Schon vor Google Street View: "Sightwalk" zeigt Düsseldorfer Straßen und Häuser
VON JUDITH CONRADY - zuletzt aktualisiert: 09.12.2009 - 14:34Während Bürger in Düsseldorf dagegen protestieren, dass Google die Düsseldorfer Straßen und Häuser abfotografiert und im Internet zeigen will, ist ein Kölner Unternehmen längst einen Schritt weiter: Auf der Website www.sightwalk.de können Internetnutzer bereits jetzt einen virtuellen Spaziergang durch große Teile Düsseldorfs unternehmen.
Bereits seit Juli 2009 sind die Ansichten der Landeshauptstadt online. Bisher sind auf der Website Ansichten der City und der innenstadtnahen Stadtteile inklusive Flingern, Bilk und Teilen von Oberkassel zu finden. Die hochauflösenden Bilder sind aus der Perspektive eines Spaziergängers in etwa 1,90 Meter Höhe aufgenommen und als Panorama-Ansichten angelegt: Der Betrachter kann sich virtuell einmal um die eigene Achse drehen.
Die Gründer der Website sind drei Freunde aus Köln, denen die Idee während ihres Studiums kam. Im April 2009 startete "Sightwalk" mit Fotos von Köln, inzwischen sind neben Düsseldorf auch Berlin, Bonn, Hamburg und München online.
Die Geschäftsidee: Unternehmen sollen in dem virtuellen Stadt-Panorama werben. Protesten von Anwohnern, die die Bilder ihrer Häuser nicht weltweit abrufbar im Internet sehen wollen, hofft "Sightwalk" von vornherein den Wind aus den Segeln nehmen zu können. "Wir sind keine Spionage-Datenkrake", sagt Leon Fuller, Vertriebsspezialist des Start-up-Untenehmens. Alle Gesichter, Nummernschilder und Hausnummern habe man unkenntlich gemacht und damit die Datenschutzbestimmungen übererfüllt, so Fuller. Bisher habe nur eine handvoll Anwohner die Löschung der Fotos ihrer Häuser gefordert.
Ob auf der Website künftig noch weitere Stadtteile von Düsseldorf gezeigt werden, ist laut Fuller noch nicht entschieden. "Wir richten uns da nach den Wünschen der Nutzer. Wir wollen das zeigen, was sie interessiert. Also touristisch und kulturell interessante Teile der Stadt und keine reinen Wohngebiete." Fuller betont, anders als Google mit seinem Projekt "Street View" habe "Sightwalk" nicht die Absicht, die Straßen der gesamten Stadt abzubilden.
Dennoch sieht die FDP-Fraktion im Düsseldorfer Rat die Website mit Sorge. Die Liberalen hatten eine Anfrage zu Google Street View in den Rat eingebracht, um anzuregen, dass die Stadt die Löschung öffentlicher Gebäude aus Street View veranlassen könne. Ziel der Düsseldorfer FDP ist es, die Bürger für das Thema zu sensibilisieren. "Sightwalk ist ebenso kritisch zu sehen wie Street View, hinter beiden Angeboten steckt das gleiche Prinzip", sagt Fraktionsgeschäftsführer Manfred Neuenhaus. Problematisch sei nicht das einzelne Foto eines Gebäudes, sondern die Möglichkeit, dieses Bild mit weiteren Informationen aus dem Internet zu verknüpfen. "Das ein weiterer Baustein gegen die Datensicherheit", so der FDP-Ratsherr.
Mit politischen Mitteln lasse sich dieser Prozess wohl nicht aufhalten, sagt Neuenhaus. Er hofft darauf, dass möglichst viele Bürger von der Möglichkeit Gebrauch machen, Fotos ihrer Häuser aus solchen Angeboten löschen zu lassen - dieses Recht steht Hauseigentümern zu. "Ich habe den Eindruck, dass das Bewusstsein der Bevölkerung für dieses Problem wächst", sagt Neuenhaus. "Ich zumindest möchte mich an solche Bilder nicht gewöhnen. Und ich möchte auch nicht wissen, was dann die nächste Stufe ist."
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