Düsseldorf: Ski-Weltcup – ein Segen für den Handel?
VON MATTHIAS ROSCHER - zuletzt aktualisiert: 03.06.2008Düsseldorf (RPO). Bei den Marketing-Strategen der Stadt und den Schneeproduzenten der Ski-Halle in Neuss ist die Freude über den Zuschlag des Internationalen Skiverbandes ungetrübt. „In welcher Stadt kann man schon zwischen festlich geschmückten Hütten bummeln, Geschenke einkaufen und gleichzeitig Ski-Weltcup gucken“, meint DMT-Geschäftsführerin Eva-Maria Illigen-Günther. Von einer „Sensation“, vom „Lohn für die bisherige Pionierarbeit“, sogar vom „Ritterschlag“ spricht der Chef des Organisationskomitees in Neuss, August Pollen. Düsseldorf liege terminlich nun auf Augenhöhe mit den namhaften Austragungsorten in Finnland, Norwegen und Italien.
Mit gemischten Gefühlen schaut dagegen der Sprecher des Düsseldorfer Einzelhandels, Dirk Henckel, in den Kalender: „Der letzte Samstag vor Weihnachten ist unser stärkster Umsatztag im Jahr. Da haben wir keine Zeit und keine Kapazitäten frei, um uns noch um andere Dinge zu kümmern.“ Henckels Kollege Dirk Schaper freut sich, „wenn der Schlossturm und die Lambertuskirche wieder auf Millionen Bildschirmen zu sehen sein wird“. Der Vorsitzende der Altstadtgemeinschaft sieht jedoch auch die Stadt „bei der Suche nach intelligenten Verkehrslösungen“ gefordert.
Selbst für Skisport-Experten kam der neue Termin 20. und 21. Dezember – nicht wie gestern irrtümlich gemeldet der 21. und 22. Dezember – überraschend. Zum einen liegt er inmitten der heißen Phase der Weltcupsaison, zum anderen wurde er vom Internationalen Skiverband (FIS) auch schon für die Saison 2009/2010 vorgemerkt. Bisher hielten die Funktionäre solche Termine für die Finnen, Norweger und Italiener frei.
2001 fing alles an
Die Idee zum Weltcup am Rhein wurde 2001 geboren. Damals saßen in der Neusser Skihalle deren Geschäftsführer August Pollen und Langlauf-Bundestrainer Jochen Behle zusammen. Ohne die sofortige Zustimmung durch den verstorbenen Oberbürgermeister Joachim Erwin wäre daraus aber nie Wirklichkeit geworden.
Galt das Düsseldorfer Weltcup-Wochenende im Herbst bei den Athleten bisher als willkommener Saisonauftakt, so bekommt er in der heißen Phase der Saison einen größeren Stellenwert. Damit wächst seine Bedeutung auch für die Sponsoren.
Während Schaper in der Altstadt von einer zusätzlichen Belebung für unser Viertel“ spricht und bei dieser Gelegenheit daran erinnert, dass es selbst unter den Geschäften an der vom U-Bahn-Bau stark tangierten Kasernenstraße bisher keine Einbrüche gebe, denkt Henckel mit Sorge an die zusätzlichen Verkehrsbelastungen: An die vielen Baustellen in der Innenstadt und an die vielen den Weihnachtsmarkt ansteuernden Busse aus Holland und Belgien. „Grundsätzlich finde ich solche Events ja gut, und der Sonntag ist uns ja auch egal. Aber der Samstag – das wird kein glücklicher Hochgenuss.“
Die DMT dagegen sieht für Düsseldorf bisher nie geahnte Vermarktungsmöglichkeiten: „So ist geplant, für das Schneespektakel zusammen mit Weihnachtsmarkt und Christmas-Shopping im In- und Ausland die Werbetrommel zu rühren.“
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