Friedrich G. Conzen: "Schuldenfreiheit ist unsere Kraft"
zuletzt aktualisiert: 24.08.2009 - 07:31Düsseldorf (RPO). Vor der Kommunalwahl am 30. August führen wir Gespräche mit Spitzenpolitikern der vier etablierten Parteien im Rat. Heute: Friedrich G. Conzen. Der CDU-Politiker will mehr Sammler und Künstler nach Düsseldorf locken, Aquazoo und Kunstmuseum qualitätsvoll ausbauen.
Herr Conzen, laut einer Umfrage des WDR käme Ihre Partei bei der Kommunalwahl am 30. August auf 43 Prozent, etwas weniger als 2004. Wie finden Sie diesen Wert?
Conzen Das wäre natürlich ein exzellentes Ergebnis für uns. Aber wir dürfen angesichts der Umfrage nicht leichtsinnig werden. Die Wahl ist noch nicht gewonnen. Deshalb dürfen wir im Wahlkampf nicht nachlassen. Wir müssen diese Umfrage als Ansporn sehen.
Die SPD kam dabei auf ein Rekordtief von 20 Prozent. Freut Sie das?
Conzen Nein, das kann ich nicht behaupten. Die SPD ist selbst schuld, wenn sie so schlecht abschneidet. Sie hat in Düsseldorf wirklich kein Profil. Auch in der Fraktion fehlt uns der richtige Ansprechpartner. Bei den Grünen und der FDP kann ich mich auf Absprachen verlassen, bei der SPD leider nicht.
Jetzt plakatiert die SPD den Slogan "So nicht, Herr Elbers!"...
Conzen Das ist vielleicht der letzte Versuch, Stimmen zu gewinnen. Die Umfrage hat gezeigt, dass 65 Prozent der Befragten nach einem Jahr Dirk Elbers sagen: Dieser Oberbürgermeister leistet gute Arbeit. Das zeigt doch, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Nur die SPD hat das offenbar noch nicht gemerkt.
Auf den Wahlplakaten der CDU ist vor allem Elbers zu sehen, der aber gar nicht zur Wahl steht. Wurmt Sie das nicht als Spitzenkandidat?
Conzen Nein. Die Fraktion und Dirk Elbers bilden eine Einheit, damit es unserer Stadt gut geht. Neue Dinge erarbeiten wir mit ihm gemeinsam. Das ist die Kernaussage unserer Plakate.
Die Opposition wirft Ihnen Wählertäuschung vor ...
Conzen Wurde jemand getäuscht, als im Europawahlkampf Herr Steinmeier plakatiert wurde?
Ihre Familie hat eine lange wirtschaftliche und politische Tradition in Düsseldorf. Fluch oder Segen?
Conzen Ich glaube ein Segen. Bei uns wurde in meiner Kindheit während der gemeinsamen Mahlzeiten über Politik und die Stadt diskutiert. Und ein bisschen macht es mich auch stolz, dass schon mein Urgroßvater Düsseldorfer Ratsherr war.
Ministerpräsident Rüttgers hat beim Kommunalwahlkampf-Auftakt in Düsseldorf an seine Parteifreunde appelliert, sich zum Wohle der Stadt zu zerfleischen. Für welches Thema würden Sie das machen?
Conzen Ich würde mich für die Schuldenfreiheit unserer Stadt "zerfleischen". Diese finanzielle Kraft ermöglicht uns vieles. Wir geben das Geld nicht für Zinsen aus, sondern wir investieren in zukunftsorientierte, wichtige Projekte.
Auf welche Projekte würden Sie denn für die Schuldenfreiheit verzichten?
Conzen Unsere finanzielle Situation ist nicht rosig, aber auch nicht finster. Einige Projekte werden wir zeitlich strecken und die Zeit nutzen, um ihre Planung voranzutreiben.
Was halten Sie denn für streckbar?
Conzen Was mir sehr wichtig ist, ist die Erweiterung des Kunstmuseums im Ehrenhof. Dort muss hochwertige Architektur entstehen. Das braucht Zeit. Das gilt ebenso für den Ausbau des Aquazoos.
Ist die Messe-Umfahrung U80 verzichtbar?
Conzen Ja, vielleicht. Aber es wäre natürlich schön, sie zu haben.
In Ihrer Fraktion gibt es Stimmen, die die U80 für unverzichtbar halten...
Conzen Das ist sicherlich ein Thema, über das wir noch diskutieren werden – auch mit der Messe und der Rheinbahn.
