsseldorfer Polizei erklärte, dass der 14-Jährige in der Vernehmung den Beamten glaubhaft versichern konnte, dass er niemals eine Straftat begehen wollte. Da sich keine konkreten Hinweise auf weitere Gefährdungen ergaben, wurde der Junge seinen Eltern übergeben. Nach der Vernehmung leitete die Polizei ein entsprechendes Strafverfahren ein. Die Ermittlungen dauern an.

"Wir nehmen solche Drohungen nicht auf die leichte Schulter, das ist keine Lappalie", sagt Johannes Mocken von der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft zu dem Vorfall. "Sie lassen Unruhe in der Bevölkerung entstehen und animieren womöglich zu Nachahmungstaten." Der Straftatbestand lautet in einem solchen Fall: Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung einer Straftat. "Sollte sich der Tatbestand bestätigen, muss der Junge wohl vor Gericht erscheinen", sagt der Staatsanwalt.

Bei einem 14-Jährigen ist das Jugendgericht gefordert. Dabei steht statt einer Bestrafung der Erziehungsgedanke im Vordergrund, doch können auch diese Urteile einen laut Mocken "abschrecken und einen bleibenen Eindruck hinterlassen". Berücksichtigt wird allerdings der Bericht der Jugendgerichtshilfe, die das Umfeld und den Werdegang des Beschuldigten analysiert. "Meistens verhängen die Richter Arbeitsstunden bei einer gemeinnützigen Einrichtung – das können 20 oder auch 100 sein", sagt Mocken. Alternative ist die Teilnahme an einem Anti-Aggressions-Training.

Quelle: RP

 
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