Kakerlaken, Mäuse, verdorbenes Hühnerfleisch: Skandalöse Hygienemängel
VON ANKE KRONEMEYER - zuletzt aktualisiert: 14.09.2007 - 08:07Düsseldorf (RPO). Kakerlaken und Mäuse in Imbissbuden, verfaultes Hühnerfleisch aus dem Supermarkt: Der Jahresbericht der Lebensmittelkontrolleure klingt unappetitlich. 2006 wurden 54 Betriebe geschlossen.
6400 Betriebe, in denen Lebensmittel verarbeitet oder verkauft werden, stehen Jahr für Jahr auf der Check-Liste der Lebensmittelkontrolleure. Dazu gehören Imbissbuden, Restaurants, Supermärkte. 54 von ihnen wurden im Jahr 2006 vom Amt für Verbraucherschutz geschlossen. In 30 Fällen war es dort extrem schmutzig, in 20 Fällen wurden Mäuse, Mäusekot, Ratten, Schaben oder Fliegen festgestellt. „Alle Zahlen liegen aus unserer Sicht im normalen Bereich“, bilanzierte gestern Klaus Meyer, der das Amt kommissarisch leitet. Eklig klingt’s trotzdem, wenn er von Schimmel an den Wänden und Kakerlaken-Eiern in den Küchenritzen erzählt.
Die Verbraucherschützer machten 3141 Kontrollen. Dabei wurden 2179 Verwarnungen ausgesprochen, in 280 Fällen Verwarngelder in Höhe von 35 Euro verhängt. Ein wesentlich höheres Bußgeld zahlen mussten 97 Geschäftsleute, gegen 37 wurden sogar Strafverfahren eingeleitet. Ein großes Problem bei der Kontrolle von gastronomischen Betrieben: „Die Betreiber wechseln oft sehr häufig, sind meistens ungelernt, viele verstehen uns gar nicht.“ Der nötige Sachkundenachweis sei eine schlichte Belehrung. Meyer: „Man spricht ja auch vom Frikadellenkurs.“
675 Düsseldorfer meldeten sich im vergangenen Jahr beim Amt für Verbraucherschutz, um von ihnen gerade gekaufte Ware überprüfen zu lassen. Der eine hatte in einem Supermarkt verdorbenes Hühnerfleisch gekauft, der andere entdeckte Fliegeneier in der Brühwurst, der dritte tranige und ranzige Truthahnsalami, der nächste Raupen in Erdnüssen. Einige Sachen stinken dermaßen, dass sich die Chemiker eine mikrobiologische Prüfung sparen können. Dann werden die Supermärkte aufgesucht und kontrolliert. Nur ganz selten würden diese Läden geschlossen, meistens reiche es aus, die Ware aus dem Regal zu nehmen, so Meyer.
Die Zahl der Verbraucher, die sich im Amt für Verbraucherschutz melden, bleibt auf hohem Niveau stabil. „Je mehr Lebensmittelskandale es gibt, desto sensibler sind alle“, weiß Meyer. Im Jahr 2002 hätten sich nur 342 Verbraucher gemeldet. Als im vergangenen Jahr Gammelfleisch entdeckt worden war, wurden auch in Düsseldorf 600 Kilo Tiefkühlware gefunden. Das Mindesthaltbarkeitsdatum war abgelaufen, die Ware wurde vernichtet.
Auch der Tierschutz gehört zum Bereich des Verbraucherschutz-Amtes. 2006 hatten 192 Düsseldorfer Hinweise auf Verstöße gegen das Tierschutzgesetz gegeben. Der exotischste Fall: Ein Mann hatte sein Gartenhäuschen an einen Orchideen-Züchter vermietet. Als dieser die Miete nicht mehr zahlte, entdeckte der Vermieter keine Orchideen, sondern 36 Schlangen. 19 von ihnen waren bereits verhungert, verdurstet und verendet, die anderen wurden im Aquazoo aufgepäppelt und dann an zuverlässige Halter weitervermittelt.
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