Bundespräsidentenwahl: Sechs Stimmen für Wulff
VON DENISA RICHTERS - zuletzt aktualisiert: 30.06.2010 - 08:42Düsseldorf (RPO). Wenn heute um zwölf Uhr die Bundesversammlung zusammenkommt, um den neuen Bundespräsidenten zu wählen, werden unter den insgesamt 1244 Mitgliedern auch zehn Wahlfrauen und Wahlmänner aus Düsseldorf sein. Zwar ist die Abstimmung geheim, doch unserer Redaktion haben sie verraten, wen sie wählen wollen.
Demnach bekommt der schwarz-gelbe Kandidat Christian Wulff (CDU) aus Düsseldorf eine klare Mehrheit, nämlich sechs der zehn Stimmen. Drei der Wahlleute aus Düsseldorf sprechen sich für Joachim Gauck, den Kandidaten von SPD und Grünen, aus. Eine Stimme geht an die Kandidatin der Linken, Luc Jochimsen.
Für zwei Düsseldorfer ist es das sechste Mal, dass sie einen Bundespräsidenten wählen: für die Bundestagsabgeordnete Beatrix Philipp (CDU) und Handwerkskammer-Präsidenten Wolfgang Schulhoff (CDU). Beide hätten sich auch ihren Parteifreund, Bundestagspräsident Norbert Lammert, als Kandidaten vorstellen können.
Nun gehen ihre Stimmen an Wulff. "Mir ist die Entscheidung noch nie so schwer gefallen", sagt Schulhoff. Er schätze Gauck sehr, habe sich nach langem Überlegen aber für einen Politiker, also Wulff, entschieden. Für Thomas Jarzombek (CDU), seit 2009 im Bundestag, ist es eine Premiere: Er wählt Wulff, "weil er jung ist und mitten im Leben steht". Der Landtagsabgeordnete Jens Petersen (CDU) findet wichtig, dass "Wulff die Strukturen der Parteien aus dem Effeff kennt".
Verlassen kann sich Wulff auch auf die beiden Liberalen aus Düsseldorf: Gisela Piltz, Fraktions-Vizechefin in Berlin, verweist auf die politischen Erfolge des schwarz-gelben Kandidaten als Ministerpräsident von Niedersachsen. Robert Orth, FDP-Landtagsabgeordneter, findet zudem wichtig, dass Wulff Jurist ist, da er als Bundespräsident Gesetze unterschreiben müsse.
Tief beeindruckt vom Charisma des DDR-Bürgerrechtlers Joachim Gauck zeigen sich der SPD-Politiker Dirk Jehle und Monika Düker, Landtagsabgeordnete und frisch gekürte Chefin der NRW-Grünen. Beide geben Gauck deshalb ihre Stimme. Ebenso Sven Giegold, der für die Grünen im Europaparlament sitzt. "Ich bin nicht immer seiner Meinung", sagt er. "Aber Gauck ist unideologisch, hat sich bei schwierigen Themen mutig positioniert – und das tut gut."
Gaucks klare Positionen, etwa für den Afghanistan-Einsatz oder in seiner früheren Rolle als Stasi-Aufklärer, machen ihn für die Kommunistin Sahra Wagenknecht, die aus ihrem Düsseldorfer Wahlkreis für die Linke in den Bundestag eingezogen ist, unwählbar. Das gelte auch, wenn es zu einem dritten Wahlgang kommen sollte.
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