Sie sind Präsident des Einzelhandelsverbands. Der Handel hat es zurzeit nicht leicht – zur Krise kommen noch viele Baustellen. Zum Beispiel an der Schadowstraße. Wie helfen Sie?
Conzen Wir sind mit der DMT und der Stadt im Gespräch, um noch vor dem Weihnachtsgeschäft eine Kampagne zu starten, dass das Einkaufen in Düsseldorf trotz der Baustellen Spaß macht. Wir gehen natürlich auch Anregungen einzelner Geschäftsleute nach. Aber die Baustellen sind nun einmal da, damit müssen wir leben.
Sollte die Schadowstraße zur Fußgängerzone werden?
Conzen Wir haben durch den Wettbewerb für den zweiten Bauabschnitt des Kö-Bogens die Flächen in dem Bereich verteilt. Jetzt müssen wir uns mit Anwohnern, dem Einzelhandel und Experten zusammensetzen, dass wir den ganz großen Wurf schaffen. Dabei wird auch diese Möglichkeit geprüft.
Was bedeutet die Arcandor-Insolvenz für den Karstadt-Standort an der Schadowstraße?
Conzen Dort wird sich sicherlich etwas ändern. Wir wissen, dass Saturn den Standort Wehrhahn aufgibt. Ich könnte mir vorstellen, dass Kaufhof das Karstadt-Haus weiterführen will. Es ist die Frage, ob das Kartellamt fünf Häuser des selben Anbieters in Düsseldorf zulässt. Dieser Bereich wird auf jeden Fall eine Herausforderung für die Stadtplanung.
Daniel Libeskind, der Architekt des Kö-Bogens 1, war vor einer Woche bei Ihnen im Haus zum Abendessen. Im Rahmen des Projekts sind fast 20 000 Quadratmeter Einzelhandelsfläche vorgesehen. Ist das keine Gefahr für den bestehenden Handel?
Conzen Nein. Aber es wird eine Herausforderung für die Geschäfte in der Umgebung sein, da mitzuhalten.
Im zweiten Schritt soll die Hochstraße Tausendfüßler fallen. Können Sie den Protest dagegen verstehen?
Conzen Ich hänge nicht am Tausendfüßler und glaube, dass man die Fläche den Fußgängern zurückgeben sollte. Zudem gibt es Experten, die sagen, dass diese sanierungsbedürftige Hochstraße komplett neu aufgebaut werden muss und damit ihre Eleganz verlieren würde.
Sie waren mit OB Elbers bei der Sammlerin Julia Stoschek, die fürchtet, dass ihr für acht Millionen Euro saniertes Ausstellungshaus durch den Belsenpark zugebaut wird. Sollte an dieser Stelle umgeplant werden?
Conzen Wenn sich das machen ließe, wäre das eine schöne Sache. Ich finde die Idee von Frau Stoschek gut, den entstehenden Park mit Skulpturen zu bestücken. Die Bedürfnisse des Investors Vivico müssen auch berücksichtigt werden. Ich bin sicher, dass ein guter Kompromiss für alle Beteiligten gefunden wird.
Wie wichtig sind solche renommierten Privatsammler – oder Künstler wie Andreas Gursky – für Düsseldorf?
Conzen Sie helfen der Stadt auf jeden Fall. Wir müssen Künstler und Sammler in Düsseldorf halten und hierher locken. Deshalb ist die Erweiterung des Kunstmuseums so wichtig. Wenn jemand etwas Hochwertiges der Stadt überlassen möchte, geht das nur, wenn für solche Sammlungen Ausstellungsmöglichkeiten bestehen.
Sie sind Chef der größten Ratsfraktion, aber nur Dritter Bürgermeister. Sollten Sie nicht, wie Ihr Vorgänger Dirk Elbers auch, den Posten des Ersten Bürgermeisters beanspruchen?
Conzen Nein, wenn man mit dem Partner etwas abgemacht hat, muss man dabei bleiben.
Vielen in Ihrer Partei ist die Erste Bürgermeisterin, Frau Strack-Zimmermann von der FDP, zu präsent und zu mächtig. Wie sehen Sie das?
Conzen Frau Strack-Zimmermann holt als Bürgermeisterin das Optimale für die FDP heraus.
Haben die Grünen nach der Wahl die Chance auf ein Bürgermeisteramt?
Conzen Weshalb nicht? Das werden alles Gespräche sein, die nach der Wahl geführt werden. Ich finde es gut, wenn die Entscheidungen in der Stadt von einer möglichst breiten Mehrheit getragen werden.
Werden Sie Fraktionschef bleiben?
Conzen Das weiß ich nicht, das wird die neue Fraktion entscheiden. Ich stehe zur Verfügung.
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