Diebe gruben Loch zum Juwelier: "Sie nahmen nur die schönsten Stücke"
VON STEFANI GEILHAUSEN - zuletzt aktualisiert: 08.07.2009 - 07:36Düsseldorf (RPO). Die Täter, die durch eine Wand in das Geschäft an der Berliner Allee eindrangen, erbeuteten Goldschmuck im Wert von 200 000 Euro. Sie müssen sich ausgekannt haben. Der Juwelier sagt: "Sie nahmen nur die schönsten Stücke."
Er ist mit Leib und Seele Juwelier. "Ich arbeite gern mit schönen Dingen – und ich habe mir mit viel Fleiß eine Existenz in Düsseldorf aufgebaut", sagt Ishak Karabiyik. Seit gestern würde er am liebsten aufgeben. Die Verbrecher, sagt er, "haben mir Kraft und Hoffnung geraubt." Und Ringe, Uhren, Halsketten und Anhänger im Wert von mindestens 200 000 Euro.
Es seien seine schönsten Stücke gewesen, sagt der Juwelier, der 1990 nach Düsseldorf kam und sechs Jahre später in Flingern sein erstes Geschäft eröffnete, dem er den Namen seiner Heimat gab. Heute hat "Anadolu" vier Filialen, in der Altstadt, in Oberkassel und – seit zwölf Jahren – im Bürohaus Berliner Allee 61. Ganz in der Nähe baut die Rheinbahn zurzeit die Gleise neu. Das macht Krach, auch in der Nacht. Und vermutlich haben sich die Einbrecher genau das zu Nutze gemacht, als sie erst das Rollgitter vor dem Eingang, dann die gläserne Eingangstür aufbrachen – und dann seelenruhig im Treppenhaus ein Loch in die Wand zum Juweliergeschäft gestemmt.
Erst nahmen die Täter die Marmorplatten ab, mit denen das Treppenhaus verkleidet ist, dann zertrümmerten sie die Wand. Unter den Wasserrohren ist gerade Platz, um sich hindurchzuzwängen. Im Laden versuchten die Einbrecher zuallererst, die Bewegungsmelder und die Kameras zuzudecken. Die Styroporplatten, die sie dazu mitgebracht haben, liegen noch im Laden. Die Beute machen sie in Windeseile. Karabiyik hat seine schönste Ware in zwei große Alukoffer gepackt. Die speziellen Schmuckkoffer hat er erst kürzlich gekauft, holt einzelne Teile nur heraus, um sie Kunden zu zeigen. Und nur der Inhalt dieser beiden Koffer hat die Täter offenbar interessiert. Die Vitrinen blieben unberührt.
Der Hausmeister, der im siebten Stock des Geschäftshauses seine Wohnung hat, hörte nichts. Auch die zwölf Gleisbauer , die etwa zweihundert Meter weiter auf der Rheinbahnbaustelle arbeiteten, konnten der Polizei nicht helfen. Alle wurden gestern Früh bereits befragt.
Der Wachdienst hat Ishak Karabiyik um 3.15 Uhr aus dem Bett geklingelt. Kurz zuvor hatten die Bewegungsmelder im Laden Alarm ausgelöst. Doch als der Wachdienst und die Polizei am Gebäude eintrafen, waren die Täter bereits weg.
Der Juwelier ist frustriert. Schon vier Monate, nachdem er das erste Geschäft eröffnet hatte, stand er bewaffneten Räubern gegenüber. In einer anderen Filiale scheiterte ein Einbruchsversuch. "Ich habe einen schönen Beruf. Aber die Verbrecher nehmen mir die Freude daran. Jeden Tag muss ich damit rechnen, dass so etwas passiert", sagt Karabiyik. Da tröstet ihn auch der Gedanke nicht, dass sein Schaden von der Versicherung ersetzt wird. "Kameras, Bewegungsmelder, Panzerglas – so viel haben wir investiert. Aber nichts gibt uns Schutz."
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