Organisation plant Zentrum in Flingern: Scientology macht sich breit
VON MICHAEL BROCKERHOFF - zuletzt aktualisiert: 25.04.2008 - 09:09Die umstrittene Organisation hat in Flingern ein Haus gekauft, da sie mehr Platz brauche. Das bisherige kleinere Zentrum an der Friedrichstraße ist inzwischen geschlossen. Kirche und Politiker setzen auf Aufklärung.
Mit einem Scientology-Zentrum in Flingern hatte Peter Andersen, Pfarrer der evangelischen Matthäikirche in Düsseltal/Flingern, nicht gerechnet, weil die City mit den vielen Werbemöglichkeiten weit entfernt ist. Jetzt sieht er sich aber gefordert. „Wir müssen im Stadtteil über die Methoden und Ziele von Scientology aufklären“, sagte er. Viele wüssten nicht, mit welchen Versprechen für ein angeblich erfolgreiches Leben Menschen angelockt werden sollten.
Aber Panik ist unangebracht, darin ist er sich mit dem Beauftragten für Weltanschauungsfragen der evangelischen Landeskirche, Andrew Schäfer, einig. Denn wer kritisch sei und sich nicht durch Reden und Tests blenden lasse, könne sich gegen Scientology wehren. „Ich rate jedem, sich nicht zu einem der kostenlosen Persönlichkeitstests überreden zu lassen, die auf der Straße angeboten werden“, sagte Schäfer. Denn jeder habe ein paar persönliche Schwierigkeiten. Um mit ihnen fertig zu werden, brauche es die teuren Bücher und Kurse von Scientology nicht.
Die Organisation selbst begründet die Eröffnung des neuen Zentrums in Flingern mit einer steigenden Nachfrage. „Das Haus an der Hermannstraße, das wir gekauft haben, ist mit 900 Quadratmeter dreimal so groß wie das bisherige Zentrum an der Friedrichstraße, das wir geschlossen haben“, erklärte Claudia Uhl, Scientology-Pressesprecherin. Zum neuen Zentrum kämen Besucher aus ganz NRW. Eien Wechsel gab es bereits bei den Celebrity-Zentren, die Künstlern und Intellektuellen die Scientology-Ideologie vermitteln wollen. Räume an der Luisenstraße wurden zugunsten eines Centers an der Wiesenstraße (Heerdt) aufgegeben.
In der Politik werden die Aktivitäten von Scientology mit Sorge und mit Bedauern gesehen. „Ich halte es für unerträglich für eine weltoffene Stadt wie Düsseldorf, das ertragen zu müssen“, formuliert FDP-Fraktions-Chefin Marie-Agnes Strack-Zimmermann ihre ganz persönliche Meinung.
Aber da Scientology nicht verboten sei und es nicht um städtische Grundstücke gehe, könne die Stadt wenig machen, erklärte sie. Diese Einschätzung teilt CDU-Ratsfrau Hildegard Kempkes. Sie will zudem keine Aufklärungskampagnen, weil dann Scientology noch bekannter würde. Kempkes setzt vielmehr auf Informationen bei Zielgruppen wie Pädagogen oder Elternkreisen. Die Grüne Iris Bellstedt sowie SPD-Fraktionsgeschäftsführerin Annette Steller setzen auf Information zur Vorbeugung, mehr könne allerdings eine Stadt nicht machen.
Wie wichtig Aufklärung ist, weiß Schäfer. Der jüngste Fall: eine Auszubildende war von ihrer Ausbilderin zu Tests in ein Celebrity-Center gebracht worden. Als die junge Frau dann Verträge über Kurse bei Scientology unterschreiben sollte, wehrte sie sich gerade noch rechtzeitig. Der Ausbilderin wurde inzwischen von ihrer Firma wegen ihrer Aktion gekündigt. „Scientology ist aktiv, wir müssen darauf vorbereitet sein“, schließt Schäfer daraus.
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