Streit um Königsschuss in Urdenbach: Schützen: Kein Betrug möglich
VON BIRGIT WANNINGER UND JAN WIEFELS - zuletzt aktualisiert: 09.09.2010 - 07:43Düsseldorf (RPO). Schwere Vorwürfe gegen die Urdenbacher Schützen. Ex-König Ulf-Dieter Jung behauptet, beim Königsschuss sei manipuliert worden. Düsseldorfer Schützenvereine sagen: Bei uns kann jeder Schütze König werden.
Einmal im Leben Schützenkönig sein, davon träumen viele Schützen. Ein ehemaliger König des Bürgerschützenverein Urdenbach warf dem Verein Manipulation beim Königsschuss vor, das Landgericht befasst sich jetzt mit dem Fall. Bei den Düsseldorfer Schützenvereinen gibt es verschiedene Modalitäten, um König zu werden.
"Bei uns kann jeder Schützenkönig werden – vom Malermeister bis zum Millionär", sagt Lothar Inden, Chef des St. Sebastianus Schützenvereins von 1316. Denn beim größten Düsseldorfer Verein kostet es nichts, König zu werden. Da unterstützen alle Vereinsmitglieder den Regenten. Und geschummelt werden kann sowieso nicht.
Wenn während der Größten Kirmes am Rhein Oberkasseler Rheinwiesen der neue König ausgeschossen wird, dann hat jedes Vereinsmitglied eine Karte mit einer Nummer bekommen. Per Los wird entschieden, mit welcher Nummer begonnen wird. "Damit wir nicht immer bei eins anfangen, und damit eben jeder die Möglichkeit hat, König zu werden", sagt Inden.
Schießnummer entscheidend
So erging es auch Christian Benning, dem amtierenden König des St. Sebastianus Schützenvereins von 1316. "Wenn man die Möglichkeit hat, die richtige Schießnummer zu besitzen, um auf die Platte zu zielen, dann muss man das einfach tun", sagte Benning kurz nach seinem Treffer.
Mitten in den Vorbereitungen für das Schützenfest steckt zurzeit Peter Schmidt, Chef der St. Sebastianus Schützen Grafenberg. "Bei uns geht alles mit rechten Dingen zu", versichert er und verweist auf das Regelwerk. Wer König werden möchte, muss mindestens 21 Jahre alt sein und sich als Königsaspirant anmelden. Und er sollte rund 2500 bis 3000 Euro für die Feierlichkeiten einplanen. "Geschossen wird dann nach der Reihe. So lange, bis die Platte fällt", so Schmidt. Zwischen vier und zehn Schützen würden jedes Jahr zum Wettbewerb um die Königswürde antreten.
Ähnlich ist das Prozedere in Gerresheim. Die Kompanien der St. Sebastianus Schützenbrüderschaft melden die Kandidaten für das Königsschießen, die Reihenfolge wird auch hier gelost. Manipulationen seien nicht möglich, sagt Schützenchef Friedrich Herbertz: "Das würde man ja sehen, schließlich handelt es sich um einen offenen Schießstand." Glück und Können seien für den Königsschuss entscheidend.
Dass der Streit in Urdenbach vor dem Landgericht geklärt werden muss, hält Heinz-Dieter Werner, Chef der St. Sebastianus Schützen Heerdt, für sehr bedauerlich. "Wir tun so viel dafür, um das Schützenwesen positiv darzustellen. Ein solcher Vorfall ist absolut nicht hilfreich."
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