Erzieher werden untersucht: Schweinegrippe: Test-Betrieb läuft
VON STEFAN KAUFMANN, TOBIAS DUPKE UND STEFANIE WINKELNKEMPER - zuletzt aktualisiert: 05.08.2009 - 07:33Düsseldorf (RPO). Das Gesundheitsamt lässt alle Kindergärtner, die aus dem Urlaub zurückkommen, vorsorglich untersuchen. In Kürze soll das Benrather Testzentrum für Bürger geöffnet werden. Ein gutes Dutzend Ärzte hat sich bislang bereit erklärt, dort zu arbeiten. André Schumacher ist einer von ihnen.
Nahezu unbemerkt hat die Anlaufstelle für Schweinegrippe-Tests in Benrath ihren Betrieb aufgenommen. Gestern empfingen Mitarbeiter des Gesundheitsamtes Angestellte der Düsseldorfer Kindergärten, um sie in den Räumen des alten Benrather Krankenhauses auf das neue Virus zu testen. Denn die Stadt hat sich entschlossen, alle Erzieher, die ihre Sommerferien in Spanien oder Großbritannien verbracht haben, vorsorglich zu untersuchen. Bisher haben sich rund 20 Kindergärtner an die Hospitalstraße in Benrath begeben.
"Wir haben die Leiter der Kindergärten informiert, damit sie sich mit ihren Mitabeitern in Verbindung setzen können", sagt Gesundheitsdezernent Wilfried Kruse. Die Kooperationsbereitschaft sei sehr groß. Auch die Kindergärten, die unter freier Trägerschaft sind, hätten sich bereiterklärt, an der Test-Aktion mitzumachen.
Kruse begründet die Maßnahme: "Erzieher haben engen Kontakt zu den Kindern, deshalb wollen wir sie nicht ungetestet zurück zur Arbeit lassen." Erst wenn nach einem Abstrich ein negatives Testergebnis vorliegt, sollen die Angestellten wieder in die Kitas gehen.
Die Kinder selbst brauchen allerdings kein Attest. "Ihre Betreuer sind sensibilisiert, dass sie bei dem kleinsten Anzeichen einer Grippe das Gesundheitsamt kontaktieren", sagt Kruse. Vor Beginn des neuen Schuljahres sollen zudem die Lehrer in der Landeshauptstadt über hygienische Maßnahmen und Verhaltensregeln im Verdachtsfall aufgeklärt werden – alle Rektoren nehmen an einer Schulung im Gesundheitsamt teil.
Ob vor Schulbeginn auch Düsseldorfs Lehrer prophylaktisch getestet werden, steht noch nicht fest. "Darüber entscheiden wir erst gegen Ende der Sommerferien", sagt Kruse. Tests machen seiner Meinung nach bei allen Berufsgruppen Sinn, die viel Kontakt mit anderen Menschen haben. Das sei bei Erziehern und Lehrern der Fall, gelte aber auch für einige Ämter. Als Beispiel nennt Kruse die Mitarbeiter in Bürgerbüros.
Derweil laufen in Benrath die abschließenden Vorbereitungen für Reihen-Tests aller Bürger mit Verdacht auf eine Schweinegrippe-Infektion. "Ein gutes Dutzend Ärzte hat sich zum Einsatz bereiterklärt", sagt Ralph Eisenstein, Vorsitzender der Kreisstelle Düsseldorf der Kassenärztlichen Vereinigung. Einer der Freiwilligen ist Allgemeinmediziner André Schumacher aus Holthausen. "Es ist für mich eine Selbstverständlichkeit zu helfen", sagt er.
Allerdings nur, wenn heute bei den Verhandlungen der Kassen und Ärzte in Berlin die Kostenfrage geklärt werde. Und so könnte der Betrieb in Benrath dann ablaufen: Vormittags kommen die Patienten und lassen sich mit einem Abstrich aus der Nasen- oder Mundschleimhaut testen. Mittags werden die Proben in das Labor Nemes in der Innenstadt gefahren, die Viren bebrütet, und spätestens um 18 Uhr liegen die Testergebnisse vor.
André Schumacher ist gut vorbereitet auf seinen Einsatz. Einen Schutzkittel, Handschuhe und eine Gesichtsmaske, die Mund und Nase abdeckt, hat er einsatzbereit in seiner Praxis liegen. "Sorgen, dass ich mich selbst anstecken könnte, mache ich mir eigentlich kaum", sagt er.
Stärker beschäftigt ihn die Frage, wie er seine Patienten in Holthausen in dieser Zeit betreut. Denn Schumacher praktiziert allein. Für die Vormittage, an denen er die Bürger auf Schweinegrippe testet, will er sich eine Vertretung suchen. "Schon deshalb müssen die Kosten des Einsatzes geklärt werden", sagt Schumacher. Schließlich bedeutete die Arbeit in Benrath für alle beteiligten Kollegen einen Mehraufwand. "Außerdem wäre es gut, wenn sich noch mehr Kollegen bereit erklären würden", sagt er.
Am Freitag der vergangenen Woche besichtigte der Allgemeinmediziner erstmals die Räume des ehemaligen Krankenhauses an der Hospitalstraße. Der Holthausener hält sie für äußerst geeignet, da es mehrere Warte- und Behandlungszimmer gibt, so dass sich nicht alle Wartenden gegenseitig anstecken können.
Alternativ hat Kollege Eisenstein Gefallen an einer neuen Testmethode in den USA gefunden. Dort werden die ersten Drive-In-Praxen eröffnet: Die Patienten fahren vor, der Arzt testet sie durch das geöffnete Autofenster, und sie fahren sofort wieder nach Hause.
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