Schüler und Lehrer erkrankt: Schweinegrippe: Schule fällt aus
VON GÖKCEN STENZEL, STEFAN KAUFMANN UND ANDREAS PANKRATZ - zuletzt aktualisiert: 04.11.2009 - 00:10Düsseldorf (RPO). Immer mehr Düsseldorfer lassen sich gegen das Virus H1N1 impfen. Lang war die Warteschlange vor der zentralen Impfstelle, die Dienstag 1100 Patienten besuchten. Derweil breitet sich die Grippe in der Stadt aus. In zwei Schulen ist ein Teil der Schüler- sowie der Lehrerschaft erkrankt.
In zwei Düsseldorfer Schulen häufen sich so viele Schweinegrippe-Verdachtsfälle, dass der der Unterricht nur noch eingeschränkt läuft. In der Gerhard-Tersteegen-Grundschule in Stockum bleibt eine dritte Klasse bis zum Wochenende zu Hause, weil 14 von 28 Kindern Grippe-Symptome zeigten. Bei einem der Kinder wurde gestern die neue Grippe nachgewiesen, so dass die Vermutung naheliegt, dass auch die anderen Schüler an H1N1 leiden. An der Fritz-Henkel-Hauptschule in Garath sind zehn von 25 Lehrern krank; drei von ihnen sowie zwei Schüler haben nachgewiesenermaßen Schweinegrippe. Allerdings bleiben mehr als 120 Schüler seit Anfang der Woche weg zum Teil, weil sie sich krank fühlen, zum Teil aus Angst vor Ansteckung.
"Wir hoffen, dass wir die Ausbreitung mit der Beurlaubung der Klasse in den Griff bekommen", sagt Ulrike Schadewaldt, Leiterin der Grundschule, die sich gestern Morgen zu der Maßnahme entschlossen hatte. Zudem ist eine schwangere Lehrerin vorsichtshalber beurlaubt. Die Eltern sind besorgt: Ein Vater sagte gegenüber der Rheinischen Post, dass er überlege, seinen Sohn zu Hause zu behalten. Er geht in die Parallel-Klasse, ist aber mit den jetzt beurlaubten Kindern gut befreundet. Schadewaldt hat einen Info-Brief an die Eltern herausgegeben und sich mit dem Gesundheitsamt beraten: Eine komplette Schul-Schließung ist nicht geplant.
Auch die Fritz-Henkel-Hauptschule an der Stettiner Straße soll aktuell nicht geschlossen werden, obwohl fast die Hälfte der Schüler und zehn Lehrer derzeit fehlen. Klaus Thören, Mitglied im Förderverein, versteht das nicht: "Ich finde es seltsam, dass nicht geschlossen wird. Das bedeutet doch, die Eltern mit der Entscheidung allein zu lassen." Möglich aber, dass die Schule aus organisatorischen Gründen doch noch schließen muss weil die Leute fehlen.
Indessen lassen sich immer mehr Menschen impfen. Allein gestern kamen 1100 Impfwillige in die zentrale Impfstelle an der Erkrather Straße, die deshalb vergrößert werden soll. Die Verantwortlichen des Gesundheitsamtes verhandeln mit dem Vermieter der Räume: Sie wollen eine Türöffnung durchbrechen, um Platz zu schaffen. Am Ende sollen 16 Impfkabinen zur Verfügung stehen, derzeit sind es acht plus vier Arztzimmer. "Wir sind überrascht über den Zulauf", sagt Rüdiger Lerchner vom Amt. "Wir haben nicht zu hoffen gewagt, dass sich die Zahl der Impf-Patienten innerhalb von zwei Tagen mehr als verdoppelt." So begann die Warteschlange gestern 50 Meter vor der Eingangstür, Wartezeiten bis zu zwei Stunden mussten eingerechnet werden. Sechs Ärzte des Gesundheitsamtes impften, hinzu kam Amtsleiter Heiko Schneitler, der sich nachmittags in den Schichtdienst einreihte. "Ich kann den Leuten nur empfehlen, morgens zu kommen", sagt Schneitler, der sich wundert, dass "so viele Auswärtige zu uns zum Impfen kommen".
Den Zulauf bemerken auch die niedergelassenen Ärzte. In der Oberkasseler Gemeinschaftspraxis Reinerth, Najorka, Schulte-Goebel haben zwei Ärzte und vier Arzthelfer in zwei Stunden mehr als 100 Patienten geimpft. Zum Vergleich: In der vergangenen Woche waren es an zwei Impftagen nur 50. Ein Grund für die deutlich erhöhte Nachfrage, so Ärztin Katrin Najorka, seien die Meldungen über die Todesopfer. Und: "Viele erfahren, dass ihre Freunde sich impfen lassen und keine Nebenwirkungen erlitten haben."
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